Zukunft von FCAS bleibt weiter offen

Lars Hoffmann

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Die Hängepartie beim französisch-deutsch-spanischen Future Combat Air System (FCAS) geht weiter. Auch wenige Wochen vor der Luftfahrtausstellung ILA in Berlin, bei der eine deutsche Luftfahrtstrategie vorgestellt werden soll, steht eine Entscheidung zum Vorgehen bei dem Projekt weiter aus, wie heute beim ersten Defence Summit von Airbus in Manching deutlich wurde. „Wir brauchen Klarheit bei FCAS“, sagte Airbus-CEO Guillaume Faury am Rande der Veranstaltung zu hartpunkt. Seiner Einschätzung nach, liegt das Thema weiter auf der Ebene der Staats- und Regierungsschefs. Eigentlich sollte die Entscheidung bereits Ende 2025 gefallen sein.

Auslöser des Stillstands bei der Entwicklung des europäischen Luftkampfsystems, dass neben einem New Generation Fighter (NGF) noch aus sechs weiteren sogenannten Pillars besteht, darunter denen für das Triebwerk und die Combat Cloud, sind die Forderungen des französischen Flugzeugbauers Dassault. Dieser beansprucht entgegen den ursprünglichen Absprachen einen dominanten Workshare am neuen FCAS-Kampfflugzeuganteil. Darauf will sich Airbus nicht einlassen. Wohl auch deshalb, weil weitgehende Zugeständnisse womöglich das Ende des Kampfflugzeugbaus in Deutschland besiegeln könnten. Zuletzt scheiterte auch ein Meditationsversuch zwischen Dassault und Airbus. Im Anschluss verwiesen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz die Bearbeitung des Themas wieder zurück an die Verteidigungsministerien beider Länder. Seitdem herrscht zumindest in Deutschland Ratlosigkeit.

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Für Airbus steht bei dem Vorhaben viel auf dem Spiel. Denn der Eurofighter, ursprünglich als Jäger 90 konzipiert, wird zwar weiter modernisiert, bleibt aber letztendlich ein Auslaufmodell. Airbus Defence and Space fehlt damit ein zukunftsträchtiges Produkt, um Entwicklungs-Know-how und Beschäftigung langfristig aufrechterhalten zu können.

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Für Dassault stellt sich die Situation dagegen anderes dar. Da Frankreich einen Mehrzweck-Jagdbomber für das Verbringen von Nuklearwaffen benötigt, der auch vom geplanten Flugzeugträger „France Libre“ operieren kann, dürfte die Finanzierung der Entwicklung gesichert sein, selbst wenn diese national erfolgen muss.

Die Bundeswehr dagegen beschafft bereits den Jagdbomber F-35 in den USA, weshalb Airbus mit Blick auf die Bedürfnisse der Luftwaffe mit der Entwicklung eines Luftüberlegenheitsjägers großer Reichweite liebäugelt, der sich von der Auslegung fundamental vom französischen FCAS-Design unterscheidet.

Nach Aussage von Airbus-CEO Faury in Manching wurde FCAS in Friedenszeiten lange vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine 2022 gestartet und basiere auf einer Reihe von Annahmen, die heute nicht mehr gültig seien.

Da sich Dassault und Airbus aufgrund der Unstimmigkeiten seit Ende 2024 auf kein gemeinsames Angebot für die Phase 2 von FCAS geeinigt haben, dürften die im Rahmen der Phase 1b finanzierten Vorhaben in Kürze beendet werden. Folgt keine Anschlussbeauftragung, könnte FCAS womöglich auf diesem Wege automatisch beerdigt werden. Für Airbus und die zahlreichen deutschen Firmen, die bisher an dem Projekt beteiligt sind, eine schlechte Ausgangslage. Denkbar wäre allerdings, dass eine Finanzierung von Teilaspekten weiter national erfolgt. Bisher scheint es dafür allerdings keine Signale zu geben.

Beim Defence Summit in Manching zeigte Airbus neben einem Eurofighter der neuesten Version auch zahlreiche weitere Exponate. Darunter ein Collaborative Combat Aircraft (CCA) des Typs XQ-58A Valkyrie, das vom US-Unternehmen Kratos entwickelt wurde. Airbus will das unbemannte Luftfahrzeug unter anderem mit der eigenen Missionssoftware weiterentwickeln und der Bundeswehr als sogenannte Jagdbomberdrohne anbieten, die 2029 einsatzfähig sein soll. Eine Ausschreibung des Bundeswehr-Beschaffungsamtes für die Jagdbomberdrohne steht offenbar weiter aus.

Das Collaborative Combat Aircraft (CCA) des Typs XQ-58A Valkyrie verfügt über einen internen Waffenschacht, in den der Hersteller bereits mehrere Waffen integriert hat
Das Collaborative Combat Aircraft (CCA) des Typs XQ-58A Valkyrie verfügt über einen internen Waffenschacht, in den der Hersteller bereits mehrere Waffen integriert hat. (Bild: hartpunkt / Lars Hoffmann)

Für Airbus handelt es sich bei der in der Drei-Tonnen-Klasse angesiedelten Valkyrie dem Vernehmen nach nur um den ersten Schritt zu Entwicklung eines souveränen europäischen CCA. So soll das Unternehmen an einer etwas schwereren eigenen Kampfdrohne arbeiten, wie aus gut informierten Kreisen zu vernehmen ist. Fachkreise erwarten, dass das System in wenigen Wochen vorgestellt werden wird.

Dabei wurde bis vor Kurzem darüber diskutiert, das Vorhaben womöglich mit einem ähnlichen Drohnen-Projekt der schwedischen Firma Saab zusammenzulegen – Arbeitsname „Elch“. Eine solche Kooperation scheint jedoch seit wenigen Wochen vom Tisch zu sein. Dies könnte an unterschiedlichen Zeitlinien oder abweichenden Forderungen liegen. So wollen die Schweden dem Vernehmen nach ein Überschall-CCA entwickeln. Auch dürfte die Unklarheit über das FCAS-Vorhaben, das auch Drohnen beinhaltet, nicht hilfreich für ein gemeinsames Projekt gewesen sein.

Das Vorhaben Eurodrohne wird offenbar weiter fortgeführt.
Das Vorhaben Eurodrohne wird offenbar weiter fortgeführt. (Bild: hartpunkt / Lars Hoffmann)

Nicht weiter diskutiert wurde in Manching das Thema Eurodrohne. Nachdem Frankreich als eine der vier Entwicklernationen in seiner Verteidigungsplanung keine Mittel mehr für die Beschaffung des unbemannten Luftfahrzeugs eingestellt hatte, schien das Projekt auf der Kippe zu stehen.

Wie heute aus Fachkreisen zu vernehmen war, soll das Vorhaben jedoch fortgeführt werden. Offenbar gibt es Planungen, das französische Unternehmen Dassault aus dem Eurodrohnen-Projekt herauszunehmen. Es sollen auch intensive Gespräche mit Japan geführt werden, das bereits einen Beobachterstatus bei der Eurodrohne hat und dem ein großes Interesse an dem Luftfahrzeug nachgesagt wird. Beobachter wollen nicht auschließen, dass zur ILA in Berlin auch konkrete Verträge unterschrieben werden.

Lars Hoffmann