Anstelle des abgebrochenen Vorhabens F126 beschafft die Bundeswehr derzeit acht Fregatten der Klasse 128, die in der Deutschen Marine zur schiffsgestützten U-Jagd eingesetzt werden sollen. Das F128-Programm zielt auf eine schnellstmögliche Einführung der neuen Fregatten bei der Deutschen Marine ab 2029 ab, um Verzögerungen auszugleichen, die sich aus dem Abbruch des F126-Vorhabens ergeben.
Wie aus jüngst auf der britischen Investmentplattform „Investegate“ veröffentlichten Informationen hervorgeht, wurde das im Vereinigten Königreich ansässige Unternehmen MSI Defence Systems Ltd. im Rahmen der F128-Beschaffung beauftragt, zwölf Marinegeschützsysteme des Typs DS30M im Wert von 29,7 Millionen Pfund (rund 35 Millionen Euro) zu liefern, die das Unternehmen unter der Bezeichnung Seahawk DS vermarktet. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, sollen damit vier Fregatten des Typs F128 ausgestattet werden. Der Ausrüstungsvertrag mit MSI spiegelt die Dringlichkeit des Vorhabens wider. Das 30-mm-Waffensystem Seahawk von MSI ist kommerziell etabliert und ermöglicht eine zügige Integration in die aus dem MEKO-A200-Entwurf abgeleitete F128. Die Deutsche Marine hatte sich bereits 2024 für die Beschaffung des MSI Seahawk im Rahmen der Modernisierung der Fregatten der Brandenburg-Klasse (F123) entschieden.
Die Veröffentlichung nennt keinen konkreten Lieferzeitraum. Das Unternehmen erklärt lediglich: „Die Lieferung der Systeme (…) soll gemäß dem Programmzeitplan in den kommenden Jahren erfolgen.“
Das Auftragsvolumen dürfte mit der Beschaffungsstruktur der F128 zusammenhängen. Das Verteidigungsministerium bestellte nach parlamentarischer Genehmigung im Juli zunächst vier F128-Fregatten. Anfang Oktober genehmigte der Bundestag die zweite Tranche für weitere vier Fregatten. Ein Folgeauftrag an MSI zur Lieferung von Geschützsystemen für die verbleibenden F128-Fregatten in naher Zukunft erscheint daher plausibel.
Das DS30M von MSI ist eine ferngesteuerte Waffenlafette, die leichte und mittlere Maschinenkanonen im Kaliberbereich von 25 bis 40 mm aufnehmen kann. Zusätzlich ermöglicht die Konstruktion bei Bedarf die Installation eines Maschinengewehrs im Kaliber 7,62 × 51 mm oder leichter Flugkörper in koaxialer Anordnung. MSI bietet je nach Sensor- und Feuerleitspezifikation drei verschiedene Turmkonfigurationen unter den Bezeichnungen DS Remote, DS A1 und DS A2 an. Die am weitesten verbreitete Ausführung integriert die 30mm-Maschinenkanone Mk 44 Bushmaster II. Die Vereinigten Staaten beschaffen das Design von MSI seit 2022 in einer modifizierten Version als Mk 38 Mod 4. Die US-Version integriert unter anderem das schwere Maschinengewehr M2 im Kaliber .50 BMG.
Mit der Entscheidung für das MSI-Produkt weitet die Marine die Einführung des Seahawk-Systems nach der erstmaligen Beschaffung für die Fregatten der Klasse 123 auf Neubauten aus. Auf den Fregatten der Klasse F123 ersetzt das MSI Seahawk das derzeit eingesetzte Marineleichtgeschütz MLG 27 von Rheinmetall. Wie hartpunkt berichtete, strebt die Deutsche Marine ein hohes Maß an Systemgleichheit zwischen den Fregatten der Klasse F123 und der neuen Klasse F128 an. Nach Abschluss der Modernisierungsmaßnahmen an den Fregatten der Klasse F123 werden beide Klassen voraussichtlich über einen längeren Zeitraum parallel betrieben. Dies hat Konsequenzen für die Ausbildung und die Einsatzunterstützung.
Das MLG 27 hat sich mit seiner von der Mauser BK-27 abgeleiteten Maschinenkanone im Kaliber 27 × 145 mm seit seiner Einführung Anfang der 2000er-Jahre als primäres leichtes Waffensystem der Deutschen Marine etabliert. Das Geschütz wird an Bord von Fregatten und Korvetten sowie auf Unterstützungseinheiten wie Tendern und Einsatzgruppenversorgern eingesetzt. Vor dem Hintergrund von Einsatzerfahrungen im Roten Meer und der zunehmenden Verbreitung von Drohnen für den luft- und seegestützten Einsatz gegen Kampfschiffe betrachtet die Marine das MLG 27 als eine Fähigkeit, die der aktuellen Bedrohungslage nicht mehr gerecht wird. Stattdessen strebt die Marine einen Ersatz an, der moderne Munitionsoptionen wie Airburst-Munition sowie leistungsfähigere Sensoren und Feuerleitsysteme ermöglicht. Ein entsprechender Teilnahmewettbewerb für die „querschnittliche Nachfolgelösung für das Marineleichtgeschütz (qNFMLG)“ wurde im Sommer 2025 eröffnet. Ziel war es, im Laufe des Jahres 2026 einen Vertrag abzuschließen. Gut unterrichteten Kreisen zufolge verzögert sich das Vorhaben jedoch.
Die technischen Forderungen an den Nachfolger des MLG 27 lauten wie folgt:
- Kaliber: 30 × 173 mm
- Jedes Geschütz muss über einen Sensor zur Zielerfassung verfügen.
- Das Geschützsystem muss in der Lage sein, die mithilfe des Sensors erfassten Ziele nach Auslösung durch einen Bediener erfolgreich zu bekämpfen.
- Das Geschütz muss auf Überwassereinheiten der Marine integrierbar sein.
- Das Geschütz muss Airburst-Munition verschießen und programmieren können.
- Das Geschütz soll Luftziele (insbesondere unbemannte Luftfahrzeuge, englisch Unmanned Aerial Vehicles, UAVs), Überwasserziele und Ziele an Land bekämpfen können. Zur Sicherstellung der Selbstverteidigungsfähigkeit der Einheiten der Deutschen Marine ist es erforderlich, auf marktverfügbare Systeme mit einem Technology Readiness Level (TRL) von 9 zurückzugreifen, deren erfolgreicher Einsatz nachgewiesen wurde.
- Darüber hinaus muss das zu beschaffende Waffensystem in der Lage sein, Airburst-Munition zu programmieren und zu verschießen, um eine wirksame Drohnenabwehr für die Schiffe und Boote sicherzustellen.
Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.
















