Heckler & Koch richtetet sich weiter zum Systemlieferanten aus

Waldemar Geiger

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Die Oberdorfer Waffenschmiede Heckler & Koch (HK) hat sich in den letzten Jahren bereits deutlich weiterentwickelt und ihr Handwaffenportfolio um spezifisches Waffenzubehör erweitert. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter und positioniert sich als Systemlieferant rund um Handwaffen, indem es sein Leistungsspektrum um verschiedene Service- und Trainingsangebote erweitert. Im Rahmen eines Joint Ventures namens TAKTIKUM bietet HK sogar den Bau, Modernisierung und Betrieb ganzer Schießausbildungszentren an. Ein Pilotprojekt wird in Kürze in Brandenburg realisiert.

hartpunkt hatte im Rahmen der Enforce Tac die Gelegenheit, mit Fabian Gielke, dem Leiter des Bereichs Services & Training bei Heckler & Koch, zu sprechen und Details zu den neuen Leistungen des Unternehmens zu erfahren.

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Neues Serviceangebot

Gielke zufolge ist es das erklärte Ziel von HK, Waffen nicht nur zu bauen, sondern sie auch über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu begleiten, sie zu inspizieren, zu warten und bei Bedarf zu reparieren, um ein Höchstmaß an Einsatzfähigkeit zu erreichen. Dies gilt sowohl für private Waffenbesitzer als auch für professionelle Nutzer in Polizeien und Streitkräften. Dazu hat das Unternehmen ein modulares Serviceproduktportfolio mit Servicepaketen entwickelt. Kunden können unterschiedliche Bausteine frei zusammenkonfigurieren, abgestimmt auf die eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten. So können auch Behörden und Streitkräfte ohne große Kapazitäten in den Bereichen Ausbildung und Instandsetzung auf die Leistungen des Unternehmens zurückgreifen, um die im Einsatz befindlichen Waffen periodisch zu warten, zu prüfen und bei Bedarf instandzusetzen oder ggf. mittels der Performace Upgrade Kits zu modernisieren. Das Ziel ist eigenen Angaben nach eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und Unterstützung des Kunden bei diesen Tätigkeiten.

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Laut Gielke ist man mit der Einführung von Schusszählern bei bestimmten HK-Produkten zukünftig in der Lage, Wartungskonzepte nicht nur zeit-, sondern auch nutzungsbasiert anzubieten. Dadurch lassen sich Belastung und Verschleiß der Waffen deutlich genauer nachvollziehen und Maßnahmen zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Waffen proaktiv und zielgenau einleiten.

Der nach dem Induktionsprinzip energieunabhängig arbeitende Schusszähler ist seitlich am Upper des HK416 angebracht. Das System kann sowohl Einzel- als auch Dauerfeuer zuverlässig zählen und die Informationen per NFC an ein Auslesegerät übermitteln.
Der nach dem Induktionsprinzip energieunabhängig arbeitende Schusszähler ist seitlich am Upper des HK416 angebracht. Das System kann sowohl Einzel- als auch Dauerfeuer zuverlässig zählen und die Informationen per NFC an ein Auslesegerät übermitteln. (Bild: hartpunkt / Waldemar Geiger)

Um dieses Angebot flächendeckend umzusetzen, verfolgt Heckler & Koch nach Aussage von Gielke unterschiedliche Ansätze. Dazu gehört einerseits die Eröffnung von HK-eigenen Service-Ablegern in anderen Ländern – wie beispielsweise jüngst in der Schweiz – und andererseits die Qualifizierung von Partnern. Dieser Ansatz ist im Grunde mit dem aus dem Automobilbereich vergleichbar, in dem neben den herstellereigenen Niederlassungen auch ein Netzwerk an Vertragswerkstätten die Wartung und Reparatur übernimmt. Zusätzlich beschaffen die Oberndorfer ein Servicefahrzeug, das bei Bedarf „zur Waffenkammer“ kommt und dann alle notwendigen Maßnahmen vor Ort durchführt.

Neues Trainingsangebot

Das oben beschriebene Service-Leistungsspektrum wird durch ein umfassenderes Trainingsangebot ergänzt. Neben den bereits bekannten Ersteinweisungen an den Waffen und Ausbildungen für Ausbilder werden auch Anwenderschulungen für die Wartung ohne Sonderwerkzeuge sowie Schulungsangebote für Personal, das für die Instandsetzung von Waffen zuständig ist, angeboten.

Wie der Leiter des Bereichs Services & Training weiter ausführt, können die Ausbildungen dabei entweder zentral in einem modernen und vollausgestattetem Schulungsraum in Oberndorf oder mobil in der jeweiligen Dienststelle bzw. am jeweiligen Dienststandort erfolgen.

Bau von Raumschießanlagen

Das neue Angebot wird durch die Fähigkeit ergänzt, Kunden nicht nur Handwaffen, Zubehör und damit einhergehende Trainings- und Serviceleistungen anzubieten, sondern auf Wunsch auch gleich die Infrastruktur mitzuliefern.

Dies wird über die TAKTIKUM GmbH realisiert, ein Gemeinschaftsunternehmen von Heckler & Koch und Proreta. Die TAKTIKUM GmbH versteht sich als ganzheitlicher Systemanbieter für die Entwicklung, Modernisierung und den Betrieb hochmoderner Trainings- und Schießzentren für Sicherheitskräfte im In- und Ausland. Eine erste Anlage wurde von Heckler & Koch in Brandenburg erworben und wird derzeit modernisiert.

Um den nationalen und internationalen Bedarf an Raumschießanlagen zu decken, kann TAKTIKUM neben der Spezifikation und dem Bau einer den Kundenwünschen entsprechenden Schießanlage auch den Neubau von zwei vorkonfigurierten Anlagen anbieten, die dem Kunden „schlüsselfertig“ übergeben werden können. Die beiden Anlagen tragen die Bezeichnungen „Core Range“ und „Elite Range“.

Bei der „Core Range“ handelt es sich um ein 1.700 m² großes Trainingszentrum mit zwei Schießbahnen unterschiedlicher Länge, einer integrierten Waffenkammer, Unterrichts- und Lagerräumen sowie einer Werkstatt. Die 2.700 m² große „Elite Range“ umfasst eine höhere Anzahl an Unterrichtsräumen sowie einen CQB-Bereich, in dem dynamische Szenarien in urbanen, taktisch anspruchsvollen Umgebungen geübt werden können.

Wie beim herkömmlichen Hausbau lassen sich nach Ansicht des Unternehmens durch den Bau dieser standardisierten und bereits durchgeplanten Raumschießanlagen bedingt durch Skaleneffekte nicht nur Kosten, sondern auch Zeit sparen. Auch im Betrieb sollen weitere Skaleneffekte realisiert werden können.

Waldemar Geiger