Starlink-Beschränkung zeigt die große Bedeutung von „klassischen“ Datenlinks in der Drohnenkriegsführung

Waldemar Geiger

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Nachdem die russischen Streitkräfte bereits vor geraumer Zeit erfahren mussten, welche Konsequenzen ein Ausschluss von der Starlink-Satellitenkommunikation nach sich zieht, sollen aktuellen Medienberichten zufolge nun auch den ukrainischen Streitkräften bestimmte Zugänge zu der für unterschiedliche Einsatzzwecke wichtigen Technologie durch den Anbieter verwehrt worden sein.

Einzelnen Berichten zufolge treten Einschränkungen bereits dann auf, wenn sich Starlink-Empfangsterminals mit einer Geschwindigkeit von mehr als 60 bis 70 km/h bewegen. Sollte dies tatsächlich zutreffen, können die ukrainischen Streitkräfte Starlink zwar weiterhin für die Kommunikation untereinander nutzen, nicht jedoch für die weitreichende Kommunikation mit Aufklärungs- und Angriffsdrohnen. Einsätze auf russischem Territorium sollen hingegen nicht betroffen sein, da das militärische Starlink dort eh seit geraumer Zeit abgeschaltet ist.

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Starlink beziehungsweise die damit verbundene Fähigkeit ist so etwas wie der Heilige Gral der Drohnenkriegsführung. Die Technologie ermöglicht eine breitbandige, latenzarme und äußerst störungsresistente Datenübertragung über große Entfernungen. Der Clou dabei ist zudem, dass die für die Datenübertragung notwendigen Terminals und Antennen nur einen Bruchteil dessen kosten, was für „klassische“ Datenlinks erforderlich ist, die in anderen Frequenzbereichen, etwa UHF, funken.

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Da viele von den ukrainischen Streitkräften eingesetzte Strike-Drohnen, wie beispielsweise die Hornet oder die FP-2, auf die Kommunikation zwischen Drohne und Bediener mittels Starlink ausgelegt sind, können diese Systeme Berichten zufolge derzeit nicht zum Einsatz kommen. Systeme wie beispielsweise die HX-2 dürften hingegen nicht von den Einschränkungen betroffen sein, da sie über klassische Datenlinks kommunizieren. Strike-Drohnen, die sich in den vergangenen Monaten und Wochen im Rahmen der ukrainischen „Middle Strike Campaign“ – der Bekämpfung russischer Logistik, Kommunikationsknoten und Luftverteidigungssysteme in einer Tiefe von bis zu 200 km – als vorteilhaft erwiesen haben, könnten damit durch eine einzige, weit entfernt von der Ukraine getroffene Entscheidung quasi über Nacht nutzlos geworden sein.

Die hinter Starlink stehende Kommunikationstechnologie mag gegenüber russischen Maßnahmen der elektronischen Kampfführung störresistent sein, nicht jedoch gegenüber „anderen“ russischen Einflüssen auf Entscheidungsträger – sofern man der aktuellen Berichterstattung Glauben schenkt.

Welcher Grund auch immer für die derzeit zu beobachtenden Starlink-Einschränkungen ausschlaggebend gewesen sein mag: Die Situation zeigt, dass die Nutzung eines einzigen Systems fatal sein kann, wenn keine hinreichenden Alternativen zur Verfügung stehen. Damit sind nicht nur andere Kommunikationssatellitenkonstellationen gemeint, wie sie beispielsweise bei der Bundeswehr derzeit geplant werden. Die Streitkräfte brauchen zwingend alternative Funksysteme – egal ob VHF, UHF, HF oder LTE –, damit sie bei einem Ausfall der Satellitenkommunikation quasi unterbrechungsfrei weiter kommunizieren können. Ein solcher Ausfall kann sowohl politisch bedingt sein als auch durch feindliche Einwirkung verursacht werden.

Mit Blick auf die Bedeutung der Drohnenkriegsführung stellt sich zudem die Frage, ob beim Aufbau eines Drohnenökosystems ausschließlich auf ein System vertraut werden kann, das zentral abgeschaltet oder in seiner Nutzung eingeschränkt werden kann. Klassische Datenlinks mögen zwar teurer sein und bei zunehmender Reichweite Leistungseinbußen aufweisen. Ab gewissen Distanzen sind zudem Relais notwendig, die sowohl die Kosten als auch die Komplexität des Einsatzes erhöhen. Sie sind jedoch nicht zentral angreifbar und lassen sich nur lokal stören.

Waldemar Geiger