Das US-Technologieunternehmen Anduril Industries hat nach eigenen Angaben eine Familie von neuen Boden-Luft-Abfangflugkörpern mit dem Namen Steelfin entwickelt. Es handele sich um hochgradig konfigurierbare, in großen Stückzahlen herstellbare Abfangflugkörper, die im gesamten Spektrum moderner Bedrohungen – einschließlich Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Hyperschallflugkörpern – deutliche Vorteile hinsichtlich Kosten, verfügbarer Stückzahlen und Leistungsfähigkeit bieten, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.
Steelfin basiere auf einer gemeinsamen Architektur, wodurch Anduril die Leistungsmerkmale der Abfangflugkörper an unterschiedliche Einsatzprofile anpassen und zugleich zahlreiche identische Komponenten, Fertigungsprozesse und Architekturmerkmale innerhalb der gesamten Produktfamilie wiederverwenden könne.
Die Flugkörperfamilie wurde der Mitteilung zufolge von Grund auf so konzipiert, dass sich das System an veränderte Anforderungen anpassen lässt, ohne dass eine umfassende, mehrjährige Neuentwicklung der zugrunde liegenden Plattform erforderlich ist. Steelfin verfüge über eine zweistufige Konstruktion, bestehend aus einer ersten Stufe mit Booster und einer zweiten Stufe als Endphasen-Abfangflugkörper. Diese Architektur biete die notwendige Flexibilität, um die Leistungsfähigkeit des Abfangflugkörpers auf die jeweilige Bedrohung abzustimmen, schreibt das Unternehmen.
Die erste Stufe kann den Angaben zufolge mit unterschiedlichen Feststoffraketenboostern ausgestattet werden, um spezifische Anforderungen hinsichtlich Reichweite, Leistung, Boostertyp, Startkonfiguration oder Packungsdichte zu erfüllen. Die zweite Stufe nutze eine gemeinsame Architektur für den Abfangflugkörper der Endphase. Alle Steelfin-Varianten verfügten dabei über dieselbe grundlegende Flugkörperstruktur, Avionik, Software, Flugsteuerung und Schnittstellen.
Offene, modulare Schnittstellen zwischen den einzelnen Subsystemen der Endstufe ermöglichen es laut Anduril, unterschiedliche Suchköpfe, Missionssysteme und weitere Komponenten zu integrieren, ohne den gesamten Flugkörper neu entwickeln zu müssen.
Die Steelfin-Varianten sind nach Angaben des Unternehmens mit etablierten land- und seegestützten Startsystemen kompatibel. Dazu gehören das M903A2, das vertikale Startsystem Mk 41 (Vertical Launch System), Typhon sowie weitere neue, containerisierte Startsysteme.
Ebenso sei Steelfin darauf ausgelegt, sich in alle bereits eingesetzten Feuerleitsoftware-Systeme integrieren zu lassen, darunter AEGIS und IBCS. Damit soll sichergestellt werden, dass Steelfin nahtlos in bestehende Gefechtsführungsprozesse und -verfahren eingebunden werden kann.
Steelfin sei für den Einsatz im gesamten Spektrum der Luftverteidigung- und Raketenabwehr ausgelegt – von der Punktverteidigung über die integrierte Luftverteidigung- und Raketenabwehr der unteren Abwehrschichten bis hin zur ballistischen Raketenabwehr der oberen Abwehrschicht. Dabei sollen die Kosten in jeder Einsatzklasse laut Hersteller nur einen Bruchteil der Kosten heutiger Referenzsysteme betragen.
Da die verschiedenen Steelfin-Varianten eine gemeinsame Architektur und zahlreiche identische Komponenten nutzen, können sie nach Aussage von Anduril auf derselben Produktionslinie gefertigt werden – mit denselben Werkzeugen, Fachkräften und Produktionsstätten. Darüber hinaus ermöglichen standardisierte, offene Architekturschnittstellen zwischen den einzelnen Subsystemen der Endstufe die Integration handelsüblicher Standardkomponenten (Commercial off-the-shelf, COTS).
Derzeit plant Anduril, jährlich mehrere Tausend Steelfin-Flugkörper unterschiedlicher Varianten herzustellen. Die Produktionskapazität sei dabei so ausgelegt, dass sie flexibel an die Nachfrage angepasst werden kann.
Anduril entwickelt und optimiert Steelfin der Mitteilung zufolge bereits seit mehreren Jahren und investiert gemeinsam mit mehreren Kunden in die Bereitstellung einer Fähigkeit, die bereits heute dringend benötigt wird. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits ballistische Tests mit repräsentativen Flugkörpern abgeschlossen. Flugtests der Steelfin-Varianten sollen im kommenden Jahr beginnen.
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