Zur Stärkung der niederländischen Streitkräfte bei der Landes- und Bündnisverteidigung plant das niederländische Verteidigungsministerium, die 2014 eingeführten Pionierpanzer des Typs Kodiak zu ersetzen und in Kooperation mit Deutschland weitere Brückenlegepanzer des Typs Leguan zu beschaffen.
Wie aus einem sogenannten Kamerbrief (A-Letter) hervorgeht, den das Verteidigungsministerium gestern an das niederländische Parlament übermittelt hat, verfügt das niederländische Heer derzeit über Pionierpanzer des Typs Kodiak. Diese Systeme seien zwar für allgemeine Pionieraufgaben sowie Minenräum- und Erdarbeiten konzipiert worden, das vor rund zehn Jahren eingeführte System ist jedoch nach Ansicht des Verteidigungsministeriums „mittlerweile veraltet“. „Das System verfügt über einen unzureichenden Schutz vor aktuellen und zukünftigen Bedrohungen auf dem Gefechtsfeld und bietet unzureichende Möglichkeiten für den Einsatz in der Hauptaufgabe 1 [Landes- und Bündnisverteidigung, A. d. R.]. Darüber hinaus leidet das System unter einer geringen technischen Verfügbarkeit aufgrund von Störungen und Ausfällen der (Teil-)Systeme. Dies schränkt die Einsatzfähigkeit des Materials ein“, heißt es in dem A-Letter wörtlich.
Nach Überzeugung der Niederlande zeigt der Krieg in der Ukraine jedoch, dass sowohl heute als auch künftig „Durchbruchsfähigkeiten unter Kampfbedingungen“ erforderlich sind. Daher wurde zunächst geprüft, ob die Kodiak-Pionierpanzer durch ein „Midlife Update“ (MLU) kampfwertgesteigert werden könnten. „Doch die Durchführung eines MLU an dem bestehenden multifunktionalen System ist technisch sehr komplex und führt daher zu langen Durchlaufzeiten. Angesichts des dringenden operativen Bedarfs hält das Verteidigungsministerium dies für nicht akzeptabel“, schreibt das Ministerium an das Parlament. Daher wurde beschlossen, neue Pionierpanzer zu beschaffen, die speziell für die „Durchbruchsaufgabe“ konzipiert sind.
Im niederländischen Beschaffungsprozess schließt das A-Letter (A-Phase – Analyse der Anforderungen) die Analysephase ab. Wie das Verteidigungsministerium weiter schreibt, soll die Marktsichtung 2028 abgeschlossen sein. Das Parlament soll anschließend in einem kombinierten B-/D-Letter über das weitere Vorgehen informiert werden, der die Untersuchungs- und Beschaffungsvorbereitungsphase umfasst.
Neben der neu entwickelten Kodiak-/Keiler-Plattform von Rheinmetall dürfte Beobachtern zufolge auch die Multifunktionsplattform WiSENT 2 der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) als aussichtsreicher Kandidat ins Rennen um die niederländische Kodiak-Nachfolge gehen. Wie hartpunkt berichtete, teilte das niederländische Verteidigungsministerium im Februar 2026 mit, dass in der zweiten Jahreshälfte mehrere WiSENT-2-Fahrzeuge in der Konfiguration als Bergepanzer beschafft werden sollen.
Zusätzlich zu der Absicht, die derzeit genutzten Pionierpanzer Kodiak zu ersetzen, hat das niederländische Verteidigungsministerium die Beschaffung weiterer Brückenlegepanzer des Typs Leguan von KNDS Deutschland angekündigt. Der Bedarf an zusätzlichen Systemen ergibt sich dem Schreiben zufolge aus der Aufstellung einer weiteren mechanisierten Kampfbrigade.
Wie es in dem A-Letter zudem heißt, soll die Beschaffung über einen deutschen Beschaffungsvertrag erfolgen. „Deutschland rechnet damit, im ersten Quartal 2027 einen Vertrag mit einem deutschen Lieferanten über die Beschaffung der modernen Version des derzeitigen Brückenlegpanzers ‚Leguan‘ zu unterzeichnen. Diese Version ist eine Weiterentwicklung der derzeitigen Konfiguration der Niederlande und kann als ‚Military-off-the-Shelf‘ (MOTS) beschafft werden. Das Verteidigungsministerium kann sich diesem Vertrag anschließen“, schreibt das niederländische Verteidigungsministerium an das Parlament.
Waldemar Geiger
















