Fraunhofer-Institut arbeitet an Akustiklösungen für die Gefechtsausbildung

Waldemar Geiger

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Das Thema Akustik wird in der Gefechtsausbildung zumeist nur aus der Perspektive „Lärm“ betrachtet, vor dem es sich zu schützen gilt, damit das Gehör der Soldatinnen und Soldaten keinen Schaden nimmt.

Der Einsatz von realistischer Akustik als Ausbildungsmittel, um Soldatinnen und Soldaten mittels Geräusche zu bestimmten Handlungen zu bewegen, findet nur sehr eingeschränkt statt. Die Gründe dafür sind zahlreich: So führt beispielsweise der Einsatz von Gehörschutzmaßnahmen zu einer sehr eingeschränkten Wahrnehmung von akustischen Signalen unterhalb eines bestimmten Geräuschpegels. Die Geräusch-Kakophonie des dynamischen Gefechtsfeldes, bei dem Explosionen, Befehle, die eigenen Atemgeräusche einen kaum verständlichen Geräusch-Mix erzeugen, tragen ebenfalls dazu bei, dass Akustik nur sehr eingeschränkt als Ausbildungsmittel genutzt werden kann – tauglich ist nur das, was lauter ist als der aktuelle Geräuschpegel.

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In Ausbildungsszenarien ohne Gefechtslärm spielt die Akustik dagegen eine sehr große Rolle, beispielhaft ist hier der Spähtrupp oder der Alarmposten. Ein weiterer wesentlicher Grund ist der Aufwand. Um beispielsweise Panzergeräusche im Vorfeld oder den Einsatz des Artilleriefeuers und das Verlegen des Feuers in die Tiefe realistisch abbilden zu können, so dass die Truppe auch tatsächlich Entfernung und Richtung der Geräuschquellen korrekt einschätzen kann und entsprechend reagiert, ist de facto nur möglich, wenn ein Panzer tatsächlich im Vorfeld fährt oder die Truppe sich in einen Bunker im Artilleriezielgelände begibt. In der Ausbildung wird daher zumeist auf Hinweise zurückgegriffen, die der Ausbilder der Truppe zuruft: In den beschriebenen Fällen „Panzer im Vorfeld“ oder „Artilleriefeuer verlegt in die Tiefe“.

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Selbst in den wenigen Fällen, in denen es möglich, ist Geräusche künstlich einzuspielen, müssen signifikante Abstriche in der realistischen Darstellung der Akustik hingenommen werden, da der Sound zumeist mono über einzelne in der Ausbildungsumgebung verteilte Boxen ausgespielt wird. Die Richtungsbestimmung der eingespielten Geräuschquelle – die ja nicht unbedingt dem Standort des Lautsprechers entsprechen muss – wird dadurch extrem erschwert oder ist gänzlich unmöglich. Mit zunehmender Entfernung zur Box nimmt auch die Fähigkeit ab, spezifische Geräuschdetails wahrzunehmen. Der Rückgriff auf Stereosound leistet zwar Abhilfe bei der Wahrnehmung von Details, da unterschiedliche Geräuschquellen auf unterschiedlichen Kanälen ausgespielt werden können, die Richtungsbestimmung der Geräuschquellen ist damit aber trotzdem nicht möglich.

Mit der querschnittlichen Ausrüstung der Truppe mit Aktivgehörschutzsystemen, die über eine Geräusch-Richtungsbestimmungsfunktion verfügen, besteht mindestens theoretisch erstmals die Möglichkeit, Akustik in der vollen Breite der Ausbildung mit einem Mehrwert für die Truppe einzusetzen. Woran es jetzt noch mangelt, ist die Möglichkeit, Geräusche so auszuspielen, dass die Truppe diese auch realistisch wahrnehmen und interpretieren kann. Genau hier kommt das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT aus Ilmenau ins Spiel.

Das Institut hat nach eigenen Angaben eine Technologie entwickelt, welche einfach gesagt eine aus dem Kino bekannte dreidimensionale Surround-Sound-Erfahrung auf eine von den Streitkräften genutzte Ausbildungsinfrastruktur projizieren kann. „Ziel der Technologie ist es, akustische Informationen nicht nur hörbar, sondern so erfahrbar zu machen, dass sie an natürliche Wahrnehmungsmechanismen des Menschen anschließen“, so eine Aussage des Fraunhofer IDMT gegenüber hartpunkt. Das Resultat der Technologienutzung ist nicht „mehr Sound“, sondern eine Wiedergabe der Geräusche in der Art und Weise, dass sie „als reale Schallereignisse wahrgenommen werden – räumlich korrekt, intuitiv einordenbar und anschlussfähig an natürliche Hörreflexe“.

Das Fraunhofer IDMT sieht in der Technologie Potenzial für die Schulung des Situationsbewusstseins von Soldaten. Damit ließe sich dem Institut zufolge ein Scharfschützenbeschuss so realistisch darstellen, dass das Gehör die Unterscheidung zwischen dem Überschallknall des Projektils und dem Mündungsknall präzise unterscheiden und so die Schussrichtung exakt bestimmen kann. Auch bei der Generierung einer realitätsnahen Atmosphäre in einem Schießkino könnte die Technologie zum Einsatz kommen.

In einem größeren Szenario gedacht, könnten auch größere Übungseinrichtungen so vorbereitet werden, dass Ausbildungsleitende per Knopfdruck auf der digitalen Karte gewünschte Soundeffekte an den gewünschten Stellen abrufen, die mittels der Technologie punktgenau und für die Übtruppe räumlich korrekt wahrnehmbar ausgespielt werden. Das in die Tiefe verlegende Artilleriefeuer könnte dann audiorealistisch dargestellt werden. Auch ein durch den Übraum fahrender Panzer würde dann von der Truppe abhängig von der eigenen Position räumlich korrekt wahrgenommen werden.

Waldemar Geiger