Die dynamische Entwicklung im Indo-Pazifik hat auch für Deutschland und Europa große Auswirkungen in der globalisierten Welt. In der hartpunkt-Kolumne „Brennpunkt Indopazifik“ werden regelmäßig die wichtigsten Ereignisse am anderen Ende der Welt beleuchtet.
Australien
Die australische Regierung hat am 10. September ihre Absicht angekündigt, einen Vertrag im Wert von AU$ 1,7 Milliarden (etwa 963 Millionen Euro) mit Anduril über die Beschaffung der „Ghost Shark“-Unterwasserdrohne abzuschließen. Die Kooperation mit Anduril startete in 2022 und resultierte bisher in der Entwicklung von drei Prototypen, die seit 2024 wiederholte Erprobungen mit der Australischen Marine und Demonstrationen für die U.S. Navy in Hawaii absolviert haben.
Der nun angekündigte Schritt sieht die Ghost-Shark-Vorserienproduktion noch in diesem Jahr und eine Volumenproduktion ab 2026 vor. Genauere Zahlen zur erwünschten Flottengröße nennt Canberra bisher nicht. Verteidigungsminister Marles betont, dass Ghost Shark für ein Spektrum von Rollen, einschließlich Aufklärung, nachrichtendienstlicher Überwachung und Waffeneinsatz mittels verschiedener Einsatzmodule konzipiert ist.
Details speziell zu der Art der Waffensysteme sind ebenfalls bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Anduril hat jüngst seine Copperhead-Familie von Unterwasserdrohnen- und Munitionen vorgestellt, die in der Größe annähernd bekannten Leicht- und Schwergewichtstorpedos ähneln. Auch die Verbringung von Minen ist eine denkbare Rolle.
China
Der neue chinesische Flugzeugträger „Fujian“ hat ebenfalls am 10 September seine Bauwerft in Schanghai mit Kurs auf die Taiwanstraße verlassen. Begleitet von zwei Zerstörern der chinesischen Marine durchquerte der erste chinesische Katapult-bestückte „Superträger“ von Donnerstag zu Freitag die Meerenge zwischen China und Taiwan, zum ersten Mal für das Schiff. Der Träger erreichte am Samstag das Südchinesische Meer.
Die Fujian hat seit Mai 2024 neun Seeerprobungen im Gelben Meer und der Bohai-See durchgeführt. Spekulationen und indikative Bemerkungen von offiziellen chinesischen Quellen einschließlich der Chinesischen Volksmarine lassen darauf schließen, dass die Fujian dieses Mal nicht nur Erprobungen durchführt, sondern anschließend auch in der Marinebasis Sanya auf der Insel Hainan offiziell in Dienst genommen wird.
Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Träger erfolgreich alle Seeerprobungen abgeschlossen hat und nun einsatzbereit ist. Vor wenigen Monaten hat dieFujian scheinbar zum ersten Mal Katapultstarts und Landungen mit eingeschifften Trägerflugzeugen durchgeführt. Offizielle Bilder oder Stellungnahmen dazu gibt es bisher nicht. Weitere Erprobungen sind notwendig, um das komplexe neue Waffensystem und mehrere neue Bordflugzeuge, darunter die KJ-600 für die luftgestützte Frühwarnung, zu erproben und die Besatzung auszubilden. Diese Aspekte werden, ähnlich wie zuvor auch bei den STOBAR-Trägern „Liaoning“und „Shandong“, noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Großbritannien – USA
Ebenfalls in der Taiwanstraße präsent waren am 12. September die britische Fregatte „HMS Richmond“ und der amerikanische Lenkwaffenzerstörer „USS Higgins“. Die HMS Richmond ist Teil der Trägerkampfgruppe um die „HMS Prince of Wales“, die seit Juni im Indo-Pazifischen Raum im Rahmen des CSG25-Einsatzes unterwegs ist. HMS Prince of Wales selbst nahm am Transit bezeichnenderweise nicht teil. Die britische Regierung charakterisierte die Passage von HMS Richmond als Routine-Vorgang im Rahmen der Rückkehr des Flugzeugträger-Verbandes aus Japan.
Die chinesische Regierung meldete sich erwartungsgemäß äußerst kritisch zu Wort und beschuldigte die USA und Großbritannien des „Ärger zu machen und Provokationen“ durchzuführen. Chinesische Luft- und Marineeinheiten verfolgten die Kriegsschiffe in etabliertem Verhalten und ohne weitere Zwischenfälle. Die über hundert Kilometer breite Taiwanstraße beinhaltet einen breiten Streifen, der im Rahmen von internationalen Abkommen, speziell UNCLOS, als Hochsee, und damit nicht als nationale Gewässer kategorisiert wird. Die Deutsche Marine hatte die Wasserstraße zuletzt im September 2024 mit der Fregatte „Baden-Württemberg“und dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ durchquert, ebenfalls unter Kritik aus Beijing.
Indien
Das indische Verteidigungsministerium erwägt, einer Forderung der indischen Luftwaffe folgend, eine Beschaffung von 114 Rafale-Mehrrollenkampfflugzeugen im Wert von mindestens zwanzig Milliarden Euro. Die „Times of India“ berichtete über das Vorhaben am 13. September. Ein zentrales Element der Beschaffung würde die erhebliche Beteiligung der indischen Luftfahrtindustrie im Rahmen der „Made in India“-Strategie darstellen. Beobachter sprechen von einem Wertschöpfungsanteil von mindestens 60 Prozent.
Indien betreibt bisher Rafale-Kampfflugzeuge in Geschwader-Größe von 36 Flugzeugen für die Luftwaffe und hat jüngst einen Vertrag zur Beschaffung einer identischen Zahl von Rafale-Trägerkampfflugzeugen für den Betrieb vom indischen Träger „Vikrant“ abgeschlossen.
Die neuen Absichten sind auch im Kontext der jüngsten Auseinandersetzungen mit Pakistan, speziell der „Operation Sindoor“ im Mai dieses Jahres zu sehen. Indische Rafale zusammen mit weiteren Typen lieferten sich einen mehrstündigen Austausch mit der Pakistanischen Luftwaffe, wobei mindestens eine Rafale verlorenging. Indien hat zu eigenen Verlusten und dem Abschuss pakistanischer Einheiten keine genaueren Angaben gemacht und lediglich erklärt, im Rahmen des erfolgreichen Abfangens gegnerischer Einheiten sei es auch zu eigenen Verlusten gekommen.
Indische Beschaffungen mit hohem lokalen Anteil nehmen gewohnheitsmäßig viele Jahre in Anspruch, bis eine Entscheidung getroffen wird. Ob sich dies durch die jüngsten Feindseligkeiten mit Islamabad nun ändert, bleibt abzuwarten.
Alexander Luck
















