T Day 2025 – Thales, KNDS, BWI, Lindnerhof, Mercedes-Benz Defence Trucks und DES zeigen kampferprobte Technologien

Waldemar Geiger

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Eingebunden in ein operatives Szenario haben die Unternehmen Thales, KNDS Deutschland, BWI, Lindnerhof Taktik, Mercedes-Benz Defence Trucks und Diederich Engineering Systems am 3. Juni in Koblenz im Rahmen des „T Day 2025“ – das T steht für Technology – Fachbesuchern aus dem Verteidigungsministerium, der NATO, dem Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw sowie Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr neue und kampferprobte Technologien und Produkte vorgestellt.

Das auf dem Thales-Standort in Koblenz gezeigte taktische Szenario – welches in Form einer dynamischen Vorführung demonstriert wurde – sah vor, dass im Raum vermutete feindliche Kräfte mittels unterschiedlicher Sensoren aufgeklärt und identifiziert sowie im Anschluss bekämpft werden sollten. Darüber hinaus hatten die Fachbesucher die Möglichkeit, die im Rahmen der Vorführung gezeigten sowie weitere Produkte der beteiligten Unternehmen anschließend in einer statischen Waffenschau genauer zu betrachten und sich mit den Produktverantwortlichen auszutauschen.

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Den Beginn des Szenarios markierte der Einsatz eines mit einem Bodenüberwachungsradar Ground Observer 12 ausgestatteten Aufklärungstrupps. Die Bundesregierung hat eigenen Angaben zufolge bereits über 100 solcher Systeme an die Ukraine geliefert und vor wenigen Wochen insgesamt die Lieferung von 1.100 Bodenüberwachungsradaren zugesagt. Der  von Thales hergestellte Ground Observer 12 (GO12) ist das einzige Bodenüberwachungsradar, das in Deutschland gefertigt wird. Gezeigt wurde das System in einer tragbaren Variante mit einem Gesamtgewicht von 38 kg, der Sensor selbst wiegt rund 17 kg. Darin enthalten: Sensor, Batterien, Bedieneinheit und Dreibein. Als Tragesystem wurde das sogenannte „Tragesystem Thales GO12“ des bayerischen Ausrüstungsspezialisten Lindnerhof Taktik genutzt, welches auf Basis des Lindnerhof Schwerlast-Tragesystems „The Beast“ entwickelt wurde.

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Das „GO12-System nutzt ein Pulse-Doppler-Radar und das Ku-Band. Es werden Thales zufolge verschiedene Modi für die Suche angeboten. Die Reichweite wird mit maximal 27 km angegeben, ein Scan dauert zwischen 12 und 32 Sekunden. Je nach eingestelltem Modus, können Personen in Entfernungen von bis zu 8,4 km, Fahrzeuge bis zu 16,8 km und Hubschrauber bis zu 15,6 km detektiert werden. Mit einem Batteriepack kann das System rund 6 Stunden autonom betrieben werden.

Mittels des Pulse-Doppler-Radars konnte der eingesetzte Trupp im Rahmen der Vorführung nicht nur die Position der feindlichen Kräfte aufklären, sondern auch bestimmen, dass es sich um zwei große Radfahrzeuge handelte. Ein im Anschluss eingesetzter UGV-THeMIS konnte mittels seines optronischen Sensors die Feindkräfte genau identifizieren und die Aufklärungsergebnisse an den Gefechtsstand melden.

Der Gefechtsstand der Kräfte „Blau“ wurde durch einen M2CP dargestellt. M2CP steht für Modular Mobile Command Post, einem von KNDS Deutschland entwickelten mobilen Gefechtsstandelement für die taktische Ebene Bataillon und aufwärts, das mittlerweile bei einem europäischen Kunden im Einsatz ist. Das Gefechtsstandelement inklusive der eigenen Stromerzeugung ist in einem 20-Fuß-ISO-Container untergebracht, der die Besatzung vor ABC-Bedrohungen schütz und ein ballistisches Schutzniveau von Level 2+ gemäß STANAG 4569 aufweist.

