Der europäische Lenkwaffenspezialist MBDA plant für 2026 weitere Investitionen in die Fertigungslinien und will die Produktion um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Wie MBDA-CEO Eric Béranger heute bei der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens in Paris ausführte, handelt es sich dabei um Durchschnittswerte. Bei einzelnen Produkten seien höhere Steigerungen zu erwarten. So solle die Herstellung des Flugkörpers Aster im laufenden Jahr verdoppelt werden.
Für die kommenden fünf Jahre von 2026 bis 2030 kündigte Béranger konzernweite Investitionen von 5 Milliarden Euro an. Er betonte, dass diese Planung noch vor dem Iran-Krieg ausgearbeitet worden sei. Um das Hochfahren der Produktion zu ermöglichen will der Konzern bis Jahresende weitere 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. Im vergangenen Jahren hatte MBDA bereits über 2.700 Stellen neu besetzt und war so auf einen gruppenweiten Personalbestand von über 20.000 gekommen. Im abgelaufenen Jahr hat MBDA den Angaben des CEO zufolge einen Umsatz von etwa 5,8 Milliarden Euro verzeichnet und wird 2026 die 6 Milliarden Euro überschreiten. Der Auftragsbestand liege bei 44 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr seien 70 Prozent der Auftragseingänge auf Europa entfallen, so der MBDA-Chef.
Laut Béranger war das vergangene Jahr vom Ausbau der Produktion gekennzeichnet. So sei die Produktion des Flugkörpers Aster um das Fünffache und die des Flugkörpers Mistral um das Vierfache gegenüber dem Jahresbeginn 2022 gesteigert worden. Dazu seien umfangreiche Investitionen in die Produktion erfolgt und zum Teil der Drei-Schicht-Betrieb eingeführt worden. Der MBDA-Chef sagte, dass sein Unternehmen seine mehr als 2.000 Zulieferer aktiv managen und beim Ausbau ihrer Kapazitäten unterstützen müsse. MBDA habe mittlerweile ein strategische Rolle eingenommen und sei ein „instrumenteller Pfeiler“ der Wiederaufrüstung in Europa, betonte Béranger.
Mittlerweile sei das Unternehmen auf Grund der zu erwartenden Nachfrage dazu übergegangen, zum Teil ohne vorliegenden Vertrag in die Produktion zu gehen – insbesondere im Bereich der Luftverteidigung. So seien im vergangenen Jahr Ausgaben in Höhe von einer Milliarde Euro ohne zugrundeliegenden Vertrag getätigt worden.
Zu den wichtigen Zukunftsprojekten seines Konzerns zählt Béranger die Enwicklung eines Hyperschall-Abwehrflugkörpers im Rahmen des vom European Defence Fund (EDF) finanzierten HYDIS-Projektes, das von MBDA geführt wird. Hier befinde man sich in der Konzeptphase, die bis Jahresende abgeschlossen werden solle. Dem MBDA-Manager zufolge hat man sich auf zwei Konzepte für den Flugkörper geeinigt und will noch in diesem Jahr einen finalen Entwurf auswählen. Im Bereich der Laserwaffen gehöre sein Unternehmen in allen MBDA-Kernländern zu den nationalen Champions, so Béranger.
Wie er sagte, kann MBDA auch dazu beitragen, Satelliten im All zu schützen. So werde man den Playern im Bereich „New Space“ bei der Entwicklung eines „Chaser-Satelliten“ helfen. Frankreich plane, zwei solcher Satelliten zu entwickeln.
Für das System Sky Warden, das in erster Linie für die Abwehr von Drohnen im Nahbereich vorgesehen ist, seien die ersten beiden Export-Verträge gezeichnet worden, führte Béranger aus. Sollte ein Kunde daran interessiert sein, könne auch der von der Bundeswehr bestellte Anti-Drohnen-Flugkörper DefendAir in Sky Warden integriert werden.
Beim Projekt STRATUS werde die sogenannte Assessment Phase bald beendet werden, kündigte Beranger an. Danach starte die eigentliche Entwicklungsphase. Im Rahmen des STRATUS-Programms entwickelt MBDA zwei komplementäre und interoperable Flugkörper, die Fähigkeiten in den Bereichen Deep-Strike, Schiffsabwehr, Bekämpfung und Zerstörung feindlicher Luftverteidigungssysteme sowie hochwertiger Ziele bieten sollen. Zum einen handelt es sich um STRATUS LO (Low Observable) – ehemals TP15 – sowie STRATUS RS(Rapid Strike) – ehemals RJ10.
Dem MBDA-CEO zufolge sollen mit den Flugkörpern unter anderem die Cruise Missiles SCALP und Storm Shadow ersetzt werden. Dazu arbeiten Frankreich und Großbritannien bei STRATUS zusammen. Mittlerweile wolle sich auch Italien an STRATUS LO beteiligen.
Béranger betonte, dass es für Europa von größter Bedeutung sei, bei Waffensystemen über die sogenannte Design Authority zu verfügen, um nicht von Drittländern abhängig zu sein.
Lars Hoffmann

















