Kanada will Aufklärungsflugzeuge auf Basis der GlobalEye von Saab beschaffen

Lars Hoffmann

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Der kanadische Premierminister Mark Carney hat gestern auf der Rüstungsmesse CANSEC in Ottawa angekündigt, dass Kanada Verhandlungen über die Beschaffung der Luftüberwachungs- und -kontrollplattform (AEW&C) von Saab mit der Bezeichnung GlobalEye aufgenommen hat. Wie es in einer Mitteilung des Premierministers weiter heißt, dürfte die Beschaffung 3.000 Arbeitsplätze im kanadischen Luftfahrt- und Verteidigungssektor sichern.  Nicht weniger als ein Drittel der geplanten GlobalEye-Flotte werde in den nächsten 15 Jahren in Kanada hergestellt. Das bedeute, dass mindestens 40 Flugzeuge, einschließlich der Bestellungen von Verbündeten, von kanadischen Arbeitskräften gebaut werden, heißt es in der Mitteilung.

Vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass auch die NATO ihre Flotte von AWACS-Flugzeugen des Typs E-3A in Zukunft durch Systeme des Typs GlobalEye ersetzen will. AWACS steht für Airborne Warning and Control Systems. Deutschland leistet einen bedeutenden Anteil zur Finanzierung der neuen AWACS-Maschinen. Damit hat sich die NATO gegen die Beschaffung von Maschinen vom Typ Boeing E-7A Wedgetail aus US-Fertigung entschieden. Dieser Typ wurde offenbar auch in Kanada als Option diskutiert aber verworfen.

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Das Herzstück des GlobalEye-Systems ist laut Mitteilung das in Kanada hergestellte Flugzeug Bombardier Global 6500 – ein moderner Jet, der zu dem Überwachungsflugzeug umgebaut wurde. Das Saab GlobalEye kombiniere luftgestützte Frühwarnung und -kontrolle mit der Echtzeit-Überwachung von Luft, See und Land über große Entfernungen hinweg von einer einzigen Plattform aus. Die neuen Flugzeuge sollen den Angaben zufolge insbesonder zur Überwachung der kanadischen Arktis eingesetzt werden. Dank seiner luftgestützten Überwachungsfähigkeiten könne das GlobalEye Objekte und Signale in einer Entfernung von bis zu 650 Kilometern verfolgen und Echtzeitinformationen an die kanadische Luftwaffe weiterleiten.

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Wie der schwedische Rüstungskonzern Saab schreibt, wurde zum jetzigen Zeitpunkt weder einen Vertrag unterzeichnet noch einen Auftrag erteilt. Saab habe angeboten, die kanadischen GlobalEye-Systeme gemeinsam mit einem Team kanadischer Partner zu bauen, zu warten und zu modernisieren. Ziel sei es, Wissen und Technologie nach Kanada zu transferieren, um die heimische Verteidigungsindustrie zu stärken.

Saab plane zudem, im Rahmen des künftigen Programms in Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Kanada zu investieren. Das Unternehmen werde nun gemeinsam mit den kanadischen Behörden die nächsten Schritte in diesem Prozess gehen.

Mit der Entscheidung für die GlobalEye macht Kanada erste Schritte, um die Abhängigkeit bei Rüstungsbeschaffungen von den USA zu reduzieren. Premierminister Carney hatte vor dem Hintergrund der konfrontativen US-Außenpolitik gegenüber seinem Land angekündigt, bei Rüstungsbeschaffung stärker auf die eigene Produktion und andere Partner zu setzen. Gegenwärtig prüft Ottawa, ob die geplante Beschaffung von 88 Kampfflugzeugen des Typs F-35 in den USA reduziert werden soll und ob alternativ Gripen-Jets von Saab gekauft werden könnten.

Lars Hoffmann