Luftfahrt-Start-up Destinus setzt auf eine hohe Fertigungstiefe

Interview mit Mikhail Kokorich, Firmengründer und CEO von Destinus

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Der Spezialist für autonome Luftfahrzeuge Destinus ist bislang nur in Fachkreisen der Verteidigungsindustrie bekannt. Dabei ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren schnell gewachsen und verfügt mittlerweile über Niederlassungen in der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Spanien. Ein Schwerpunkt im Produktportfolio des Start-ups liegt im militärischen Bereich. hartpunkt hat dem Firmengründer und -chef Mikhail Kokorich ein paar Fragen zu seinem Unternehmen gestellt.

hartpunkt: Wie beschreiben Sie Ihr Unternehmen? Was sind Ihre größten Umsatzposten?

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Kokorich: Wir entwickeln und verkaufen drei Kernprodukte, die auf unserer Webseite vorgestellt sind: LORD – ein Langstrecken-Propellerdrohne mit großer Reichweite, RUTA – ein bodengestütztes Marschflugkörper-ähnliches UAV sowie HORNET – ein Drohnen-Abfangjäger. Darüber hinaus produzieren wir Turbojet-Triebwerke, Avionik, KI-basierte Systeme für GNSS-denied Navigation und Zielerfassung, Raketenbooster und Gefechtsköpfe.

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hartpunkt: Ist Destinus ein zertifiziertes Luftfahrtunternehmen, das Flugzeuge entwickeln darf?

Kokorich: Ja. Wir verfügen über alle notwendigen Genehmigungen und Zulassungen zur Entwicklung und Produktion.

hartpunkt: Wie kommt es, dass Sie bereits mehrere Standorte in Europa aufgebaut haben?

Kokorich: Unsere F&E- und Produktionsstandorte sind über Europa verteilt, weil wir sehr schnell wachsen. Unsere Strategie ist es, in den Ländern präsent zu sein, die die Entwicklung ihrer Verteidigungssektoren ernst nehmen und zur europäischen Sicherheit beitragen können. Unser Ziel ist es auch, die besten Ingenieurtalente in ganz Europa anzuziehen, was eine größere geografische Präsenz erfordert. Einige Standorte wurden durch Firmenübernahmen erworben.

hartpunkt: Wodurch zeichnen sich Ihre Produkte im Vergleich zur Konkurrenz aus? Gibt es bereits Produkte im Einsatz?

Kokorich: Alle unsere Systeme haben bereits „Kampferfahrung“. Zudem sind wir maximal vertikal integriert und entwickeln und fertigen die meisten Schlüsselkomponenten selbst. Wir sind führend bei Preisgestaltung und Produktionsskalierung.

hartpunkt: Arbeiten Sie mit anderen Unternehmen zusammen? Wie sieht es mit der Fertigungstiefe aus?

Kokorich: Wir pflegen zahlreiche Partnerschaften mit spezialisierten Zulieferern sowie mit großen Rüstungsunternehmen. Gleichzeitig legen wir Wert auf maximale Unabhängigkeit von Zulieferern und unterwerfen sämtliche Technologieentscheidungen der Prämisse der EU-Herkunft. Deshalb haben wir eine sehr hohe Fertigungstiefe.

hartpunkt: Welche Perspektiven sehen Sie hinsichtlich Produkte, Personal, Umsatz und Standorte?

Kokorich: Wir beschäftigen heute über 600 Mitarbeiter, werden nächstes Jahr neue Produkte einführen, und unser Umsatz wächst derzeit um das Drei- bis Vierfache pro Jahr.

hartpunkt: Planen Sie als Start-up einen Börsengang oder andere Schritte?

Kokorich: Wir sind ein schnell wachsendes Unternehmen und haben bereits über 200 Millionen Euro Kapital eingeworben. Wir planen zeitnah den Gang an die Börse.

hartpunkt: Auf Ihrer Homepage sprechen Sie von einem Hyperschall-Passagierflugzeug. Wie ist der Stand dieses Projekts?

Kokorich: In den kommenden Jahren ist keine Rückkehr zu diesem zivilen Projekt zu erwarten. Unser Fokus liegt vielmehr auf militärischen Hyperschallsystemen.

hartpunkt: Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell mit dem Thema Collaborative Combat Aircraft. Ist das für Sie ein Betätigungsfeld?

Kokorich: Nein, derzeit nicht.

hartpunkt: Welche Bedeutung hat das Thema Verteidigung für Sie als Gründer und CEO?

Kokorich: Wir haben vier Mitgründer: mich, einen Ukrainer, einen Briten und einen Schweizer. Wir alle haben ein gemeinsames Motiv, in der Verteidigungsbranche tätig zu sein: ein stärkeres Europa, das die Ukraine verteidigt.

Ich selbst habe das Putin-Regime seit Anfang der 2000er Jahre entschieden abgelehnt. Folglich habe ich Russland verlassen und meine russische Staatsbürgerschaft aufgegeben. Für mich ist es sehr wichtig, dass Europa stark bleibt und seine Werte geschützt werden. Außerdem möchte ich die Ukraine auf ihrem Weg zu Freiheit und Unabhängigkeit begleiten.

Die Fragen stellte Lars Hoffmann