DEUTZ entwickelt neuen 800kW-Motor für Panzerfahrzeuge

Lars Hoffmann

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Der Kölner Motoren- und Antriebsspezialist DEUTZ will in Zukunft sein Militärgeschäft deutlich ausbauen. So hat das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Hersteller von elektrischen Drohnenantrieben, die Sobek Gruppe, übernommen und ist eine Partnerschaft mit ARX Robotics eingegangen, ein auf unbemannte Bodenfahrzeuge fokussiertes Start-up. Aber auch im klassischen Geschäft mit Motoren will Deutz expandieren.

Es sei das Ziel, gemeinsam mit einem weltweit führenden Getriebehersteller ein auf einem V8-Motor basierendes 800-Kilowatt-Powerpack, also eine Getriebe-Motor-Kombination, auf der diesjährigen Branchenmesse Eurosatory in Paris vorzustellen, sagt Marco Herre, CEO der DEUTZ Defense Systems GmbH, im Gespräch mit hartpunkt.

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Mit einem solchen Powerpack könne man radgetriebene 8×8-Fahrzeuge oder Kettenfahrzeuge sehr gut motorisieren. Die Investition erfolge aus eigenen Mitteln. „Mit dieser Entwicklung reagieren wir auf Entwicklungen und Nachfragen aus dem Markt. Daher gehen wir hier auch in Vorleistung“, so Herre.

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Bisher umfasst das Portfolio von DEUTZ robuste Verbrennungsmotoren bis zu einer Leistungsklasse von 600 Kilowatt, die sich für Rad- und leicht gepanzerte Kettenfahrzeuge eignen. Gegenwärtig dominiert das zivile Geschäft. Die Hauptabnehmer von DEUTZ-Motoren kommen aus den Segmenten Bau- und Landwirtschaft im sogenannten Off-Highway-Bereich. Die bekannten Anforderungen an Robustheit und Leistungsstärke in diesen Felder würden auch im Militär sehr geschätzt, so Herre.

„Die DEUTZ-Antriebssysteme eignen sich darüber hinaus hervorragend zur Modernisierung und Nachrüstung bestehender Plattformen, dem sogenannten Repowering“, erläutert Herre. So treiben DEUTZ-Motoren seinen Worten zufolge in der Ukraine eingesetzte Radpanzer und Truppentransporter an. Dabei werden die Antriebe sowohl für neue Fahrzeuge als auch für die Re-Motorisierung von Altfahrzeugen genutzt, wie sie die Warschauer-Pakt-Staaten verwendeten. Gegenwärtig werden nach Angaben des Kölner Unternehmens bis zu 1.000 Motoren pro Jahr in die Ukraine geliefert. Sollte sich herausstellen, dass DEUTZ ein möglicher Kandidat für eine Motorisierung oder Re-Motorisierung von Kampfpanzern sei, „würden wir natürlich in die Entwicklung gehen“.

DEUTZ betreibt große Produktionswerke in Köln und Ulm, die eine flexible, industrielle Skalierung ermöglichen. Mit einer Jahresproduktion von weit mehr als 100.000 Motoren kann das an der Börse gelistete Unternehmen bereits heute sowohl Antriebstechnologie für militärische Plattformen als auch Aggregate für die dezentrale Energieversorgung in großen Stückzahlen bereitstellen.

Herre beschreibt die DEUTZ Defense Systems GmbH als im Aufwuchs begriffene Vertriebsorganisationen des Konzerns für militärische Kunden, die sich darüber hinaus auch um Themen wie Exportkontrolle sowie Geschäftsentwicklung kümmere. „In einem Zeitraum von fünf Jahren strebt DEUTZ einen Umsatz von vier Milliarden Euro an, wovon etwa zehn Prozent auf das Militär entfallen sollen.“ Gegenwärtig liegt der Umsatz von DEUTZ bei etwa zwei Milliarden Euro. Das Unternehmen unterstützt nach eigenen Angaben rund 60 Streitkräfte weltweit, wobei 14 aus NATO-Staaten kommen.

Für künftige Missionen setzt DEUTZ auch auf Hybrid- und Elektroantriebe. So hat das Unternehmen im vergangenen Jahr den niederländischen Spezialisten für batterieelektrische Antriebe im Off-Highway-Bereich Urban Mobility Systems erworben. „UMS ist über das niederländische Militär dabei, bestehende Flotten nicht mit Verbrennungstechnologie, sondern mit elektrischen Antrieben zu motorisieren. Der Fennek ist als batterieelektrisches Fahrzeug vorgesehen und der Bushmaster wird ein hybrides Antriebssystem erhalten“, sagt Herre. Er geht davon aus, dass vor der Umrüstung der niederländischen Fahrzeug-Flotte zunächst ein Technologieträger aufgesetzt wird. Dieser werde dann bis zur Feststellung der Nutzbarkeit erprobt, bevor der Auftrag zur Serienauslieferung erfolgt.

Lieferant für Drohnenantriebe

Neben den Antrieben für bemannte Fahrzeuge fokussiert sich DEUTZ auch auf unbemannte Fahrzeuge. „Wir haben im letzten Jahr sehr schnell festgestellt, dass sich der Markt im Defense-Bereich separiert“, erläutert Herre. Da seien einerseits die „Primes“ wie KNDS, Rheinmetall oder GDELS, die große Plattformen bauen.

