Im Rahmen der AFCEA-Fachausstellung in Bonn haben die beiden Technologieunternehmen STARK und IBM Deutschland erstmals eine Lösung präsentiert, mit der sich Software-Updates und -Modelle zügig und bruchfrei auf Systeme im Fronteinsatz aufspielen lassen. Damit soll sowohl die Aktualität und Einsatzfähigkeit von Drohnen und Loitering Munition sichergestellt, als auch die Leistungsfähigkeit der Systeme gesteigert werden.
Ein Blick in die Ukraine zeigt, dass Anpassungen in der Software von unbemannten Systemen zum täglichen Geschäft der Hersteller und der kämpfenden Truppe gehören. Das Aufspielen dieser Updates auf die jeweiligen Systeme stellt eine große logistische Hürde dar.
Die beiden Unternehmen haben nun eine speziell für die unbemannten Systeme und Loitering-Munition-Systeme von STARK vorgestellt, die die Aktualität sowie Nachvollziehbarkeit der Software vor dem Einsatz sicherstellen sollen, ohne die Sicherheit der Systeme zu kompromittieren, indem bspw. Malware durch externe Datenträger auf die Systeme gespielt wird.
Die als „STARK Continuum powerd by IBM“ bezeichnete Lösung sieht vor, dass vom Hersteller bereitgestellte Updates und Anpassungen unterschiedlicher Softwareanteile – darunter auch KI-Fähigkeiten zur automatischen Zielerkennung oder Verfolgung – zentral und durch entsprechende Dienststellen geprüft auf die Rechenzentrum-Infrastruktur der Bundeswehr gespielt werden. Dort können die Updates und auf spezifische Einsatzzwecke zugeschnittenen Modelle dann von der Truppe bei Bedarf abgerufen und unmittelbar vor dem Einsatz auf das jeweilige System aufgespielt werden. Das Management und die Protokollierung dieser Updates erfolgten über eine Software, die von IBM entwickelt wurde und sozusagen die Rolle eines „digitalen DHL“ beim Transport der Software durch das IT-Netz der Bundeswehr auf die jeweilige Drohne übernimmt.
Ein konkretes Beispiel wäre der Einsatz einer Strike-Drohne in einer winterlichen Umgebung. Die mit den Strike-Drohnen aus dem logistischen System der Bundeswehr versorgte Truppe würde das Wirkmittel im Rahmen der Einsatzvorbereitung in Betrieb nehmen und dabei nach dem Pull-Prinzip den aktuellen Softwarestand sowie für den Kampf in der Jahreszeit optimierte KI-Modelle auf die Drohne laden. Softwarebasierende Leistungssteigerungen würden somit auch vor Jahren beschafften und eingelagerten Systemen automatisch zur Verfügung stehen.
Durch die automatische Dokumentationsfunktion der Lösung wäre zudem sichergestellt, dass im Rahmen der Einsatzauswertung nachvollzogen werden kann, welche Systeme mit welchen Softwareständen ins Feld gezogen sind.
In einem rein theoretischen Fall, der nur dem leichteren Verständnis dient, hängt die Leistungsfähigkeit einer Loitering-Munition von der Tageszeit (Tag oder Nacht) und den Jahreszeiten (Bewuchs) ab. Der Hersteller hat für jede Kombination Tag-Sommer, Nacht-Sommer, Tag-Winter, … ein spezifisches Softwaremodell entwickelt, das die Leistungsfähigkeit der Drohne an dem jeweiligen Einsatzzeitpunkt maximiert. Mit dieser Lösung könnte die Truppe ohne zusätzlichen Aufwand dazu befähigt werden, die Loitering-Munition an einem Sommertag mit der Tag-Sommer-Softwarevariante und in einer Winternacht mit einer Nacht-Winter-Softwarevariante einzusetzen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch eine Anbindung an das IT-Netz der Bundeswehr. Softwareupdates stehen zudem unmittelbar nach dem Aufspielen der Updates auf die Bundeswehr-Server der ganzen Bundeswehr zur Verfügung und kommen ab dem Moment im nächsten Einsatz zum Tragen.
Waldemar Geiger


















