Alternative zu Patriot: Macron bietet Deutschland Koproduktion beim Luftverteidigungssystem SAMP/T NG an

Lars Hoffmann

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Frankreich und Deutschland wollen bei der Integrierten Luftverteidigung und Raketenabwehr (IAMD) eine Zusammenarbeit bei souveränen europäischen Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen prüfen. Diese gehören – zusammen mit Deep Precision Strike und Frühwarnung – zu den Fähigkeiten, die erforderlich seien, um eine Eskalation unterhalb der nuklearen Schwelle zu bewältigen, heißt es in den Schlussfolgerunen des deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrats (DFVSR), der gestern auf dem Luftwaffenstützpunkt Nörvenich tagte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wurde bei der Pressekonferenz im Anschluss an das gestrige deutsch-französische Ministertreffen in Schloss Augustusburg bei Brühl noch deutlicher: „Und bei der Luftverteidigung setzen wir uns für eine europäische Souveränität ein. Wir wollen beim SAMP/T der neuen Generation vorankommen. Dabei besteht seitens Frankreichs ganz klar der Wille, gemeinsam mit Deutschland und unseren italienischen Partnern, die am SAMP/T der neuen Generation beteiligt sind, in Koproduktion eine klare gemeinsame Lösung anzubieten.“

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Aus dieser Aussage geht hervor, dass Macron offenbar bereit ist, Deutschland an der Herstellung von SAMP/T NG zu beteiligen. Vermutlich unter der Voraussetzung, dass sich auch die Bundeswehr für die Beschaffung dieses Systems entscheidet. Es handelt sich gegenwärtig um das einzige europäische Luftverteidigungssystem, das über eine Fähigkeit zur Abwehr ballistischer Raketen verfügt. Hergestellt wird SAMP/T von Eurosam, einem Konsortium, hinter dem MBDA Frankreich und MBDA Italien, Thales sowie Leonardo stehen. Denkbar wäre etwa, dass auch MBDA Deutschland in die Flugkörperproduktion eingebunden werden könnte, sollte Deutschland die Beschaffung ins Auge fassen. Die in Einführung befindliche modernste Variante SAMP/T NG (New Generation) verfügt über den neuen Flugkörper Aster 30 B1 NT, der eine höhere Leistung bei der Bekämpfung von ballistischen Raketen aufweisen soll als die Vorgängerversion.

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Die Deusche Luftwaffe setzt bisher auf das amerikanische Patriot-System mit dem Abfangflugkörper PAC-3 MSE zur Raketenabwehr im endoatmosphärischen Bereich. Dieser gilt zwar als besonders leistungsfähig, hat aber im Augeblick sehr lange Lieferzeiten und wird nur in den USA und in kleiner Stückzahl in Japan hergestellt. Offenbar ist auch in absehbarer Zeit nicht geplant, eine Produktion in Europa aufzubauen. Damit ist die Bundeswehr bei der Beschaffung ganz von den Vorgaben der US-Regierung abhängig.

Neben dem Angebot, bei SAMP/T NG zusammenzuarbeiten, ist noch ein weiteres Ergebnis des gestrigen Ministertreffens bemerkenswert: Wie es in den Schlussfolgerungen des DFVSR heißt, werden Frankreich und Deutschland gemeinsam mit ihren britischen Partnern Möglichkeiten der Zusammenarbeit in allen Bereichen des Deep Precision Strike prüfen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der „ballistischen Antriebstechnik“ für Effektoren mit sehr großer Reichweite (2.500 Kilometer) liegt. Die beiden Partnerländer „erkennen die bestehenden Fähigkeiten des deutsch-französischen Unternehmens Ariane Group an und werden diese untersuchen“, heißt es in dem Text.

Dies bedeutet offensichtlich, dass auch für Deutschland eine konventionelle ballistische Rakete großer Reichweite als Deep-Precision-Strike-Waffe betrachtet werden soll. Bisher waren Beobachter davon ausgegangen, dass sich die Bundeswehr in der mittelfristigen Sicht nur auf Marschflugkörper großer Reichweite und in der langen Sicht nur auf Hyperschall-Gleitvehikel konzentriert.

Auch die französischen Militärs wünschen sich neue Abstandswaffen mit möglichst mehr als 2.000 Kilometern Reichweite. In diesem Zusammenhang wurde die  ArianeGroup bereits mit einer Studie zu einer entsprechenden ballistischen Rakete beauftragt und hat bereits bei mehreren Messen das Konzept der Missile Balistique Tactique (MBT) vorgestellt. Neben der zivilen Trägerrakete Ariane 6 baut ArianeGroup auch die französische Nuklearrakete M51. Marchflugkörper dagegen sind nicht im Angebot.

Lars Hoffmann