Bundeswehr bereitet Beschaffung von Minenwerfersystemen vor

Waldemar Geiger

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Die Bundeswehr plant offenbar noch in der ersten Jahreshälfte, ein Minenwerfersystem zu beschaffen, mit dem Flächen gesperrt werden können, wie es aus parlamentarischen Kreisen heißt. Bei den Systemen selbst dürfte es sich um das Minenwerfersystem Skorpion² des deutschen Panzerabwehrspezialisten Dynamit Nobel Defence (DND) handeln, welches auch von den dänischen sowie lettischen Streitkräften beschafft wird. Das Unternehmen wollte sich zu dem Sachverhalt auf Anfrage von hartpunkt nicht äußern.

Zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt ist hingegen, welche Plattform als Träger für das zukünftige Skorpion-Minenwerfersystem der Bundeswehr zum Einsatz kommen wird. Das System an sich ist auf einem standardisierten 10-Fuß-Containerrahmen montiert, so dass es theoretisch auf jede Ketten- oder Radplattform mit entsprechender Ladefläche und Traglast integriert werden kann.

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Gut informierten Kreisen zufolge, plant die Bundeswehr offenbar die Nutzung des Minenwerfers auf einer Kettenplattform. Dem Vernehmen nach vertreten die deutschen Streitkräfte den Standpunkt, dass ein solches System auch zum Sperren von Flächen geeignet sein muss, die mit Radfahrzeugen nicht befahrbar sind. Auch wenn die Radmobilität in den vergangenen Jahrzehnten signifikante Steigerungen erlebt hat, verfügen Kettenplattformen noch immer über eine überlegende Mobilität im schwierigen Gelände.

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Wie es heißt, gehen die Überlegungen unter anderem dahin, das System auf einer BVS 10-Plattform zu nutzen, die derzeit im Rahmen des Vorhabens „Collaborative All-Terrain Vehicle“ in die Bundeswehr eingeführt wird. Diese überschneefähige Plattform verfügt über eine überragende Mobilität, selbst im schwierigsten Gelände. Gleichwohl gibt es auch mehrere Wehrmutstropfen. So wurde die Plattform nicht mit vor dem Hintergrund des Einsatzes in den gepanzerten Truppen entwickelt und dürfte daher Herausforderungen im Bereich der Kolonnenfähigkeit im Verbund mit gepanzerten Formationen aufweisen. Zudem soll das Fahrzeug aufgrund der schmalen Spurbreite die in die Bundeswehr eingeführten Panzerschnellbrückensysteme – bspw. Leguan – nicht ohne Vorbereitung der Brücke (Einsatz von Zwisxhüberqueren können. Die Vorteile bei der Abstützung auf die BVS 10-Plattform lägen hingen darin, dass keine neue Ketten-Plattform für die Einführung des Systems benötigt würde.

Sollte der Schwerpunkt hingen auf die taktischen Forderungen gelegt werden, wären theoretisch auch anderen Kettenplattformen denkbar, wobei das Interesse hier sicherlich auf deutschen Fabrikaten liegen dürfte. In einem solchen Fall würde sowohl die Mehrzweckkettenplattform ACSV G5 (Armoured Combat Support Vehicle) des norddeutschen Panzerbauers Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) in Frage kommen, wie auch die „BOXER TRACKED“-Plattform von KNDS Deutschland.

Beide Systeme könnten neben dem deutlich höheren Schutzniveau für die Besatzung mit weiteren spezifischen Vorzügen punkten. Die ACSV-Plattform gilt als vergleichsweise günstig. Zudem ist das System bereits bei NATO-Streitkräften eingeführt und die Serienproduktion angelaufen. Die Vorteile des BOXER TRACKED lägen hingegen in der Kommunalität mit der bestehenden Boxer-Flotte der Bundeswehr. Ein etwaiges Minenwerfer-Missionsmodul wäre im Bedarfsfall somit ketten- wie radbeweglich verfügbar. Vermutlich wären beide Plattformen in der Lage, mehr als nur vier Wurfkanister aufzunehmen, um so größere Flächen ohne den Bedarf einer Aufmunitionierung sperren zu können.

Minenwerfersystem Skorpion²

Das Minenwerfersystem Skorpion² wurde von DND erstmals auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2024 in Paris gezeigt. Bei dem Skorpion² handelt es sich um ein modulares, fahrzeugunabhängiges System, welches eine schnelle, einfache und sichere Integration auf unterschiedliche Fahrzeuge – Rad, Kette oder unbemannte Systeme – ermöglichen soll. Neben der Integration auf einer selbstangetriebenen Plattform kann das Panzerabwehrwurfminensystem Skorpion² auch auf einer Anhängerlösung realisiert werden.

Das Verlegesystem basiert auf Wurfkanistern, die direkt auf der Mobilitätsplattform montiert oder auf einer modularen Containerplattform über eine ISO668 Twist-Lock-Schnittstelle installiert werden.

Die Wurfeinheiten, die bis zu fünf Magazine mit der AT2+ aufnehmen können, bilden die Schlüsselkomponente des Skorpion². Eine 10-Fuß-Containerplattform kann vier Wurfeinheiten aufnehmen. Die aus vier Startröhren mit je fünf AT2+-Minen bestehenden Magazine dienen als Einweg-Start-, Transport- und Lagerbehälter für insgesamt 20 AT2+ Panzerabwehrwurfminen. Das Gewicht einer mit fünf Magazinen voll bestückten Wurfeinheit wird seitens DND mit 400 kg angegeben. Möglich sei auch eine Realisierung auf einer 15- oder 20-Fuß-Containerplattform.

Das modulare Minenverlegesystem Skorpion² ermöglicht DND zufolge ein situationsgerechtes, schnelles Auslegen von Minensperren innerhalb von wenigen Minuten. Nach Einstellung der Form und Dichte der Sperre platziert das Skorpion²-System die Wurfminen vollautomatisch. Eine Sperrbreite von 2.000 Metern kann mit dem System in weniger als 10 Minuten angelegt werden.

Da Skorpion² über ein Command & Control-Gerät verfügt, können alle relevanten Sperrinformation mittels einer Schnittstelle in das jeweilige Battle Management System transferiert werden, um ein lückenloses Reporting zu gewährleisten.

Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+

Bei der Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+ (NG AT2+) handelt es sich nach Angaben von DND um eine Überarbeitung der bewährten Panzerabwehrwurfmine AT2, welche ebenfalls von DND hergestellt wurde. Die NG AT2+ ist eine programmierbare, streuungsfähige Panzerabwehrmunition mit digitalisierter Steuerung und einem Multisensorsystem, welches unter der gesamten Breite eines Kampfpanzers wirkt.

Die Gefechtskopfleistung wird seitens DND mit einer Penetrationsleistung von > 140 mm RHA angegeben. Zudem soll die robuste Mine gegen verschiedene Arten von Räumungssystemen gehärtet sein. Sechs an der AT2+ angebrachte Stützfüße sorgen dafür, dass sich die Mine nach dem Verschuss automatisch in die Einsatzposition bringt.

Den Aussagen des Herstellers zufolge kann die Wurfmine NG AT2+ auf unterschiedliche Art und Weise verlegt werden. Dazu zählt eine Verbringung mit dem neuen modularen Minenverlegesystem Skorpion², dem handgehaltenen Minenwurfgerät Bobcat, im Rahmen von Minenausstoßraketen – mit zwei bis fünf AT2+ pro Rakete – sowie mittels in Hubschraubern integrierten Minenwurfsystemen.

Waldemar Geiger