D-LBO: BMVg setzt auf Mischbetrieb mit digitalen Handfunkgeräten als Zwischenlösung

Lars Hoffmann

Anzeige

Beim Rüstungsprojekt „Digitalisierung landbasierter Operationen“ (D-LBO) werden laut dem Verteidigungsministerium in allen drei großen Handlungssträngen Fortschritte erzielt. Das komplexe Gesamtsystem entwickele sich weiter und entfalte schrittweise seine Leistungsfähigkeit, schreibt das Ministerium in einer Mitteilung. Um kurzfristig Lücken bei der Ausstattung mit Fahrzeugfunkgeräten auszugleichen, sollen als Brückenlösung digitale Handfunkgeräte zum Einsatz kommen.

„Die Anpassungen seit Dezember letzten Jahres zeigen Wirkung, weiterhin sind aber Optimierungen auch im Zusammenspiel der Komponenten notwendig“, so das BMVg. Da bei der Integration in die Fahrzeuge Verzögerungen gegenüber dem Einrüst-Fahrplan aufzuholen seien, wurden Lösungen für einen digitalen und verschlüsselten Mischbetrieb gefunden, bis alle Fahrzeuge mit D-LBO-Technik ausgerüstet sind. Industrieseitig werde weiterhin die zeitgerechte Ausstattung der Division 2025 bis Ende 2027 zugesagt.

Anzeige

Erfolgreiche Systemtests in Munster

„Die letzten Testreihen in Munster zeigen zufriedenstellende Entwicklungen von D-LBO basic zu einem funktionsfähigen Gesamtsystem aus Führungsfunkgerät, Tactical Core und Battle Management System. Die Kriterien des Heeres wurden in den Tests größtenteils erfüllt. Das eigene Lagebild wird zuverlässig dargestellt, die Sprachqualität ist gut, abbruchfrei und störsicher. Auch bei der Reichweite gibt es Fortschritte“, heißt es in der Mitteilung.

Trotzdem seien weitere Optimierungen im Zusammenspiel aller Komponenten zu bewerkstelligen, wobei die Industrie gemeinsam mit Truppe, Beschaffungsamt und BMVg eng koordiniert vorgehen will. Im Verlauf des Jahes sollen laut Ministerium weitere Erprobungen und Evaluierungen stattfinden.

Anzeige

„Über Musterintegrationen gewinnen wir jeweils pro Fahrzeugtyp die Blaupause für die Serieneinrüstung der komplexen Technik. Die Musterintegrationen liegen größtenteils im Plan, sind aber noch nicht über alle Fahrzeugtypen abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die noch fehlenden Musterintegrationen für die anstehenden Serienintegrationen abzuschließen“, schreibt das BMVg. 

Bei der Serienintegration wurden den Angaben zufolge bereits über 700 Plattformen auf D-LBO basic umgerüstet. Dazu wurde die Anzahl der Standorte zur Umrüstung von zwei auf mittlerweile sieben erhöht, hinzu kommen Umrüstungen bei Industriepartnern. „Wir liegen bei den Serienintegrationen aber noch hinter den selbst gesteckten Zielen. Neben extremer Kälte am Anfang des Jahres liegen die Ursachen sowohl auf der Seite der Industrie, zum Teil aber auch bei der Bundeswehr“, räumt das BMVg ein. Diese Verzögerungen sollen nun zügig aufgeholt werden.

Mischbetrieb wird wichtig

Der Mischbetrieb hat laut Mitteilung für die Ausstattung der Landstreitkräfte mit D-LBO eine herausgehobene Bedeutung, da die Umrüstung der mehr als zehntausend Plattformen in einem Schritt nicht möglich ist. So gebe es Fahrzeuge, die bereits umgerüstet seien, Fahrzeuge, deren Umrüstung noch aussteht und Fahrzeuge, die aufgrund geringer Stückzahlen oder wegen des Nutzungsendes nicht mehr umgerüstet werden. Die Landstreitkräfte müssten aber im Verbund führungsfähig und einsatzbereit sein und vernetzt miteinander funken sowie Daten austauschen können. Deshalb stelle der Mischbetrieb die digitale und verschlüsselte Anbindung aller betroffenen Plattformen eines Verbandes an D-LBO sicher.

„Dafür haben Industrie und Bundeswehr gemeinsam verschiedene Lösungen mit digitalen Handfunkgeräten entwickelt, die sich mit überschaubarem Zeitaufwand und ohne aufwändige Integration durch die Truppe einrüsten lassen“, heißt es. Die Testergebnisse zeigen demnach im Vergleich zur analogen Welt bereits einen deutlichen Fortschritt. Im Mischbetrieb sei geschützte Kommunikation, digitale Sprach- und Datenübertragung möglich und die Aufklärung durch potenzielle Gegner werde erschwert. Nach Abschluss des Mischbetrieb sollen die Handfunkgeräte als weitere Handfunkgeräte für die aufwachsende Truppe genutzt werden. Offenbar sollen Fahrzeuge ohne digitale Kommunikationstechnik im Rahmen des Mischbetriebs mit digitalen Handfunkgeräten ausgestattet werden. Technische Details zur Umsetzung in den Plattformen und die Auswirkungen auf die Leistungsparamter des D-LBO-Netzes nennt das Ministerium allerdings nicht.

„Mit diesem Mischbetrieb können wir auch während der D-LBO-Umrüstung weiter einsatzbereite Großverbände sicherstellen. Die Panzergrenadierbrigade 37 soll der NATO ab Beginn des Jahres 2027 als Forward Land Force Brigade digitalisiert zur Verfügung stehen.“

In den kommenden Jahren sollen die Fahrzeugflotten der Gefechts- und der Logistikfahrzeuge stark anwachsen. „Diese Neuplattformen müssen alle in das neue digitale Funk- und Führungssystem integriert und darüber hinaus auch die anwachsende Truppe mit neuen digitalen Handfunkgeräten ausgerüstet werden“, betont das Ministerium.

Vorbehaltlich der parlamentarischen Befassung will das BMVg für die Ausstattung neuer Plattformen weitere Fahrzeugfunkgeräte und zusätzliche Handfunkgeräte beschaffen. Der weitere Abruf aus dem Rahmenvertrag werde voraussichtlich im Juni dem Parlament zur Billigung vorgelegt. Der Änderungsvertrag soll zusätzliche Handfunkgeräte für den digitalen Mischbetrieb beinhalten und ein geplantes Volumen von rund 2,4 Milliarden Euro aufweisen, wobei gut zwei Milliarden Euro auf die Ausstattung neuer Plattformen entfallen. „Diese Investitionen reflektieren den zukünftigen personellen und materiellen Aufwuchs der Streitkräfte und sind ausdrücklich keine Mehrkosten für das Rüstungsprogramm D-LBO, für welches ein Gesamtvolumen von rund 11,5 Milliarden Euro veranschlagt ist“, schreibt das Ministerium.

Die Digitalisierung der Landstreitkräfte ende nicht mit der aktuellen Einrüstung D-LBO für die Division 2025 bis Ende 2027. Das System werde entsprechend dem Paradigma „Software Defined Defence“ stetig fortentwickelt.

Lars Hoffmann