Helsing, ein europäisches Unternehmen für Verteidigungstechnologie mit Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz (KI), hat heute im Rahmen eines Medientages erstmals seinen neuen unbemannten Stealth-Bomber CA-1 Europa gezeigt, der im Tiefflug Ziele tief im feindlichen Hinterland bekämpfen soll. Die Präsentation fand am Standort der Helsing-Tochter Grob Aircraft in Tussenhausen in Anwesenheit des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder statt. Helsing hatte den Luftfahrtpezialisten Grob erst vor wenigen Monaten übernommen.
CA-1 steht für Combat Aircraft 1 und ist das Ergebnis eines Designkonzeptes, das dem Unternehmen zufolge in nicht einmal 14 Wochen designt und gebaut wurde. Nun sollen mehrere hundert Millionen Euro investiert werden, um das System in die Luft zu bringen. Der Erstflug für das System ist für 2027 geplant. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde vor Ort in Tussenhausen ein Containerdorf aufgebaut, in welches in Kürze zahlreiche neue Ingenieure einziehen sollen, um die Weiterentwicklung des Flugzeuges so schnell wie möglich voranzutreiben.
Viele Details zur technischen Leistungsfähigkeit des Kampfbombers wollte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekanntgegeben. So habe man beispielsweise bereits ein Triebwerk ausgewählt, die Benennung will man jedoch noch nicht offenlegen. Das CA-1 Europa soll mit diesem Triebwerken Geschwindigkeiten knapp unterhalb der Schallgrenze erreichen können. Die Länge wird mit 11 m und das maximale Abfluggewicht mit 4 Tonnen angegeben. Da das Unternehmen zudem immer wieder europäische Souveränität in den Vordergrund stellt, kann man wohl in Verbindung mit dem angegebenen maximalen Abfluggewicht davon ausgehen, dass es sich um ein Triebwerk der Business-Jet-Klasse eines europäischen Herstellers handelt.
Helsing sieht den Abschluss der Designstudie für die Plattform des CA-1 Europa als einen wichtigen Schritt zur Einsatzfähigkeit des unbemannten Luftkampfsystems, welches mit dem Hintergrund des Software-First-Ansatzes konzipiert wurde. Dabei soll der Idee nach, die Abstützung auf komplexe Software die Nutzung einfacher Hardware erlauben und am Ende trotzdem leistungsfähige Systeme erzeugen. So soll eine „intelligente Masse“ erzeugt werden, bei der man auch die Verluste von Systemen schnell und einfach kompensieren kann. Ein einzelnes CA-1 soll dabei nur den „Bruchteil“ eines bemannten Kampfflugzeuges kosten. Genauer wollte das Unternehmen den Kostenrahmen nicht eingrenzen.
Das CA-1 Europa wurde als offenes Missionssystem konzipiert und hardwareseitig modular aufgebaut. Die Software-Architektur ist per se offen und aufwuchsfähig gestaltet. „CA-1 Europa nutzt ein fortschrittliches Softwarebetriebssystem, das die flexible Integration von Sensoren, Selbstschutzsystemen, Bewaffnung und weiterer Software erlaubt. Helsing wird zudem ein Führungs- und Kontrollsystem (Command-and-Control) liefern, das Bediener bei der Planung, Steuerung und Überwachung von Systemen in komplexen autonomen Missionen unterstützt. Die Plattform wird durch Helsings KI-Pilot Centaur gesteuert. CA-1 Europa ist für verschiedene Missionen geeignet, darunter auch für die präzise Bekämpfung von Zielen in der Tiefe des gegnerischen Raumes“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Unternehmens.
Sensorik und Effektorik sollen beispielsweise austauschbar sein. Am Ende der Entwicklung soll das unbemannte Kampfflugzeug stehen, welches im Verbund mit bemannten Systemen, aber auch alleine eingesetzt werden soll. Als mögliche Einsatzprofile wurden Aufklärungsmissionen, Einsätze im Rahmen der elektronischen Kampfführung sowie Luft-Luft und Luft-Boden-Angriffsmissionen genannt.
Die Durchsetzungsfähigkeit des Systems soll nach Aussage von Helsing maßgeblich durch seine Tiefflugfähigkeit und Schwarmfähigkeit erreicht werden. Zudem sind bei der Plattform Stealth-Designelemente erkennbar, wie beispielsweise interne Waffenschächte und ein intern versenkbares Fahrwerk.
Anhand der Größe des Waffenschachtes und des maximalen Abfluggewichtes kann zudem spekuliert werden, dass die Nutzlastkapazität bei rund einer halben Tonne liegen dürfte.
Angaben zur Reichweite des Systems wollte das Unternehmen nicht machen. Die Fähigkeit zur Luftbetankung sowie Aufnahmen für externe Waffen bzw. Tanks sind nicht erkennbar, so dass die Reichweite des Flugzeuges wohl alleine durch den internen Treibstoffvorrat begrenzt wird. Anhand der Designmerkmale und dem Umstand, dass das System im Tiefflug operieren (höherer Treibstoffverbrauch) sowie zurückkehren soll, könnte die effektive Reichweite grob geschätzt im Bereich der 1.000 km liegen.
Waldemar Geiger


















