Das U.S. Marine Corps hat den bestehenden Vertrag mit Heckler & Koch zur Beschaffung des Sturmgewehrs M27 Infantry Automatic Rifle (IAR) deutlich ausgeweitet. Die Vertragsobergrenze steigt laut Mitteilung des Pentagons vom 6. November 2026 auf mehr als das Doppelte, nämlich auf insgesamt 84,6 Millionen US-Dollar. Damit bleibt die Marine-Infanterie bei dem auf dem HK416 basierenden Sturmgewehr und steigt vorerst nicht auf das neue M7 bzw. M8 der U.S. Army um.
Wie aus der veröffentlichten Vertragsmitteilung des Pentagons hervorgeht, stieg die maximale Auftragssumme von bislang rund 39,2 Millionen auf 84,6 Millionen US-Dollar. Das entspricht einer Erhöhung um etwa 116 Prozent. Der Auftrag umfasst weiterhin unverändert die Beschaffung von M27-Gewehrsystemen, Ersatzteilen und zugehöriger Ausrüstung. Alle damit verbundenen Leistungen sollen bis zum 27. April 2028 abgeschlossen werden.
Mit der Vertragsänderung ist keine unmittelbare Bereitstellung der zusätzlichen Mittel verbunden. Vielmehr handelt es sich um eine deutliche Erweiterung des Rahmenvertrags, also der maximalen Abrufsumme. Die Finanzierung erfolge weiterhin bedarfsgerecht für die einzelnen Abrufe, so die Mitteilung. Zum Zeitpunkt der Vertragsänderung seien daher zunächst keine zusätzlichen Haushaltsmittel gebunden.
Auftragnehmer ist die Heckler & Koch Defense Inc. mit Sitz in Columbus im US-Bundesstaat Georgia. Rund 70 Prozent der Produktion sollen am H&K-Standort Oberndorf in Deutschland erfolgen, die verbleibenden 30 Prozent entfallen auf den US-amerikanischen Standort in Columbus. Damit profitiert auch der deutsche Unternehmensstandort unmittelbar von der Fortsetzung des Beschaffungsvorhabens.
Die Beschaffung erfolgt weiterhin ohne erneute wettbewerbliche Ausschreibung. Als Begründung wird die entsprechende Ausnahmeregelung der US-amerikanischen Vergabevorschriften (Federal Acquisition Regulation 6.302-1) herangezogen. Diese ermöglicht eine Vergabe ohne Wettbewerb, wenn die Voraussetzungen für eine Beschaffung bei einem einzigen geeigneten Anbieter vollständig erfüllt sind. Im April 2018 hatte das Marine Corps erstmalig einen fünfjährigen Rahmenvertrag mit einer Obergrenze von 29,4 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Dieser sah seinerzeit die Beschaffung von bis zu 15.000 zusätzlichen M27 sowie Ersatzteilen vor. Im Rahmen des ersten Abrufs wurden 5.650 Gewehre für rund 7,4 Millionen US-Dollar bestellt.
Die aktuelle Vertragsausweitung steht auch im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Entscheidung des Marine Corps, an seinem bisherigen Gewehrsystem festzuhalten. Während die U.S. Army mit dem M7 und nun auch dem kürzeren M8 aus dem Programm Next Generation Squad Weapon (NGSW) ein neues Gewehr im Kaliber 6,8 × 51 mm einführt, setzt das Marine Corps weiterhin auf das M27 im NATO-Kaliber 5,56 × 45 mm.
Im Februar 2026 hatte ein Sprecher des Marine Corps bestätigt, dass die Teilstreitkraft das M27 für ihre infanteristischen Kampfverbände beibehalten werde. Als Begründung wurden die spezifischen Anforderungen der Marineinfanterie, die amphibische Einsatzdoktrin sowie die eigenen, von der Army deutlich abweichenden Modernisierungsprioritäten genannt. Darüber hinaus spiele die Interoperabilität mit verbündeten Streitkräften eine Rolle.
Das M27 basiert auf dem HK416 und ist ein Gasdrucklader mit kurzem Kolbenhub und Drehkopfverschluss. Ursprünglich wurde das Gewehr als Infantry Automatic Rifle eingeführt und sollte insbesondere das leichte Maschinengewehr M249 SAW in der Rolle der automatischen Gruppenwaffe ergänzen oder ersetzen. Inzwischen hat das Marine Corps seine Verwendung deutlich ausgeweitet und das System auch als allgemein eingeführte Handwaffe der Infanterie etabliert.
Die Entscheidung gegen einen unmittelbaren Wechsel zum M7/M8 bedeutet allerdings nicht, dass das Marine Corps die Entwicklung des neuen Waffensystems vollständig ausblendet. Nach eigenen Angaben will die Teilstreitkraft die weitere Entwicklung des Heeressturmgewehrvorhabens beobachten und daraus gewonnene Erkenntnisse bei künftigen Entscheidungen an den eigenen Bedarf und die eigenen Möglichkeiten angepasst berücksichtigen.
Kristóf Nagy


















