Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat das Münchner Technologieunternehmen TYTAN Technologies im Rahmen des Vorhabens „SMoK3D“ (Schutz mobiler Kräfte gegen UAS) mit der Lieferung von Drohnenabwehrsystemen beauftragt. Dies geht aus einer heutigen Veröffentlichung des BAAINBw auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED hervor.
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, sollen insgesamt sechs Systeme des Typs „TYTAN Drone Defender 2 TYTAN C2-Van“ geliefert werden. Dabei soll es sich nach hartpunkt vorliegenden Informationen um eine mobile Drohnenabwehrlösung auf Basis der G-Klasse handeln, die TYTAN Technologies gemeinsam mit Mercedes-Benz entwickelt und erstmals auf der ILA 2026 in Berlin sowie der Eurosatory 2026 in Paris vorgestellt hat.
Der Drone Defender kombiniert ein Fahrgestell der G-Klasse mit einem von TYTAN Technologies entwickelten Drohnenabwehrrüstsatz. Als Basis für das Fahrgestell mit Fahrerhaus dient der G 350 d der Baureihe 464 mit verlängertem Radstand. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 4,9 Tonnen kann das Fahrzeug nach Angaben von Mercedes-Benz bis zu 2,5 Tonnen Nutzlast tragen. Zusätzlich kann es Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen ziehen. Die Kabine bietet Platz für zwei Personen sowie Stauraum für Gepäck und weitere Ausrüstung.
Als Rüstsatz wurde auf dem Fahrgestell ein modularer Launch Container von TYTAN Technologies integriert. Auf jüngsten Rüstungsmessen gezeigte Konfigurationen bieten Platz für zwei Metis- und vier EOS-Abfangdrohnen. Die Metis wurde von TYTAN Technologies als KI-gestützte Abfangdrohne zur Bekämpfung von Drohnen der NATO-Klasse 2 entwickelt. Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 350 km/h kann sie Ziele in einer Entfernung von bis zu 60 km und in einer maximalen Höhe von 5 km bekämpfen. Dazu kann das System einen rund 1 kg schweren Gefechtskopf tragen.
Den Schutz gegen kleinere Drohnen sowie Aufklärungsdrohnen der NATO-Klasse 1 soll die ebenfalls von TYTAN Technologies entwickelte TI-2 EOS bieten. Die Drohne erreicht eine Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h und bekämpft Ziele durch ein Rammmanöver auf eine Entfernung von bis zu 20 km. Die Führung beider Drohnentypen in den Abfangraum erfolgt über das Bodenradar. Sobald die gegnerische Drohne in den Sichtbereich der Drohnenoptik eintritt, übernimmt eine KI-gestützte terminale Zielführung.
Ob der Drone Defender auch mit der HYPERION bewaffnet werden kann, ist derzeit nicht bekannt. Während EOS für den Dual-Use- und zivilen Bereich mit Schwerpunkt auf dem Liegenschaftsschutz entwickelt wurde und die rein kinetische Bekämpfung von Klein- und Kleinstdrohnen ohne Gefechtskopf vorsieht, wurde der Abfangflugkörper HYPERION auf Basis der EOS ausschließlich für militärische Anwendungen konzipiert. Er soll Kampftruppen mithilfe eines Gefechtskopfes vor Bedrohungen durch Drohnen der NATO-Klassen I und II schützen. Zudem soll HYPERION über eine größere Reichweite, eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit und eine längere Stehzeit verfügen.
Erreicht werden soll dies durch einen Raketenbooster, der die eigentliche Abfangdrohne schnell auf große Höhen bringt. Nach Erreichen der Zielhöhe trennt sich HYPERION vom Booster, der anschließend mithilfe eines Fallschirms langsam zu Boden gleitet. HYPERION richtet sich dagegen selbstständig auf die erkannte Drohnenbedrohung aus und bekämpft diese automatisiert. Die Wirkung erfolgt über einen integrierten Spreng-Splitter-Gefechtskopf mit Annäherungszünder.
Als Sensorik des Drone Defenders dient ein auf einem ausfahrbaren Mast montiertes Radar des Typs IRIS des Herstellers Robin Radar. TYTAN Technologies zufolge ist der Launch Container jedoch modular ausgelegt, sodass bei Bedarf auch andere Sensorkonfigurationen integriert werden können. Auch die Zusammensetzung der Abfangdrohnen kann abhängig vom verfügbaren Bauraum flexibel konfiguriert werden. Gesteuert werden die Drohnen über eine Bedienstation im Fahrerhaus.
Waldemar Geiger


















