Die RENK Group AG, ein führender Anbieter von Antriebslösungen für den militärischen Bereich, und das finnische Verteidigungs- und Technologieunternehmen Patria haben heute auf der Fachmesse Eurosatory 2026 in Paris gemeinsam ein Konzept für ein sogenanntes Heavy Unmanned Ground Vehicle (UGV) der nächsten Generation vorgestellt.
Das am RENK-Stand vorgestellte Demonstrationsmodell vereint die modulare TRACKX-Fahrzeugplattform von Patria mit dem neu entwickelten Getriebe HSWL 076 von RENK und der Drive-by-Wire-Mobilitätsarchitektur. Gemeinsam zeigen die beiden Unternehmen, wie Antriebslösungen und modulare Fahrzeugplattformen den Übergang zu ferngesteuerten und künftig autonomen Landsystemen beschleunigen können.
Nach Aussage von Panu Routila, Präsident und CEO von Patria, kann das gepanzerte Kettenfahrzeug TRACKX für anspruchsvolle Geländeeinsätze eingesetzt werden und bietet eine Lösung für verschiedenste Anwendungen mit hohen Mobilitätsanforderungen militärischer Nutzer.
„Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie moderne und zukünftige Kriegsführung aussieht. Unbemannte Systeme sind heute unverzichtbar und eine operative Notwendigkeit auf dem Gefechtsfeld. Patria bringt die Plattformkompetenz ein, RENK das digitalisierte Getriebe HSWL 076 mit Drive-by-Wire-Fähigkeit“, so Routila.
Nach Einschätzung von Alexander Sagel, CEO der RENK Group AG, werden in Zukunft bemannte und unbemannte Kettenfahrzeuge auf dem Gefechtsfeld miteinander kooperieren. Das autonome TRACKX-Kettenfahrzeug sei für die Unterstützung der schweren Brigaden vorgesehen, etwas zum Transport von Logistik-Gütern, so der Manager. Der RENK-CEO rechnet nach 2030 mit einem Massenmarkt für UGV. Bis dahin gelte es, die Produktionskapazitäten aufzubauen, sagte er am Rande der Präsentation im Gespräch mit hartpunkt.
Nach Aussage von Patria-Chef Routila soll das neue UGV bis zum Jahr 2030 „combat ready“ sein. Die Zusammenarbeit mit RENK sei dabei entscheidend. Er will auf dem international erfolgreichen CAVS-Programm zur Beschaffung von 6X6-Radpanzern von Patria aufbauen, wenn es um die Vermarktung das UGV geht. Er rechnet mit einem Bedarf für das Fahrzeug von „mehreren Tausend“ Exemplaren. Wie er ausführte, kann das Fahrzeug ein Gewicht von etwas weniger als fünf Tonnen transportieren.
Die jüngsten Konflikte, insbesondere in der Ukraine, haben laut RENK deutlich gemacht, wie wichtig unbemannte und optional bemannte Systeme für Einsätze in stark umkämpften Gebieten sind. Die Streitkräfte der NATO suchen nach Einschätzung des Unternehmens zunehmend nach Lösungen, die die Gefährdung der Besatzung verringern und gleichzeitig Mobilität, Schutz und Einsatzwirksamkeit gewährleisten. Das gemeinsam entwickelte Konzeptfahrzeug spiegele diesen operativen Wandel wider.
Mit seiner kompakten Bauweise, dem geringen Gewicht von circa 700 kg, der hohen Leistungsdichte und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h eigne sich das HSWL 076 speziell für leichte Kettenfahrzeuge im Bereich von 10 bis 20 Tonnen. Das Getriebe vereint Lenk-, Brems- und Antriebsfunktionen in einer digital gesteuerten Antriebsstrangarchitektur. Es wurde in weniger als zwei Jahren nach militärischen Standards entwickelt und validiert. Das System schafft die Grundlage für fortschrittliche Funktionen wie Fernsteuerung, Platooning, Crew-Sharing-Konzepte sowie zukünftige autonome Fähigkeiten – ohne dass ein grundlegendes Redesign der Fahrzeugplattform erforderlich ist.
Die Architektur lässt sich auf bemannte, optional unbemannte sowie speziell für den Einsatz unbemannter Kettenfahrzeuge konzipierte Programme anwenden, einschließlich Nachrüstungen. Nach Aussage von Sagel ist das neue Getriebe auch für andere Kettenfahrzeuge der genannten Gewichtsklasse geeignet.
Lars Hoffmann

















