Quantum Systems entwickelt Langstreckenaufklärungsdrohne Reliant zum Drohnenträger weiter

Waldemar Geiger

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Vom deutschen Drohnenhersteller Quantum Systems ursprünglich als Langstreckenaufklärungsdrohne entwickelt, soll die Reliant offenbar zum Drohnenträger weiterentwickelt werden. Dies deutet zumindest ein Exponat von Quantum Systems (QS) auf der derzeit in Washington stattfindenden Fachmesse AUSA hin.

Neben den QS-Aufklärungsdrohnen Reliant, Vector und Twister ist dort auch die FPV-Drohne Archer des US-Hersteller Neros ausgestellt. Unter der Archer ist eine Informationstafel angebracht, die beschreibt, dass die FPV-Drohne mittels der an den Reliant-Flügeln angebrachten Aufnahmepunkten mitgeführt werden kann und so das Einsatzspektrum der Reliant-Aufklärungsdrohne um eine organische Wirkkomponente erweitert. Einem LinkedIn-Post des US-Geschäftsführers von Quantum Systems zufolge soll die Reliant über jeweils einen Aufnahmepunkt pro Flügel verfügen. Damit hat das Unternehmen innerhalb weniger Monate ein zweites „Drohnenträger-Vorhaben“ vorgestellt. Erst vor wenigen Monaten, hat man mit der Sparta eine Mutterschiff-Drohne öffentlich gezeigt, die bis Jahresende die Serienreife erreichen soll, hartpunkt berichtete. Im Gegensatz zur Reliant handelt es sich bei der Sparta jedoch nicht um eine VTOL-Drohne, die senkrecht starten und landen kann, zudem ist die Sparta rund 10 kg leichter.

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Auf Nachfrage von hartpunkt bestätigte das Unternehmen diese Entwicklungsabsicht, die sich aber wohl zum jetzigen Zeitpunkt nur auf den US-amerikanischen Markt beschränkt. „Die Integration von Aufnahmepunkten an den für Europa vorgesehenen Markt sind derzeit nicht vorgesehen“, so der QS-Sprecher gegenüber hartpunkt. „Bei Erfolg und entsprechendem Interesse würde man jedoch auch die Ausstattung europäischer Reliants mit solchen Aufnahmepunkten in Betracht ziehen.“

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Weitere Details wollte das Unternehmen zu dem Thema nicht nennen. Die Gründe für den Fokus auf den US-Markt könnten in der jeweiligen Forderungslage der Streitkräfte liegen. Während US-Streitkräfte unter Umständen Aufklärungs- und Wirkfähigkeit in einem System fordern, scheint sich die aktuelle Forderungslage europäischer Streitkräfte bei solchen Systemen auf die reine Aufklärungsfähigkeit zu beschränken.

Rein taktisch gesehen bietet die Fähigkeit Wirkmittel mitführen zu können sowohl Vor- als auch Nachteile. So wirken sich beispielsweise das zusätzliche Gewicht und der Luftwiederstand der mitgeführten Drohnen nachteilig auf die Flugeigenschaften der Aufklärungsdrohne aus, was sowohl die Fluggeschwindigkeit mindern dürfte als auch die Flugdauer, die bei der Reliant mit über 10 Stunden jedoch vergleichsweise üppig ausfällt.

Die taktischen Vorteile einer Drohnenträgerfähigkeiten liegen auf der Hand. Eine solche Aufklärungsdrohne könnte aufgeklärte Punktziele nicht nur melden, sondern auch unmittelbar bekämpfen. Wobei die Wirkleistung der mitgeführten Wirkdrohnen auf einzelne Fahrzeuge bzw. Personen beschränkt wäre. Gleichwohl können insbesondere zeitkritische Ziele so deutlich effektiver bekämpft werden.

Da die Reliant neben der Aufklärungsoptronik auch über einen Laserpointer verfügt könnten selbst „dumme“ und vergleichsweise einfache Wirkdrohnen selbst ohne jegliche KI-Fähigkeit punktgenau ins Ziel geführt werden.

Perspektivisch wäre sicherlich auch eine Mitnahme von kleinen Abfangdrohnen denkbar, die die Langstreckenaufklärungsdrohne vor feindlichen Abfangdrohnen schützen könnten, bis die aufgeklärte Reliant den Gefahrenbereich verlassen könnte. Solche Überlegungen sind bis dato jedoch rein theoretischer Natur. Im Einsatz wurde sowas bis jetzt noch nicht dokumentiert.

Reliant

Bei der Reliant handelt es sich QS zufolge um eine Starrflüglerdrohne, die senkrecht starten und landen (VTOL) kann und eine Ausdauer von über 10 Stunden bietet. Das System ist in zwei Koffern transportierbar und kann in weniger als 10 Minuten ohne Werkzeug einsatzbereit gemacht werden. Ein zweiter Nutzlastschacht erlaubt die Integration zusätzlicher Sensorik – beispielsweise Radar, SIGINT-Ausstattung CRPA-Antennen oder Störsystemen – und trägt dadurch zu einer größeren Missionsvielseitigkeit der Drohne bei. Erstmals öffentlich gezeigt wurde die Drohne im Rahmen der US-Spezialkräftemesse SOFIC im Mai 2024.

Herstellerangaben zufolge ist die 4,3 m breite und 2,38 lange Reliant zum autonomen Flug in einer maximalen Betriebshöhe von 4.500 m der Lage. Die Flugzeit beträgt abhängig von der Energieversorgung sieben (Li-Po Batterie) bzw. über 10 Stunden (Hybrid-Elektroantrieb mit Verbrennungsmotor). Mittels einer sogenannten Long-Range Tracking Antenna kann die Drohnen Signale (Steuerung und Video) auf Distanzen von mehr als 160 km Entfernung empfangen und übertragen. Das maximale Startgewicht wird mit 25 bis 33 kg, inklusive 3 kg Nutzlast, angegeben.

Als primärer Sensor nutzt die Reliant QS zufolge eine Elektrooptik vom Typ Trillium HD55-MVS-LD. Die Optronik wiegt rund 2,7 kg, verfügt über drei Kameras (Tagsicht, MWIR und SWIR) sowie Laserrangefinder und Laserpointer. Als Sekundärsensor dient eine Elektrooptik vom Typ NextVision Raptor mit 40fachem optischen und 2fachem digitalen Zoom.

Waldemar Geiger