LuWES: Zwei Anbieter könnten sich gegenüberstehen

Lars Hoffmann

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Die Beherrschung des elektromagnetischen Spektrums und Electronic Attack gelten als wichtige Fähigkeiten moderner Streitkräfte. Bereits seit einigen Jahren treiben das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw und acht deutschen Unternehmen deshalb das Projekt mit der Bezeichnung „Luftgestützte Wirkung im Elektromagnetischen Spektrum“ – kurz LuWES – voran.

Im vergangenen Juni demonstrierten Airbus, bKEC, Hensoldt, IBM, MBDA, PLATH, Rohde & Schwarz und Schönhofer zum ersten Mal in Deutschland bei einer Live-Demo, wie Militärflugzeuge mit Hilfe elektromagnetischer Störmaßnahmen ungehindert Einsätze in einem Krisengebiet mit aktiven Luftverteidigungssystemen fliegen können.

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Allerdings scheint nach der Entscheidung der Luftwaffe, die vor rund einem Jahr getroffen wurde, ein Flugzeug des kanadischen Herstellers Bombardier als Plattform für einen Stand-Off Jammer zu beschaffen, ein Riss durch die auch als „Ruder-Achter“ bezeichnete Firmenkonstellation zu gehen. Mit einem Stand-Off Jammer sollen feindliche Radar- und Luftverteidigungsstellungen aus einer Entfernung von mehreren Hundert Kilometern und damit außerhalb der gegnerischen Waffenreichweite gestört werden. Als Plattform für einen solchen Jammer, der aufgrund der hohen Sendeleistung einen entsprechend hohen Energiebedarf aufweist, war ursprünglich das militärische Transportflugzeug A400M von Airbus vorgesehen, das überdies genug Fläche für die benötigten Antennen aufweist.

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Dem Vernehmen nach stehen sich mittlerweile Hensoldt und Airbus als Wettbewerber bei der Vergabe des Stand-Off Jammers gegenüber. So ist Hensoldt gut informierten Kreisen zufolge mit Lufthansa Technik und Bombardier eine Partnerschaft eingegangen, um als Generalauftragnehmer für das Projekt zu bieten. Hensoldt sollte auch im Rahmen des Ruder-Achters das Missionssystem liefern und dürfte auch weiter diese wichtige Komponente beisteuern wollen. Das Sensorhaus arbeitet seit einigen Jahren mit Bombardier und Lufthansa Technik bei der Umsetzung des SIGINT-Flugzeugs Pegasus zusammen.

Dieser Konstellation soll nun Airbus Defence and Space gegenüberstehen. Wie gut informierte Kreise berichten, führt Airbus mit dem schwedischen Hersteller Saab Gespräche über eine Zusammenarbeit bei LuWES. Die Schweden verfügen dem Vernehmen nach ebenfalls über ein Missionssystem und könnten womöglich Komponenten aus dem Eurofighter-Projekt, bei dem 15 Maschinen für die Rolle Suppression of Enemy Air Defence (SEAD) mit entsprechender Technik ausgestattet werden, für die Nutzung in einem Stand-Off Jammer skalieren.

Saab hat ebenfalls Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Bombardier bei der Entwicklung des Aufklärungsflugzeugs GlobalEye gesammelt. Bei der Plattform für GlobalEye handelt es sich um eine Global 6500 von Bombardier, die ein großes Saab-Radar oberhalb des Rumpfes mitführt. Für diesen Einsatzzweck musste das Flugzeug unter anderem durch das Einziehen einer Reihe von Spannten an den neuralgischen Stellen verstärkt werden, um mit dem zusätzlichen Gewicht sicher fliegen zu können. Der Umbau eines Flugzeugs, das Testen und Zertifizieren für die luftgestützte Aufklärung oder als Jammer gilt in Fachkreisen als herausfordernd und dürfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Dem Vernehmen nach will die Bundeswehr für den Stand-Off Jammer das neueste Flugzeug von Bombardier, die Global 8000, beschaffen. Beobachter gehen davon aus, dass aufgrund des in wichtigen Punkten veränderten Designs gegenüber Vorgängermodellen wie der Global 6500 ein neuer Test- und Zertifizierungsprozess für den militärischen Einsatz erfolgen müsste. Bei der Global 6500 handelt es sich um ein kleineres Flugzeug, was Probleme für den störungsfreien Betrieb der Antennen eines Jammers mit sich bringen könnte.

Da die Umbauten bei der GlobalEye offenbar von Saab durchgeführt wurden, dürfte das Flugzeug keine größeren Komponenten enthalten, die der US-Exportkontrolle gemäß ITAR unterliegen. In der Regel baut Bombardier seine Business-Flugzeuge für militärische Anwendungen am Standort Wichita in den USA um, womit ITAR-Regeln zur Anwendung kommen. Beim Thema LuWES scheint es Überlegungen zu geben, die Modifikationen außerhalb der Vereinigten Staaten vorzunehmen. Ob jedoch Bombardier großes Interesse hat, perspektivisch sein Flugzeug an einen potenziellen Wettbewerber wie Airbus zu liefern, falls sich dieser durchsetzen sollte, ist nicht bekannt. 

Bisher ist noch keine Auswahlentscheidung zu LuWES getroffen worden. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass diese zeitnah erfolgen könnte. Direkt im Anschluss würde dann voraussichtlich die bereits vorbereitete Ausschreibung für den Jammer erfolgen. Schließlich drängt die Zeit, denn die Vorlage der entsprechenden 25-Millionen-Euro-Vorlage im Parlament ist dem Vernehmen nach bis Ende des Jahres vorgesehen.

Lars Hoffmann