Deutschland, Dänemark, Finnland und Norwegen wollen gemeinsam bis zu fünf HALE-Drohnen des Typs MQ-4C Triton (High Altitude Long Endurance, HALE) von Northrop Grumman beschaffen, um die ISR-Fähigkeiten (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance) der NATO zu verstärken. Dies geht aus einer heute erschienenen Mitteilung der NATO hervor.
Die Ankündigung erfolgte auf dem Forum der Verteidigungsindustrie im Rahmen des NATO-Gipfels in der türkischen Hauptstadt Ankara. Die neuen Luftfahrzeuge werden die „Alliance Ground Surveillance“ (AGS)-Flotte der NATO ergänzen, die vom Luftwaffenstützpunkt Sigonella in Italien aus operiert, schreibt die NATO.
Dem Bündnis zufolge sind die speziell für die Seeüberwachung entwickelten Flugzeuge in der Lage, 24-Stunden-Flüge in einer Höhe von mehr als 15 km durchzuführen. Ausgestattet mit Sensoren großer Reichweite sollen die MQ-4C Triton die Fähigkeit der Bündnispartner verbessern, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, Seeverbindungswege zu schützen und Operationen in anspruchsvollen Regionen wie der Arktis und dem Hohen Norden zu unterstützen.
Zur Bereitstellung dieser Fähigkeiten wird der NATO zufolge derzeit ein transatlantisches Industriekonsortium gebildet. Während Northrop Grumman die MQ-4C Triton bauen wird, werden Airbus Defence and Space und andere europäische Unternehmen der Mitteilung nach das Bodensegment, Datenmanagementdienste, C²-Systeme, Infrastruktur sowie Missionsunterstützung bereitstellen. „Damit werden die in den letzten zehn Jahren geleistete Arbeit und die transatlantischen Beziehungen genutzt, um eine moderne und leistungsfähige NATO-ISR-Truppe zu ermöglichen“, heißt es in der Mitteilung.
MQ-4C Triton
Die Northrop Grumman MQ-4C Triton ist ein unbemanntes HALE-Flugsystem, das speziell für die dauerhafte maritime Aufklärung, Überwachung, Erkundung und Zielerfassung (ISR&T) entwickelt wurde. Die von der RQ-4 Global Hawk abgeleitete Triton ist mit einer verstärkten Flugzelle, Enteisungssystemen und Blitzschutz für die rauen maritimen Bedingungen optimiert, sodass sie auch bei schlechtem Wetter tiefer fliegen kann, um Oberflächenziele näher am Wasser zu identifizieren. Als entscheidender Knotenpunkt in der modernen dezentralen Seekriegsführung ermöglicht die Triton Echtzeit-Meeresüberwachung, Informationsgewinnung sowie Such- und Rettungsunterstützung über weite Ozeanregionen hinweg.
Im Dienst der US-Marine ergänzt die Triton die Fähigkeiten des Seeaufklärungsflugzeugs P-8 Poseidon. Das VUP-19 (Unmanned Patrol Squadron 19) erreichte im September 2023 während seines Einsatzes auf der Andersen Air Force Base auf Guam die anfängliche Einsatzfähigkeit. Die US-Marine stationierte am 30. März 2024 erstmals eine MQ-4C Triton in Europa (Naval Air Station Sigonella auf Sizilien, Italien). Auch Australien beschafft vier der Systeme.
- Ausdauer: Ist pro Einsatz über 24 Stunden ununterbrochen im Einsatz und deckt in einem einzigen Flug bis zu 4 Millionen Quadratseemeilen ab.
- Einsatzhöhe: Fliegt in Höhen über 50.000 Fuß (15.240 Meter) und hält damit einen sicheren Abstand zum zivilen Flugverkehr und den meisten lokalen Wettersystemen ein.
- Fortschrittliche Multisensor-Suite: Verfügt über das AN/ZPY-3-Multifunktions-Aktivradar (MFAS), das neben hochauflösenden elektrooptischen/Infrarot-Videodaten (EO/IR) auch 360-Grad-Such- und Verfolgungsfähigkeiten auf See bietet.
- Signalaufklärung (SIGINT) und Kommunikationsrelais: Ausgestattet mit leistungsstarken Werkzeugen zur Signalaufklärung (SIGINT) zum Abfangen und Analysieren elektronischer Signale sowie einer sicheren Netzwerk-Relaisfunktion zur Vernetzung unterschiedlicher Flotteneinheiten über große Entfernungen hinweg.
Autor: Xavier Vavasseur ist Mitbegründer und Chefredakteur von Naval News. Der Beitrag erschien erstmalig am 7.07.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.