Das interessante an dem System ist die volle Operationsfähigkeit während der Fahrt. Üblicherweise kann ein Bataillonsgefechtsstand mit vier Elementen abgebildet werden, wobei drei Elemente Platz für drei bis vier Arbeitsplätze bieten und ein Element den sogenannten Serverträger darstellt. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Gefechtsstandelementen sowie unter- und übergeordneten Ebenen kann über eine Bandbreite an unterschiedlichen Kommunikationsmitteln sichergestellt werden. Dazu verfügt jeder Container über vier Antennen, zwei davon auf einem Mast (stationärer Betrieb). Für die Vorführung wurde der Gefechtsstand beispielhaft mit Thales-Funktechnik vom Typp F@STNET HD TRC9315-G bestückt, welche von der Bundeswehr im Rahmen einer Sofortinitiative für die Ausstattung der enhanced Forward Presence-Kräfte beschafft wurde.

Nach Bekämpfungsentschluss wurde dann ein leichtes taktisches Geländefahrzeug vom Typ MRZR Alpha des US-Herstellers Polaris Government & Defense in Marsch gesetzt, welches das Ziel mit lasergelenkten 70mm-Raketen bekämpfte. Das Konzept für dieses hochmobile Aufklärungs- und Wirkfahrzeug kommt von Diederich Engineering Systems (DES) und Thales Deutschland, wobei DES für die Entwicklung der Dachlafette verantwortlich ist, an der ein 5er-Raketenpod, ausgestattet mit lasergelenkten 70mm-Raketen vom Typ Thales FZ275 LGR (Laser Guided Rockets), angebracht wurde. Die Reichweite der Raketen soll bei 1,5 bis rund 7 km liegen, die Genauigkeit wird mit einem CEP von 1 m auf 6 km Entfernung angegeben. Neben stationären Zielen können damit auch Ziele in der Bewegung (mit einer Quergeschwindigkeit von bis zu 60 km/h) punktgenau bekämpft werden. Der tödliche Splitterradius beträgt 9 Meter. Der Pod und die Raketen sind beide kampferprobt, beide wurden im Rahmen der deutschen Militärunterstützung – integriert auf Pick-ups – an die ukrainischen Streitkräfte geliefert. Der MRZR Alpha kann in der gezeigten Konfiguration neben dem vollbestückten 5er-Pod auf dem Dach noch bis zu 18 Raketen auf der Ladefläche mitführen.

Ein beispielhaftes taktisches Szenario bildete den Grundrahmen für die dynamische Vorführung der Technologien und Produkte. (Bild: Thales)

In den Folgestationen wurde ein Battle Damage Assessment durchgeführt sowie ein feindlicher Mörserbeschuss auf den offenbar aufgeklärten Gefechtsstand simuliert, welcher mittels des Thales Ground Alerter 10 Systems (GA10) rechtzeitig detektiert wurde, so dass genug Zeit für ein Ausweichen aus der Gefahrenzone gegeben war.

Das Aufklärungs- & Warnsystem GA10 besteht aus einem UHF-Radar, einem integrierten Alarmnetzwerk mit mehreren drahtlosen und drahtgebundenen Alarmgeräten und einem Bediengerät (gehärteter Laptop) sowie einem faltbaren Mast für den raschen Einsatz. Die Bundeswehr hat insgesamt 17 dieser zusammen mit Frankreich entwickelten Systeme erhalten. Sie wurden unter anderem als Warn- und Schutzsysteme in Afghanistan und in Mali eingesetzt.

Das über die OCCAR beschaffte Radarsystem hat eine 360-Grad-Abdeckung und kann Raketen, Artilleriegranaten und Mörserpatronen frühzeitig zu identifizieren, deren Flugbahn zu analysieren und einen Alarm abzusetzen, sobald erkennbar ist, dass ein Einschlag im betreffenden Absicherungsbereich bevorsteht. Zudem kann auch die Abschussposition errechnet werden. Die Detektionsreichweite des vollautomatisch arbeitenden Systems wird seitens des Herstellers mit 10 km angegeben, die Genauigkeit mit 100 m.

Derzeit wird das System im Rahmen eines im November 2024 geschlossenen Vertrages mit der OCCAR auf den Standard 3 weiterentwickelt. Nach Angaben von Thales werden dabei sowohl Anpassungen an der Soft- als auch an der Hardware vorgenommen. Ziel ist es demnach, die Genauigkeit des Systems noch weiter zu verbessern, um die Fähigkeit zur Detektion weiterer Geschosstypen zu erweitern.

Waldemar Geiger