Der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems entwickelt eigenen Angaben zufolge eine Drohne, mit der der derzeit gültige Geschwindigkeitsweltrekord für elektrisch angetriebene Systeme gebrochen werden soll. Wie ein Sprecher des Unternehmens gegenüber hartpunkt bestätigte, sollen die im Rahmen der Entwicklungsarbeiten gesammelten Erfahrungen kurzfristig auch in die Entwicklung zukünftiger Abfangdrohnen fließen. Weitere Details sowie mögliche Zeitpläne wollte er jedoch nicht benennen.
Ziel der Hochgeschwindigkeitsdrohnen-Aktivitäten von Quantums Systems ist dem Sprecher zufolge die Konstruktion einer Drohne, die Geschwindigkeiten von über 700 km/h erreicht. Der aktuell gültige Weltrekord für elektrisch angetriebene Systeme liegt bei 685km/h.
Der CEO von Quantum System, Florian Seibel, hat vor wenigen Tagen über LinkedIn bekanntgegeben, dass die aktuell in Entwicklung befindliche Hochgeschwindigkeitsdrohne des Unternehmens eine Geschwindigkeit von 650 km/h im Horizontalflug (in zwei unterschiedliche Flugrichtungen) erreicht hat.
Auch wenn es sich bei dem System um eine reine Renndrohne mit mehreren unterschiedlichen maßgefertigten Komponenten – bspw. Batterie von der V4Smart GmbH, einer Tochtergesellschaft der Porsche AG, und der Liebherr Group, die Propeller von Mejzlik – handelt, ist die Entwicklung auch für Streitkräfte von hoher Relevanz. Hier insbesondere im Bereich der Abfangdrohnen, deren Marschgeschwindigkeit maßgeblich ist für den Abwehrerfolg gegen schnell fliegende Angriffsdrohnen. So führt Russland mit der Geran-4 aktuell eine Einweg-Kampfdrohne mit Jet-Antrieb ein, deren hohe Marsch- und Manövriergeschwindigkeit aktuell in Nutzung befindliche Abfangdrohnen ausstechen soll.
Da Angriffsdrohnen nur in den seltensten Fällen direkt über bzw. auf die Startposition von Abfangdrohnen fliegen, müssen Abfangdrohnen über eine ausreichend hohe Geschwindigkeit und eine entsprechende Ausdauer für die Überwindung der Distanz bis zur Angriffsdrohne verfügen. Zudem muss die Abfangdrohne auch die Flughöhe der Angriffsdrohne erreichen, die mehrere Kilometer betragen kann.
Aktuell in Nutzung befindliche Abfangdrohnen weisen eine Geschwindigkeit von bis zu 400 km/h auf, die sie wenige Minuten halten können. Es ist davon auszugehen, dass auch eine zukünftige Abfangdrohne nicht in die Nähe eines Geschwindigkeitsrekordes kommen wird. Dafür gibt es mehrere Gründe: So muss die Abfangdrohne eine Nutzlast (Gefechtskopf) transportieren und zumeist bei ungünstigem Flugwetter betrieben werden. Gleiches gilt für die Flughöhen. Daneben muss bei der Wahl der Komponenten stark auf Massenproduzierbarkeit und weniger auf Top-Performance geachtet werden.
Dennoch würde bereits eine Steigerung der Geschwindigkeit auf 500 km/h bei Beibehaltung der für die Reichweite relevanten Ausdauer die Leistungsfähigkeit von Abfangdrohnen gegenüber schnellen Angriffsdrohnen signifikant steigern.
Waldemar Geiger


















