Der französische Rüstungskonzern Thales wurde im Rahmen der jüngsten spanischen Bestellung von 31 NH90-Hubschraubern mit der Entwicklung fortschrittlicher Funktionen und Fähigkeiten für das TopOwl Digital Display (DD-Helm) beauftragt. Der Auftrag erfolgte nach Angaben des Unternehmens durch die NATO Helicopter Management Agency (NAHEMA).
Der TopOwl DD-Helm ist eine Weiterentwicklung des kampferprobten TopOwl-Modells, wie Thales-Vertreter im Zuge eines am gestrigen Abend durchgeführten Fachmedienbriefings erklärten. Der DD-Helm wird Florent Chauvancy, dem für Flugavioniksysteme zuständigem Vizepräsidenten bei Thales, zufolge derzeit im Zuge des Tiger Mark III-Vorhabens entwickelt und soll auch bei den in Entwicklung befindlichen Mehrzweckhubschraubern des Typs H160M oder Guépard für die französischen Streitkräfte zum Einsatz kommen. Zudem wird der TopOwl DD-Helm neben den 31 neuen spanischen NH90 auch durch die Piloten der Spezialkräfte-Variante der NH90 getragen werden. Die französischen Streitkräfte haben 18 Maschinen dieses Typs beschafft, der auf der TTH-Version der NH90 basiert.
Die wesentliche Kampfwertsteigerung des helmmontierten Sicht- und Anzeigesystem erfolgt mittels einer signifikant verbesserten Nachtsichtfähigkeit – die durch leistungsfähigere Restlichtverstärkerröhren erreicht wird – sowie der Implementierung eines Bild-im-Bild-Modus in das Helmdisplay der Piloten. Diese Funktionalität wird es den Piloten einer Maschine beispielsweise ermöglichen, sich gegenseitig den eigenen Sichtbereich zu teilen. Der Co-Pilot kann so beispielsweise sehen, wohin der Pilot gerade seine Aufmerksamkeit richtet und genauso umgekehrt, wie Philippe de Bellaing, ehemaliger Pilot und bei Thales Key Account Manager für das französische Verteidigungsministerium im Bereich Hubschrauber, beim Mediabriefing erläuterte.
Eine weitere wesentliche Neuerung betrifft die Nutzung des von Safran entwickelten Eurofl’Eye, welches bei den spanischen NH90 ebenfalls zum Einsatz kommen wird. Beim Eurofl’Eye handelt es sich im Gegensatz zu klassischen FLIR-Optroniken um ein sogenanntes Distributed Aperture System (DAS). Dabei kommen mehrere Kameras zum Einsatz, die durch die Piloten unabhängig voneinander genutzt und mittels der Bild-im-Bild-Funktion in das Sichtfeld eingespielt werden können. Während üblicherweise beide Piloten durch die Optronik das gleiche Thermalbild zur Verfügung gestellt bekommen, wird es mit Eurofl’Eye in Kombination mit dem TopOwl DD-Helm möglich sein, dass der Pilot mit dem System den Flugweg vor dem Hubschrauber beobachtet, während der Co-Pilot eine gänzlich andere Richtung überwacht.
Die NH90-Piloten werden damit Thales zufolge über ein besseres Situationsbewusstsein und eine bessere Sicht verfügen, was die Missionssicherheit erheblich verbessert, insbesondere bei Einsätzen in sehr geringer Höhe oder bei schlechter Sicht.
Die Thales-Manager sehen das helmmontierte Sicht- und Anzeigesystem zudem als äußerst zukunftsfähig an. So wäre es zukünftig beispielsweise vorstellbar, externe Videofeeds – beispielsweise den Feed einer Drohne oder eines Air-Lanched-Effects – mittels der Bild-in-Bild-Funktionalität in den Sichtbereich der Piloten einzuspielen, um so beispielsweise zusätzliche missionskritische Daten zu bekommen. Auch die Integration von Augmented Reality-Daten ist dem Briefing zufolge zukünftig denkbar.
Waldemar Geiger
















