Loitering Munition – Bundeswehr schließt offenbar erste Hot-Strike-Testkampagne erfolgreich ab

Waldemar Geiger

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Loitering-Munition-Systeme (LMS) sind für die Bundeswehr eine vergleichsweise neue Wirkmittelkategorie. Die ersten Beschaffungsverträge für solche Waffensysteme außerhalb von Erprobungen wurden erst Ende Februar 2026 geschlossen. Im Rahmen der sogenannten integrierten Nachweisführung konnte nun hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge offenbar die erste Hot-Strike-Testkampagne mit einem der beiden bereits in Qualifizierung befindlichen LMS erfolgreich abgeschlossen werden.

Dies bedeutet zwar nicht, dass das infrage kommende System damit gänzlich qualifiziert ist. Dennoch bewerten Beobachter der Thematik diesen Umstand als starkes Indiz dafür, dass die Qualifizierung der beschafften Systeme von der Bundeswehr und der Industrie mit hohem Tempo vorangetrieben wird. Damit dürfte die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sein, dass die deutschen Streitkräfte zum Jahresende tatsächlich über fertig qualifizierte Systeme verfügen werden. Ein Tempo, das bei der Qualifizierung einer neuen Munitionssorte für die Bundeswehr de facto der Lichtgeschwindigkeit entspricht – ganz zu schweigen davon, dass es sich bei LMS nicht um eine neue Munitionssorte, sondern um eine gänzlich neue Munitionskategorie handelt.

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Das Deutsche Heer möchte Loitering Munition als Wirkomponente im Rahmen des sogenannten Aufklärungs- und Wirkverbunds (AWV) einführen und einsetzen. Als erster Großverband des Heeres wird die in Litauen stationierte Panzerbrigade über eine Einheit verfügen, die den AWV ab 2027 einsetzen soll. Mit dieser Fähigkeit soll es der Brigade möglich sein, Ziele in ihrem Verantwortungsbereich unbemannt aufzuklären und mit LMS zu bekämpfen. Dafür wurden drei unterschiedliche LMS mittlerer Reichweite von Helsing, STARK und Rheinmetall beschafft, die aktuell die Nachweisführung an den dafür zuständigen Technischen Dienststellen der Bundeswehr durchlaufen.

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Fest bestellt wurden jedoch nur LMS für die Qualifizierung der Systeme, denn ein Maßgabebeschluss des Bundestages führt dazu, dass die Beschaffung der Seriensysteme erst nach bestandener Nachweisführung in der Bundeswehr erfolgen kann, wie hartpunkt berichtete. hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge sieht der vertraglich vereinbarte Zeitplan vor, dass die Nachweisführung für die zwei im Februar beschafften Systeme – HX-2 von Helsing und Virtus von STARK – bis spätestens Ende 2026 erfolgt sein muss. Der Abschluss der Qualifikation für die FV-014 von Rheinmetall ist hingegen für spätestens April 2027 geplant, da das LMS von Rheinmetall erst im April beschafft wurde. Dies ist von Belang, weil die Bundeswehr aus Risikominimierungsgründen alle drei geschlossenen Verträge mit Abbruchmeilensteinen versehen hat. Diese erlauben es der Bundeswehr, die Verträge sehr einfach zu kündigen, wenn eine definierte Leistung nicht zu einem definierten Zeitpunkt vertragsgemäß nachgewiesen werden konnte.

Wie es aus gut unterrichteten Kreisen heißt, haben im Sommer sowohl Helsing als auch STARK die für die Nachweisführung erforderlichen Einsatzsets an die Bundeswehr ausgeliefert. Die Auslieferung der Rheinmetall-Einsatzsets, die für einen späteren Zeitpunkt vereinbart wurde, steht dem Vernehmen nach bevor.

Die Bundeswehr hat die Sommermonate gut informierten Kreisen zufolge effektiv dazu genutzt, die zwei bereits verfügbaren Systeme des Typs HX-2 und Virtus unterschiedlichen Testregimen zu unterziehen. Dabei wurde auch in Deutschland erstmalig eine mit einem voll funktionsfähigen und panzerbrechenden Gefechtskopfsystem ausgerüstete Loitering Munition im Flug getestet. Dem Vernehmen nach fanden diese ersten in Deutschland mit einem LMS durchgeführten „Hot Strikes“ in der 35. Kalenderwoche an der Wehrtechnischen Dienststelle in Meppen statt. Gestern und heute sollen weitere Hot Strikes durchgeführt worden sein. Im Rahmen dieser Flüge sollen ein halbes Dutzend Virtus-Systeme von STARK zum Einsatz gekommen sein. Wie es aus gut unterrichteten Kreisen gegenüber hartpunkt heißt, wurde dieser Abschnitt der Nachweisführung für die Virtus damit erfolgreich abgeschlossen. Für die HX-2-Systeme von Helsing stehen diese Tests dem Vernehmen nach in Kürze bevor.

Da sich die integrierte Nachweisführung aus mehreren unterschiedlichen Abschnitten zusammensetzt, die teilweise parallel, teilweise aber auch nachgelagert erfolgen, lässt sich auf Basis der hartpunkt vorliegenden Informationen aktuell nicht prognostizieren, welches System derzeit als erstes fertig qualifiziert sein wird. Insider berichten gegenüber hartpunkt, dass beide Anbieter zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht „durch“ sind.

Auf die Frage nach dem Stand der Nachweisführung wollten sich sowohl Helsing als auch STARK gegenüber hartpunkt nicht äußern und verwiesen darauf, dass die Kommunikationshoheit für dieses Thema beim Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw liegt. Die Anfrage beim BAAINBw blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Waldemar Geiger