Die Schweiz will ihre Fähigkeiten in der elektronischen Kriegführung modernisieren und beteiligt sich an einem europäischen Programm zur Beschaffung elektronischer Angriffssysteme. Die Schweizer Regierung, der Bundesrat, hat an seiner Sitzung vom 14. Oktober die Teilnahme der Schweiz am Memorandum of Understanding betreffend die Zusammenarbeit im Bereich elektromagnetischer Kampffähigkeiten für den elektronischen Angriff (MoU Knifefish) genehmigt, wie aus einer Mitteilung der Schweizer Rüstungsbehörde armasuisse hervorgeht.
Die Niederlande führen laut Mitteilung mit Knifefish ein Programm zur Beschaffung elektronischer Angriffssysteme. Ziel sei es, die Beschaffung solcher Systeme zu unterstützen und den Austausch mit europäischen Partnerstaaten zu erleichtern.
Deutschland sowie Dänemark beteiligen sich der Mitteilung zufolge bereits daran und Schweden beabsichtige, sich dem Programm über eine Änderungsvereinbarung anzuschließen. Der Bundesrat habe nun die Teilnahme der Schweiz am MoU Knifefish genehmigt, heißt es weiter. Das MoU baue auf dem Programm Sawfish auf, dem die Schweiz bereits im November 2025 beigetreten sei. Sawfish betrifft laut armasuisse taktische Systeme für die elektronische Kriegführung.
Eine gemeinsame Beschaffung bringe operative und logistische Vorteile. Die Schweiz könne insbesondere von Skaleneffekten und günstigeren Einkaufspreisen profitieren, heißt es in der Mitteilung.
Wie bereits bei Sawfish ermögliche es auch das MoU Knifefish der Schweiz, von Fall zu Fall zu entscheiden, an welchen Projekten sie sich beteiligen möchte. Die Neutralität sei gewährleistet. Die Schweiz könne sich den Angaben zufolge jederzeit aus der Zusammenarbeit zurückziehen, wenn eines der Programmmitglieder in einen bewaffneten Konflikt verwickelt werden sollte.
Die elektronische Kriegführung umfasst der Mitteilung zufolge drei Bereiche: „Elektronischer Angriff“, „Elektronischer Schutz“ und „Elektronische Unterstützung“. Der Elektronische Angriff erschwert demnach gegnerischen Kräften die Nutzung des elektromagnetischen Spektrums, der Elektronische Schutz schützt eigene Systeme vor Störungen und die Elektronische Unterstützung dient dazu, Signale zu erfassen und auszuwerten.
Auch die Bundeswehr will im Rahmen des von den Niederlanden geführten Vorhabens Knifefish Störpanzer beschaffen. Bisher waren jedoch nur Dänemark und die Schweiz als weitere Partnernationen erwartet worden. Eine mögliche Beteiligung Schwedens wäre neu. Die deutschen Störpanzer sollen nach den hartpunkt vorliegenden Informationen auf dem Radpanzer Piranha 5 von General Dynamics European Land Systems (GDELS) realisiert werden.
Den Angaben der Rüstungsbeschaffungsabteilung des niederländischen Verteidigungsministeriums, Materiel and IT Command (COMMIT), zufolge sollen die ersten Testsysteme 2028 verfügbar sein. Die Seriensysteme könnten ab 2029 folgen. Industrieller Hauptauftragnehmer für das Vorhaben ist der deutsche Technologiekonzern Hensoldt.
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