Deutschland auf Abbruch von MGCS vorbereitet

Lars Hoffmann

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Der französische Präsident Emmanuel Macron hat kürzlich die Zukunft des deutsch-französischen Main Ground Combat Systems (MGCS) von den Fortschritten beim umstrittenen New Generation Fighter im Rahmen des französisch-deutsch-spanischen Future Combat Air System (FCAS) abhängig gemacht. Bei diesem Kampfflugzeug der nächsten Generation können sich Deutschland und Frankreich bislang auf keine Lösung einigen.

Sollte der Flugzeug-Anteil beim FCAS scheitern, wonach es im Augenblick aussieht, dann würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch MGCS nicht weitergeführt. Zumindet könnte man Präsident Macron so interpretieren. Das wäre für beide Länder ein weiterer herber Rückschlag in Sachen Kooperation. Es besteht allerdings nicht wie im Flugzeugbau die Gefahr, dass Deutschland bei wichtigen Technologien den Anschluss verliert und industrielles Know-how verlorengeht, denn im Panzerbau steht die deutsche Industrie weiter mit an der Weltspitze.

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Auch ohne den Nexus zu FCAS deutet sich bei MGCS ähnlich wie bei dem trilateralen Flugzeugprojekt an, dass gegensätzlich nationale Interessen einem einheitlichen Design entgegenstehen könnten. So ist noch nicht festgezurrt, ob die französische 140mm-Kanone oder die deutsche im Kaliber 130mm für den Kanonenwagen ausgwählt wird. Es besteht also weiter hohes Konfliktpotenzial, das zu harten Entscheidungen führen könnte.

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Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob das als Systemverbund oder „System of Systems“ konzipierte MGCS wirklich die erwarteten großen Vorteile bringt. Neben dem mit einer Kanone bewaffneten Kampfpanzer oder Kanonenwagen sollen auch die Unterstützungsfahrzeuge wie der Raketenpanzer über das gleiche Chassis verfügen. In einer Bundeswehr, die bereits über einen riesigen „Zoo“ unterschiedlichster Rad- und Ketten-Plattformen verfügt und diesen weiter ausbaut, dürfte das gleiche Fahrzeug-Chassis beim MGCS nur zu vernachlässigende Logistik-Vorteile mit sich bringen. Überdies stellten schon die Heeres-Brigaden des Kalten Krieges mit Raketenjagd-, Kampf-, Flak, Minenräum- und Schützenpanzern sowie Panzerhaubitzen auf unterschiedlichen Plattformen ein echtes System of Systems dar, das damals mit Analogfunk geführt wurde. In Zukunft müsste auch ein MGCS in das digitale Führungssystem von D-LBO und die damit einhergehende „Sensor-to-Shooter-Kette“ eingebunden werden und kann deshalb keine Insellösung darstellen. Gleichzeitig haben sich in den vergangenen Jahren eine Reihe von Anbietern von unbemannten Bodenfahrzeugen etabliert; weitere kommen dazu. Damit wird deutlich, dass der zukünftige Kampfpanzer des MGCS die wichtigste Komponente des Vorhabens darstellen dürfte.

Sollte nun tatsächlich das MGCS-Projekt nicht weiterverfolgt werden, so könnte Deutschland auf Vorarbeiten zurückgreifen, um aus eigener Kraft einen neuen Kampfpanzer zu entwickeln. So haben Amtsseite und der Hersteller KNDS Deutschland den Leopard 2 über die vergangenen Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Stufen immer weiter modernisiert und zuletzt auf den Rüststand Leopard 2 A8 gebracht. Diese Variante wird nicht nur von der Bundeswehr, sondern auch nun von einer Reihe von NATO-Partnern in Europa eingeführt. Es besteht somit eine „warme“ Produktionslinie mit den dafür benötigten Zulieferern, in die zahlreiche Partner aus den Bestellerländern eingebunden sind. Auch hinsichtlich der Weiterentwicklung sind hierzulande alle industriellen Kompetenzen vorhanden. Exemplarisch seien hier Rheinmetall bei der Hauptwaffe sowie Hensoldt bei Sensorik und Elektronik genannt.

Überdies dürften die deutschen Unternehmen KNDS Deutschland und Rheinmetall im Rahmen des EDF-Vorhabens MARTE (Main Armoured Tank of Europe) sicherlich mit den MARTE-Partnern aus Ländern wie Schweden, Spanien, Litauen, den Niederlanden, Finnland, Norwegen und Italien, von denen die meisten den Leopard 2 bereits nutzen, deren Anforderungen an einen zukünftigen Kampfpanzer abstimmen.

Trifft dies zu, so würde schon frühzeitig der Boden für einen zukünftigen Exporterfolg eines Leopard-2-Nachfolgers in Europa bereitet. Mit der Bundeswehr als stärkste konventionelle Streitkraft der EU – wie es Bundeskanzler Friedrich Merz postuliert – hätten die Hersteller des neuen Kampfwagens dann voraussichtlich auch einen Ankerkunden mit einem erheblichen Bedarf. Ein Ende von MGCS könnte somit womöglich auch eine Chance für die deutsche Industrie darstellen.

Lars Hoffmann