Skorpion² auf ACSV – DND und FFG zeigen Minenwurfpanzer

Waldemar Geiger

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Der norddeutsche Panzerbauer Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) und der Siegerländer Panzerabwehrhandwaffenhersteller Dynamit Nobel Defence (DND) zeigen im Zuge des diesjährigen Industrietages des Military Engineering Centre of Excellence (MILENG COE) in Ingolstadt erstmals den Minenwurfpanzer Skorpion² auf der ACSV-Plattform.

Bei dem Waffensystem wurde das von DND entwickelte Minenwerfersystem Skorpion² über eine 10-Fuß-Containerplattform mit vier Wurfeinheiten auf der Mehrzweckkettenplattform ACSV G5 (Armoured Combat Support Vehicle) von FFG integriert. Hintergrund der Nutzung einer Kettenplattform ist die Fähigkeit zum schnellen Sperren von großen Flächen, die aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit für Radfahrzeuge nicht zugänglich sind.

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Minenwerfersystem Skorpion²

Das Minenwerfersystem Skorpion² wurde von DND erstmals auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2024 in Paris gezeigt. Pilotkunde für das Waffensystem ist Estland. Das baltische Land hat das Minenwerfersystem erst vor wenigen Wochen auf einer Lkw-Plattform beschafft, hartpunkt berichtete.

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Beim Skorpion² handelt es sich um ein modulares, fahrzeugunabhängiges System, welches eine schnelle, einfache und sichere Integration auf unterschiedliche Fahrzeuge – Rad, Kette oder unbemannte Systeme – ermöglichen soll. Neben der Integration auf einer selbstangetriebenen Plattform kann das Panzerabwehrwurfminensystem auch auf einer Anhängerlösung realisiert werden.

Das Verlegesystem basiert auf Wurfkanistern, die direkt auf der Mobilitätsplattform montiert oder auf einer modularen Containerplattform über eine ISO668 Twist-Lock-Schnittstelle installiert werden.

Die Wurfeinheiten, die bis zu fünf Magazine mit der AT2+ aufnehmen können, bilden die Schlüsselkomponente des Skorpion². Eine 10-Fuß-Containerplattform kann vier Wurfeinheiten aufnehmen. Die aus vier Startröhren mit je fünf AT2+-Minen bestehenden Magazine dienen als Einweg-Start-, Transport- und Lagerbehälter für insgesamt 20 Panzerabwehrwurfminen AT2+. Das Gewicht einer mit fünf Magazinen voll bestückten Wurfeinheit wird seitens DND mit 400 kg angegeben. Möglich sei auch eine Realisierung auf einer 15- oder 20-Fuß-Containerplattform.

Das modulare Minenverlegesystem ermöglicht DND zufolge ein situationsgerechtes, schnelles Auslegen von Minensperren innerhalb von wenigen Minuten. Nach Einstellung der Form und Dichte der Sperre platziert das Skorpion²-System die Wurfminen vollautomatisch. Eine Sperrbreite von 2.000 Metern kann mit dem System in weniger als 10 Minuten angelegt werden.

Da Skorpion² über ein Command & Control-Gerät verfügt, können alle relevanten Sperrinformation mittels einer Schnittstelle in das jeweilige Battle Management System transferiert werden, um ein lückenloses Reporting zu gewährleisten.

Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+

Bei der Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+ (NG AT2+) handelt es sich nach Angaben von DND um eine Überarbeitung der bewährten Panzerabwehrwurfmine AT2, welche ebenfalls von DND hergestellt wurde. Die NG AT2+ ist eine programmierbare, streuungsfähige Panzerabwehrmunition mit digitalisierter Steuerung und einem Multisensorsystem, welches unter der gesamten Breite eines Kampfpanzers wirkt.

Die Gefechtskopfleistung wird seitens DND mit einer Penetrationsleistung von > 140 mm RHA angegeben. Zudem soll die robuste Mine gegen verschiedene Arten von Räumungssystemen gehärtet sein. Sechs an der AT2+ angebrachte Stützfüße sorgen dafür, dass sich die Mine nach dem Verschuss automatisch in die Einsatzposition bringt.

Den Aussagen des Herstellers zufolge kann die Wurfmine NG AT2+ auf unterschiedliche Art und Weise verlegt werden. Dazu zählt eine Verbringung mit dem Minenverlegesystem Skorpion², dem handgehaltenen Minenwurfgerät Bobcat, im Rahmen von Minenausstoßraketen – mit zwei bis fünf AT2+ pro Rakete – sowie mittels in Hubschraubern integrierten Minenwurfsystemen.

ACSV G5

Bei dem ACSV G5 handelt es sich um ein gepanzertes Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeug mit einem Höchstgewicht von 26 Tonnen, einschließlich einer Nutzlast von 8 Tonnen. FFG hat eigenen Angaben zufolge bereits bei der Entwicklung der Plattform die zukünftige Nutzung unterschiedlicher Rüstsätze berücksichtigt. Dazu ist das Heck des Fahrzeugs mit einem „Ladebett“ für verschiedene austauschbare Missionsmodule ausgestattet, das auch mit Standard-ISO-Containern von 10 Fuß Länge kompatibel ist.

Als Antrieb dient ein 6-Zylinder MTU-Motor mit 460 kW, dabei handelt es sich um ein ähnliches System wie beim Boxer, nur mit 6 anstatt mit 8 Zylindern. Darüber hinaus ist der G5 mit einer einteiligen Gummiband-Verbundkette von Soucy ausgestattet, die für einen vergleichsweise vibrationsarmen und leisen Vortrieb des Kettenfahrzeuges sorgt.

Die norwegischen Streitkräfte sind Pilotkunde des ACSV und haben knapp 50 der Fahrzeuge in unterschiedlichen Varianten – Materialtransport, Flugabwehr, Pionier-Variante mit Kran, Radarfahrzeug und Bergefahrzeug – bestellt. Zudem werden auch Flugabwehrsysteme der niederländischen Streitkräfte auf Basis des ACSV realisiert. Der niederländische Bedarf liegt derzeit bei 40 Systemen, 22 davon für den Flugabwehrkanonenpanzer und 18 für den Flugabwehrraketenpanzer. Dem Vernehmen nach sind aber auch weitere NATO-Nationen an der Einführung des von FFG entwickelten Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeuges interessiert.

Waldemar Geiger