Der European Defence Fund (EDF) will die Förderung von Abwehrfähigkeiten gegen Hyperschallwaffen weiter fortsetzen und hat dazu im Februar eine neue Ausschreibung veröffentlicht. Ziel sei es, eine europäische Fähigkeit auf Basis eines endoatmosphärischen Luftverteidigungs-Effektors zu entwickeln, der gegen aktuelle sowie zukünftige manövrierende ballistische Raketen und hypersonische Marschflugkörper nach 2030 wirksam eingesetzt werden kann, heißt es in dem Text. Gefördert wird das Vorhaben mit 100 Millionen Euro.
Das Projekt baut dabei auf zwei Entwicklungsvorhaben zur Hyperschallabwehr auf, die bereits einige Jahre laufen und vor dem Abschluss stehen. Zum einem handelt es sich um das HYDIS-Programm (Hypersonic Defence Interceptor System) unter Führung von MBDA France als Konsortialführer sowie 19 Hauptpartnern, darunter MBDA Deutschland, Thales, ArianeGroup, DLR und OHB.
Zum anderen geht es um das HYDEF-Vorhaben (Hypersonic Defence Interceptor Study), das von Sener und SMS aus Spanien koordiniert wird, bei dem der wesentliche technische Input jedoch von Diehl Defence kommt. Ursprünglich hatte das Konsortium um Diehl und Sener die Ausschreibung des EDF für die erste Studie zur Hyperschallabwehr gewonnen. Dies hatte zur Folge, dass nach Aussage von Insidern die französische Regierung intervenierte und MBDA eine Klage gegen die Vergabentscheidung des EDF einreichte. Daraufhin legte der EDF eine zweite Studie zum gleichen Thema auf, die an das Konsortium unter Führung von MBDA France vergeben wurde. Als einiziges Land ist Deutschland mit eigenen Unternehmen in beiden Projekten vertreten und beteiligt sich auch an der Co-Finanzierung der Vorhaben.
Während es in der Vergangenheit wiederholt hieß, dass im nächsten Schritt beide Studien zusammengeführt werden sollen, um Dopplungen zu vermeiden und Kosten zu sparen, dürfte dieser Ansatz nun doch nicht verfolgt werden. Wie hartpunkt aus gut informierten Kreisen erfahren hat, bereiten sich zwei Konsortien darauf vor, bei der aktuellen Ausschreibung wieder gegeneinander anzutreten. Im Ausschreibungstext heißt es, dass nur ein Gewinner ausgewählt werden kann.
Ob die französische Seite beim erneuten Zuschlag für ein Konsortium unter Beteiligung von Diehl – wie bei HYDEF – wie in der ersten Runde vorgehen würde, bleibt Spekulation. Sollte der Zuschlag für eine Firmen-Gruppe ähnlich dem HYDIS-Konsortium unter Führung von MBDA France erfolgen, halten es Insider dagegen für denkbar, dass sich das BMVg diesmal nicht finanziell engagiert, sollte MBDA Deutschland nicht im ausreichenden Maß an der Entwicklung beteiligt werden. Schließlich geht es für Deutschland um den Aufbau von Schlüsseltechnologien.
Vor dem Hintergrund der laufenden Ausschreibung, für die ein Angebot im September abgegeben werden muss, haben Diehl Defence und Sistemas de Misiles de España (SMS) aus Spanien ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, mit der ein strategischer Rahmen für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Verteidigungsfähigkeiten zur Abwehr von endo- atmosphärischen Bedrohungen der nächsten Generation geschaffen werden soll. Der Schwerpunkt liege dabei auf Hyperschallsystemen, schreibt Diehl in einer Mitteilung.
Mit dieser Absichtserklärung bekräftigen die Unternehmen nach eigenen Angaben ihre langjährige strategische Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen und einer gemeinsamen Vision für die europäische Verteidigung beruht. Wie es weiter heißt, begann die gemeinsame Vorbereitung eines Angebots für die erste Ausschreibung des Europäischen Verteidigungsfonds (EDF) (EDF-2021-AIRDEF-D – European Hypersonic Defence Interceptor), bei der das HYDEF-Programm in einem stark umkämpften Auswahlverfahren den Zuschlag erhalten habe. „Diese Partnerschaft unterstreicht unser gemeinsames Engagement, eine hochmoderne europäische Lösung zur Bewältigung der sich wandelnden Bedrohungslage bereitzustellen“, so Harald Buschek, CPO von Diehl Defence.
Nach ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit als Koordinatoren des HYDEF-Programms, das nun kurz vor dem Abschluss stehe, beabsichtigen Diehl Defence und SMS, ihre Zusammenarbeit in den nächsten Phasen weiter auszubauen, heißt es in der Mitteilung. Diese erneuerte Kooperation bilde den Rahmen für eine enge Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Einreichung eines gemeinsamen Angebots (HYDEF2) für die bevorstehende EDF-Ausschreibung High-end Endo-Atmospheric Interception. Gemäß der Vereinbarung wollen Diehl Defence und SMS die Gründung eines neuen Konsortiums für HYDEF2 leiten, in dem führende Unternehmen aus der Verteidigung und Raumfahrt, insbesondere im Bereich der integrierten Luft- und Flugkörperabwehr (IAMD), zusammenkommen.
HYDEF2 werde eine gemeinsame Vorentwicklungsphase für den Abfangflugkörper (Interceptor) umfassen, mit dem Ziel, eine Einsatzfähigkeit gegen die anspruchsvollsten Bedrohungen zu erreichen, und zwar in möglichst kurzer Zeit. In der nächsten Phase werde ein besonderer Schwerpunkt auf die Definition des gesamten Waffensystems als Teil einer integrierten Luft- und Flugkörperabwehr gelegt.
Wie eine Sprecherin von MBDA auf Nachfrage von hartpunkt bestätigte, wird auch MBDA France ein Angebot an den EDF übermitteln. Beobachter erwarten in Kürze weitere Informationen zum dem MBDA-Antritt.
Lars Hoffmann

















