Die niederländischen Streitkräfte beabsichtigen, die von der FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH entwickelte Kettenplattform „Armoured Combat Support Vehicle“ (ACSV) im Rahmen des Vorhabens „Combat General Purpose Vehicle“ (CGPV) in den Varianten Sanität, Führung, Minenleger, Transport, Instandsetzung und Fahrschule einzuführen. Früheren Angaben zufolge besteht ein Bedarf von rund 100 bis 150 Systemen. Bei einer Beschaffung in diesem Größenumfang würden die Niederlande zum größten ACSV-Nutzer. Zusätzlich zum CGPV wird das Land die Plattform in den Varianten Flugabwehrkanonen- und Flugabwehrraketenpanzer einführen, was die niederländische ACSV-Gesamtflotte auf fast 200 Fahrzeuge bringen würde.
Wie aus einem sogenannten Kamerbrief (D-Letter) hervorgeht, den das Verteidigungsministerium am 26. Oktober an das niederländische Parlament übermittelt hat, sollen niederländische Unternehmen in erheblichem Umfang an der Umsetzung beteiligt werden. Im niederländischen Beschaffungsprozess stellt der D-Letter einen der letzten Schritte dar und ist in etwa mit einer 25-Millionen-Euro-Vorlage des deutschen Beschaffungsprozesses vergleichbar. Wie das Ministerium in dem Schreiben erklärt, soll es im Falle einer Billigung durch das Parlament am 19. November im Zuge der Rüstungsmesse NIDV Exhibition for Defence and Security (NEDS) in Rotterdam zur Vertragsunterzeichnung zwischen dem Ministerium und FFG kommen.
Wie aus dem Schreiben weiter hervorgeht, haben das Verteidigungsministerium sowie das Ministerium für Wirtschaft und Klima mit der FFG eine umfassende Beteiligung niederländischer Unternehmen vereinbart.
Van Halteren Technologies wird demnach die Montage der gepanzerten Fahrzeuge in den Niederlanden übernehmen und nach der Auslieferung sowohl die regelmäßige Wartung als auch die Instandsetzung der ACSV durchführen. Das Unternehmen soll zudem die Laufräder und das Dämpfungsfahrwerk für die Kettenfahrzeuge produzieren. KONI Nederland wird hierfür die Stoßdämpferkomponenten liefern.
Darüber hinaus wird FFG verschiedene niederländische Hersteller in die Lieferkette des ACSV integrieren, darunter Kuyer Metaal, Linden B.V., Addit B.V. und Bayards Aluminium B.V. Außerdem wird Avient Protective Materials sogenannte Superfasern für den ballistischen Schutz der Systeme liefern.
Bei dem ACSV handelt es sich um ein gepanzertes Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeug mit einem Höchstgewicht von 26 Tonnen, einschließlich einer Nutzlast von 8 Tonnen. FFG hat eigenen Angaben zufolge bereits bei der Entwicklung der Plattform die zukünftige Nutzung unterschiedlicher Rüstsätze berücksichtigt. Dazu ist das Heck des Fahrzeugs mit einem „Ladebett“ für verschiedene austauschbare Missionsmodule ausgestattet, das auch mit ISO-Standardcontainern von 10 Fuß Länge kompatibel ist.
Als Antrieb dient ein Sechszylinder-MTU-Motor mit 460 kW. Er ähnelt dem System im Boxer, hat aber sechs statt acht Zylinder. Darüber hinaus ist der ACSV mit einer einteiligen Gummiverbundkette von Soucy ausgestattet, die für einen vergleichsweise vibrationsarmen und leisen Vortrieb des Kettenfahrzeugs sorgt.
Offiziell bestätigte ACSV-Kunden sind Norwegen, die Niederlande und die Ukraine, die die gepanzerte Kettenplattform für unterschiedliche Zwecke – unter anderem Materialtransport, Flugabwehr, Pionierversion mit Kran, Radarfahrzeug, Minenleger und Bergefahrzeug – beschafft oder bestellt haben.
Waldemar Geiger
















