Im April 2026 gaben der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall sowie das in den Niederlanden gelistete Technologieunternehmen Destinus die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens im niedersächsischen Unterlüß mit der Bezeichnung „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ bekannt. Im Juni folgte dann eine zweite Ankündigung, wonach das Gemeinschaftsunternehmen in Kürze die Produktion der beiden Marschflugkörpertypen Kryla und Ruta Block 2 aufnehmen solle. Zudem sollte die Einführung des Marschflugkörpers Ruta Block 3 – mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern – schneller vorangetrieben werden.
Die kommunizierte Arbeitsteilung sah vor, dass Destinus die technologischen Kernkomponenten der Flugkörper und Rheinmetall die energetischen Komponenten – Gefechtsköpfe und Booster-Raketenmotoren – liefern sollte. Dem Vernehmen nach zielte die Kooperation der beiden Unternehmen insbesondere auf den Kunden Bundeswehr ab, der aktuell unterschiedliche Vorhaben zur Beschaffung von Waffensystemen mit großer Reichweite verfolgt.
Am 20. Oktober 2026 gab Destinus bekannt, dass sich das Münchner Technologieunternehmen Helsing an der nächsten Finanzierungsrunde von Destinus beteiligen werde. Außerdem haben beide Unternehmen in einer kurzen Pressemitteilung eine Vereinbarung verkündet, wonach man der NATO und den Streitkräften der Bündnispartner gemeinsame Lösungen anbieten werde. „Im Rahmen dieser Partnerschaft werden die Technologien und die Fertigungskapazitäten im industriellen Maßstab beider Unternehmen gebündelt, um skalierbare Massenproduktion zu ermöglichen“, heißt es in der Mitteilung.
Einem Bericht der Welt zufolge, der sich auf der Zeitung vorliegende Unterlagen beruft, wollen nun Destinus und Helsing ein gemeinsames Unternehmen in Deutschland aufbauen, das Flugkörper produzieren soll, die dem Leistungsspektrum der Ruta Block 2 und 3 entsprechen und eigentlich durch Rheinmetall Destinus Strike Systems gebaut werden sollten. Der Welt zufolge wurde der Bundeswehr bereits ein Angebot vorgelegt, das vom Verteidigungsministerium geprüft wird. „Während Destinus die Raketen, ihre Triebwerke und die Herstellungstechnik beisteuern soll, übernimmt Helsing die Führung der geplanten Zusammenarbeit. Das Unternehmen soll vor allem seine Software einbringen und dafür sorgen, dass die Waffen mit den Systemen der Bundeswehr zusammenarbeiten können“, schreibt die Welt.
Gut informierte Kreise halten es für illusorisch, dass zwei unterschiedliche, in Deutschland ansässige Gemeinschaftsunternehmen die gleichen Marschflugkörper für die Bundeswehr bauen. Trotz der offiziellen Ankündigung des Aufbaus eines Joint Ventures im April findet sich bis heute kein Unternehmen mit der Bezeichnung „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ im deutschen Unternehmens- und Handelsregister.
Mit dem Sachverhalt vertraute Kreise halten es daher für wenig wahrscheinlich, dass es zu einer Kooperation von Rheinmetall und Destinus in seiner geplanten Ausprägung kommen wird. Wie diese Kreise gegenüber hartpunkt erklären, wird eher eine andere Art der Kooperation erwartet. So könnten die Marschflugkörper zwar nicht in Unterlüß gefertigt werden, aber dennoch einzelne Rheinmetall-Komponenten enthalten, wie beispielsweise Gefechtsköpfe. Denn weder Helsing noch Destinus verfügen über eigene Produktionslinien für energetische Komponenten.
In einem solchen Fall würde die Kooperation zwischen dem Düsseldorfer Rüstungskonzern und Destinus zwar nicht in einem Gemeinschaftsunternehmen, dafür aber in einer Lieferantenbeziehung münden.
Weder Rheinmetall noch Destinus wollten sich auf Anfrage von hartpunkt detailliert zum Stand bei Rheinmetall Destinus Strike Systems äußern. Beide Unternehmen verweisen auf laufende Gespräche. Gleichwohl lässt sich aus der Antwort von Destinus keine Festlegung auf das Joint Venture herauslesen. „Destinus führt weiterhin Gespräche mit Rheinmetall über eine industrielle Zusammenarbeit. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine weiteren Ankündigungen“, teilte ein Sprecher von Destinus auf Nachfrage von hartpunkt mit.
Waldemar Geiger
