Unter anderem getrieben durch den Ukrainekonflikt habe jedoch die Bedeutung von unbemannten Systemen deutlich zugenommen, mit den fliegenden Drohnen als dominantes Beispiel. Dies sei das Betätigungsfeld der sogenannten Neoprimes oder Defence-Tech-Unternehmen, die sich gegenwärtig stark positionieren. Der DEUTZ-Manager sieht hier Player wie Helsing, Quantum Systems, STARK oder TYTAN Technologies in Deutschland in einer guten Position. Darüber hinaus gebe es in Europa noch andere Marktteilnehmer wie Destinus oder Tekever aus Portugal. „Diese Unternehmen genießen auch sehr hohe Aufmerksamkeit im Bereich Venture Capital. Und wir haben uns sehr schnell dazu entschlossen, in diesem Segment, das wir perspektivisch als ein strategisches Segment für unsere Verteidigung sehen, zu positionieren.“ Dabei stellte sich laut Herre für DEUTZ die Frage, wie sich das Unternehmen aufgrund der eigenen DNA positionieren sollte.

„Und das ist natürlich der Antrieb. Wir treiben mit unseren Motoren Traktoren, Panzerfahrzeuge, radgetriebene Fahrzeuge an, warum nicht auch Drohnen in der Luft?“ Hier sei Sobek als ein Marktteilnehmer aufgefallen, der bereits Unternehmen aus dem Bereich militärischer Drohnen beliefert. „Wir haben uns entschlossen, in den Markt einzusteigen, weil wir das Wachstumspotenzial sehen.“

Der DEUTZ-Manager geht davon aus, dass aufgrund der wachsenden Bedeutung von Technologie-Souveränität die Supply Chain, wenn es zu Beauftragungen im Drohnenbereich kommt, sehr stark europäisch, wenn nicht sogar national deutsch ausgerichtet sein muss. „Da ist Sobek ein guter Spieler, der auch das Potenzial hat, hier mit den Neoprimes zu wachsen und auch in der Skalierung zu unterstützen.“

Nach Aussage von Herre geht es gegenwärtig bei Sobek um elektrisch angetriebene Drohnen mit Propellerantrieb. Sollte von Kundenseite die Forderung nach neuen Antriebsarten an DEUTZ herangetragen werden, werde man sich auch diesem Wunsch grundsätzlich nicht verschließen.

Investor und Werkbank für unbemannte Landsysteme

Neben fliegenden Drohnen schaut DEUTZ auch auf unbemannte Landsysteme. Hier kommt ARX Robotics ins Spiel. „Wir haben uns in der letzten Finanzierungsrunde als sogenannter Lead Investor an ARX Robotics mit einer gewissen Summe beteiligt. Auch um zu zeigen, dass wir uns hier im Bereich dieser Defence-Tech-Unternehmen als Spieler oder als Partner etablieren wollen.“

Das Ziel sei es, auf der Ebene mit ARX eine Unterstützung im Thema Skalierung zu bieten. „Das heißt, wenn ARX eine große Beschaffungsanfrage bekommt, sei es aus der Ukraine oder Deutschland, dann helfen wir, dieses Thema produktionsseitig abzuwickeln.“

Dafür soll am Standort Ulm die Produktion entsprechend umgebaut werden, um Bodensysteme des Typs Gereon dort in größeren Stückzahlen auch industriell fertigen zu können. Dabei müsse auch die Supply Chain sichergestellt werden, damit eine große Stückzahl auch in entsprechender Qualität und entsprechenden Kosten produziert werden könne.

Da der Gereon ein batterieelektrisches System sei, gehe es nicht um die Zulieferung des Antriebs, sondern um die Skalierung der Produktion. „Wir stellen sicher, dass vom Antrieb bis zu den Komponenten die benötigte Stückzahl hergestellt wird.“

Energieerzeugung

Ein weiteres Wachstumsfeld sieht DEUTZ bei der stationären Energieerzeugung und -speicherung, etwa für Gefechtsstände. Dazu bietet das Unternehmen leistungsfähige Stromaggregate, sogenannte GenSets, sowie modulare Batteriespeicher an, um eine autarke und unterbrechungsfreie Stromversorgung sicherzustellen. Die GenSets kombinieren dem Unternehmen zufolge hocheffiziente Verbrennungsmotoren mit leistungsstarken Generatoren. Damit sichern sie die Einsatzbereitschaft selbst in abgelegenen Gebieten, etwa für Feldlager und -lazarette, mobile Führungszentralen oder Luftverteidigungssysteme.

Nach Aussage von Herre werden DEUTZ-Motoren an das Unternehmen VINCORION zur Integration in die Stromversorgung der Patriot-Luftverteidigungssysteme geliefert. Dabei gehe es um Motoren für die Startgeräte sowie für die allgemeine Stromversorgung des Patriot-Systems.

Um sich in dem Segment zu positionieren, hat DEUTZ im vergangenen Jahr die Firma FRERK übernommen, einen Systemintegrator für Stromerzeugung und Notstromanlagen. „Über diese Akquisition bauen wir unsere Kompetenz weiter aus, um unser Portfolio strategisch zu ergänzen“, sagt Herre.

Lars Hoffmann