Die Einsatzprüfung 1 des Rüstungsprogramms Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) ist Ende dieser Woche abgeschlossen worden. Laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums ist die Grundfunktionalität des Systems gegeben. Damit werde die der NATO zugesagte „Forward Land Forces“- Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 mit Beginn des Auftrages im Januar 2027 digitalisiert führungsfähig sein.
Zur Entscheidung wird der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, mit den Worten zitiert: „Wir können mit D-LBO basic fahren, funken, schießen – digital, störungssicherer und mit gesteigerter Reichweite. Das ist gut! Aufgrund der Testergebnisse haben wir uns entschieden, dass beide Panzergrenadierbataillone durch Verbände gestellt werden, die mit dem neuen, modernen und kampfstarken Schützenpanzer Puma ausgestattet sind.“ Der ursprünglich vorgesehene Marder-Verband werde zunächst nicht Teil der „Forward Land Forces“-Brigade sein, schreibt das BMVg.
Bei einer Pressekonferenz Anfang der Woche hatten sowohl Staatssekretär Jens Plötner als auch Verteidigungsminister Boris Pisotorius auf Probleme bei der Integration des Anfang der 70er Jahre eingeführten Schützenpanzer Marder in D-LBO basic hingewiesen. Die Fahrzeuge sollen im sogenannten Mischbetrieb an das digitale Netz angebunden werden.
Wie es in der Mitteilung heißt, war die technische Einsatzprüfung der letzten Wochen ein fortlaufender Prozess, bei dem immer komplexere Szenarien in der Landkriegsführung geübt wurden. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden an Ort und Stelle direkt analysiert und flossen sofort in die weiteren Szenarien der Einsatzprüfung ein. Gemeinsam mit der Industrie und dem Heer sei das Gesamtsystem „D-LBO basic“ im realitätsnahen, taktischen Einsatz die letzten Wochen in Munster geprüft werden. In der vergangenen Woche sei bei der Einsatzprüfung auch scharf geschossen wurden und die Grundfunktionalität des Systems festgestellt worden.
Nach einem Treffen mit Industrievertretern am vergangenen Montag zeigte sich der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, von der laufenden Einsatzprüfung und der deutlich verbesserten Sprachqualität beim Funken überzeugt. Gemeinsam mit Staatssekretär Plötner und dem Inspekteur des Heeres war er zuvor vor Ort in Munster.
Zur „Forward Land Forces“-Brigade werden komplett auf D-LBO basic umgerüstete Fahrzeuge gehören, aber auch digitalisierte Fahrzeuge, deren analoge Technik mit Hilfe einer Schnittstelle im Rahmen von D-LBO angebunden werden. Dieser „Mischbetrieb“ erlaube die digitale und verschlüsselte Einbindung noch nicht umgerüsteter oder nicht für die Umrüstung vorgesehener Fahrzeuge. Er wurde laut BMVg bereits beim Systemnachweis im Juli erfolgreich getestet.
Nach der digitalen Einsatzbereitschaft der „Forward Land Forces“-Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 zum Jahresende sei das nächste Ziel die digitalisierte Panzerbrigade 45 in Litauen bis Mitte 2027. Anschließend soll D-LBO sukzessive auf den Rest der Landstreitkräfte ausgerollt werden.
Ziel bei Serienintegration nicht erreicht
Für die weitere Umrüstung der Fahrzeuge werde die Industrie die Serienintegration der neuen Technik konsequent vorantreiben, so das Ministerium. Aktuell liegt die Umrüstung allerdings mit rund 300 Fahrzeuge hinter dem selbstgesteckten Ziel. Der gemeinsam mit der Industrie beschlossene Aufholplan müsse konsequent umgesetzt werden, um das von der Industrie zugesicherte Ziel von 2.700 an den Standorten und in den Werken umgerüsteten Fahrzeugen bis Ende 2026 zu erreichen, schreibt das BMVg. Aktuell seien bereits über 2.000 Fahrzeuge auf „D-LBO basic“ umgerüstet.
Neues Zentrum Digitalisierung Land
Verteidigungsminister Pistorius habe zudem entschieden, das „Zentrum Digitalisierung Land“ in Munster zu stationieren. Mit der Aufstellung zum 1. Oktober 2026 diene es als zentrales Element zur Unterstützung der Digitalisierungsmaßnahmen für die Landstreitkräfte. Durch den unmittelbaren Anschluss an die Kampfverbände des Heeres, einem Truppenübungsplatz in unmittelbarer Nähe, durch die Koordinierung mit der Außenstelle des Zentrums Digitalisierung der Bundeswehr und den direkten Zugriff auf Digitalisierungsprojekte wie D-LBO werden in Munster entscheidende Kompetenzen zusammengeführt und Synergien genutzt, wie es weiter heißt.
Die Umrüstung auf D-LBO sei eines der technologisch anspruchsvollsten Großprojekte in der Geschichte der Bundeswehr, schreibt das BMVg. Eigentlich würde dieses Digitalisierungs-Mammutprojekt 10 bis 15 Jahre dauern, so das Ministerium. Angesichts der Bedrohungslage solle das Projekt in weniger als der Hälfte der Zeit umgesetzt werden. Dafür werden Einrüstung in die Fahrzeuge, Erprobung, technische Weiterentwicklung und Truppeneinführung inklusive Ausbildung in großen Teilen parallel durchgeführt.
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