Der Sensor-Lösungsanbieter Hensoldt hat einen Großauftrag im Wert von knapp einer Milliarde Euro von General Dynamics European Land Systems (GDELS) erhalten, um in den kommenden sieben Jahren das neue „Spähfahrzeug NG“ der Bundeswehr, den LUCHS 2, mit modernster Sensortechnik und dem CERETRON-Missionssystem auszustatten. Es handele sich um den größten Einzelauftrag in diesem Fähigkeitsbereich in der Geschichte von Hensoldt, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.
Der Vertrag umfasst demnach Entwicklungs- und Vorserienfahrzeuge sowie zwei Produktionslose mit einer Laufzeit bis 2032. In einem ersten Los sei die Ausrüstung für 274 Fahrzeuge beauftragt worden; weitere Optionen für zusätzliche Systeme seien vorgesehen. Neben der Lieferung von Hardware und Software stellt Hensoldt laut Mitteilung ein umfassendes logistisches Unterstützungspaket bereit – einschließlich Ausbildung, Dokumentation, Ersatzteilversorgung und langfristiger Systemunterstützung.
Im LUCHS 2 bildet CERETRON laut Hensoldt das zentrale Missionssystem. Es integriere die Vielzahl unterschiedlicher Sensoren der Plattform für verschiedene Spektren, verarbeite deren Daten in Echtzeit und erzeuge daraus ein konsistentes taktisches Lagebild im Fahrzeug. Mithilfe KI-gestützter Bildverarbeitung erkenne, identifiziere und verfolge CERETRON Objekte und Personen automatisch und liefere so entscheidungsrelevante Informationen unmittelbar an die Besatzung und in die Führungsstrukturen.
Durch seine NGVA-konforme, softwaredefinierte Architektur ist CERETRON laut Hersteller skalierbar und anpassbar: Neue Fähigkeiten, Funktionen und Algorithmen lassen sich demnach ohne Eingriffe in die Fahrzeughardware integrieren und erweitern so die Leistungsfähigkeit des Systems über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Sensorische Erweiterungen können bei Bedarf hardwareseitig ergänzt und anschließend softwareseitig eingebunden werden. Gleichzeitig entlastet CERETRON nach Angaben von Hensoldt die Besatzung kognitiv, indem Informationen automatisiert verarbeitet, priorisiert und verständlich aufbereitet werden. Das entstehende Lagebild stehe jedem Nutzer auf der Plattform in der jeweils relevanten Form zur Verfügung – ein zentrales Prinzip der Software-defined Defence und ein wesentlicher Vorteil für schnelle, sichere Entscheidungen im Einsatz.
Im LUCHS 2 wird laut Mitteilung ein breites Sensorportfolio nativ in CERETRON integriert, um ein durchgängiges End-to-End-Datenmanagement und eine automatisierte Sensorfusion zu ermöglichen. Das multispektrale Beobachtungs- und Aufklärungssystem sei in der Lage, neben der kombinierten Wärmebild- und Tageslicht-Sensorik mit Laserentfernungsmesser und Zielbeleuchter auch eine Short-Wave-Infrared-Kamera (SWIR) für optimale Sicht bei schlechten Wetterbedingungen (Regen, Nebel, etc.) zu integrieren, schreibt Hensoldt.
Darüber hinaus biete das „See Through Armour System“ (SETAS) 360°-Rundumsicht bei Tag und Nacht. Die Besatzung bleibe geschützt im Fahrzeug und behalte dennoch das Umfeld jederzeit im Blick. Zum Missionssystem gehören laut Hensoldt zudem ein Radio Direction Finder (RDF), ein Laserwarner und akustische Sensoren, die entsprechende Signale erfassen und teilweise lokalisieren, um die Besatzung nicht nur unmittelbar zu warnen, sondern auch optimal reagieren zu lassen.
„Mit diesem Auftrag untermauert Hensoldt seine Rolle als Wegbereiter einer neuen technologischen Ära in der Verteidigung und stärkt nachhaltig die Modernisierung der deutschen Aufklärungskräfte“, wird Oliver Dörre, CEO der Hensoldt AG, in der Mitteilung zitiert. „Im Zeitalter vernetzter Operationen sind Daten die neue Munition. Der LUCHS 2 steht damit für einen klaren Paradigmenwechsel: Wir entwickeln Systeme, deren Fähigkeiten nicht mehr statisch sind, sondern sich softwaredefiniert, modular und über den gesamten Lebenszyklus hinweg weiterentwickeln lassen. Damit schaffen wir echte Informationsüberlegenheit, erhöhen die Handlungsfähigkeit der Bundeswehr und sichern zugleich Europas technologische Souveränität.“
CERETRON kann laut Hersteller nahtlos in die neue Hensoldt-Multi-Domain-Software-Suite MDOcore eingebunden werden und die Daten und Lageinformationen übergeben, um diese auf höheren Nutzerebenen verfügbar zu machen. MDOcore ist ein softwarezentriertes Integrations-Framework von Hensoldt, das Sensoren, Effektoren und kognitive Systeme über alle Dimensionen – Land, Luft, See, Cyber und Space – und Waffensysteme hinweg vernetzt und damit das technologische Rückgrat künftiger vernetzter Verteidigungsarchitekturen bilden soll.
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