Erst vergangene Woche hat der deutsche Drohnen- und Softwarespezialist Quantum Systems im Rahmen eines Medienbriefings bekanntgegeben, dass das Unternehmen eine Abfangdrohne entwickelt, die 600 Stundenkilometer schnell fliegen kann und somit zur Abwehr der russischen Geran 4 und 5 geeignet ist, die über einen Jetantrieb verfügen. Gestern hat ein Unternehmensvertreter ein Video veröffentlicht, in dem erste Details der Skyron-600 erkennbar sind.
In einer 16 Sekunden langen Videosequenz ist der Katapultstart der Skyron-600 zu sehen. Es ist dabei erkennbar, dass es sich bei dem System um eine Schulterdecker-Drohne mit Strahltriebwerk handelt. Weitere Details sind anhand der veröffentlichten Videomaterials nicht erkennbar.
Im Rahmen des Medienbriefings hieß es jedoch, dass die Entwicklung der Skyron-600 zeitnah abgeschlossen sein wird. Analog zur Skyron-400 mit Elektroantrieb soll auch die 600 in das unternehmenseigene Führungs- und Einsatzplanungssystem MOSAIC UxS integriert und mit unterschiedlichen KI-gestützten Assistenzsystemen ausgestattet werden, die eine automatisierte Zielverarbeitung, Einsatzentscheidung, Anflugphase und Abfangoperation bei minimaler Einbindung des Bedienpersonals ermöglichen sollen.
Mit der Einführung der Skyron-600 würde Quantum Systems den Umstieg von elektrisch angetriebenen Propellerdrohnen auf einen Jet-Antrieb vollführen. Der Ursache dafür dürfte in den physikalischen Grenzen des elektrischen Antriebs liegen. So arbeitet Quantum Systems aktuell zwar an einem Weltrekord, bei dem eine elektrisch angetriebene Drohne über 700 km/h schnell fliegen soll, gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass es sich um einen Flug im absoluten Grenzbereich der Technologie handelt. Im Rahmen des Medienbriefings wurde klargestellt, dass diese Geschwindigkeiten nicht durch skalierfähig herstellbare Abfangdrohnen erreicht werden können. Selbst bei deutlich langsameren Abfangdrohnen mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 500 km/h soll der Ausschuss bei in Serie produzierten Antriebskomponenten bei rund 25 Prozent liegen.
Ein weiteres Problem liegt dem Briefing zufolge im Energieverbrauch der elektrisch angetriebenen Abfangdrohnen, die einen beträchtlichen Anteil der zur Verfügung stehenden elektrischen Energie für das Erreichen der notwendigen Höhenschichten verbrauchen. Zur Abmilderung des Energieverbrauchs in der Anmarschphase werden daher aktuell unterschiedliche Verfahren getestet, wie die Verbringung der Abfangdrohnen in den Einsatzraum energieeffizienter gestaltet werden kann. Neben der Nutzung von größeren Flächendrohnen als Mutterschiffe, werden auch Raketenbooster sowie größere Kopterdrohnen eingesetzt, die die Abfangdrohnen auf die Einsatzhöhen bringen, um Geran 4 und Geran 5 effektiver abfangen zu können, die in Einsatzhöhen oberhalb 4.000 m operieren. Alle diese Verfahren beinhalten eine zusätzliche Komplexität und bedürfen unter Umständen einer gewissen Vorbereitung, die die Reaktionsfähigkeit des Gesamtsystems, bei dem die Abfangdrohne nur ein Teil ist, beeinträchtigt.
Der relativ geringe Geschwindigkeitsunterschied der elektrisch angetriebenen Abfangdrohnen zu den jetangetriebenen Angriffsdrohnen führt zudem dazu, dass die Abfangreichweiten und -wahrscheinlichkeiten maßgeblich vom Anflugvektor der Angriffsdrohne abhängig sind. Alle diese Aspekte führen in Summe dazu, dass das Missionsspektrum, indem Abfangdrohnen mit Elektroantrieb Angriffsdrohnen mit Jetantrieb erfolgreich abwehren können, signifikant kleiner geworden ist.
Mittels Jetantrieb ließe sich hingegen sowohl Ausdauer als Geschwindigkeit der Abfangdrohnen signifikant steigern und damit einhergehend auch die Abfangwahrscheinlichkeit gegen schnelle Angriffsdrohne mit Jetantrieb erhöhen.
Waldemar Geiger


















