Nachdem die Bundeswehr bereits vor rund einem Monat Beschaffungsverträge für Loitering Munition Systeme mit den beiden Technologie-Start-ups Helsing und STARK geschlossen hat, soll in Kürze auch Rheinmetall mit der Lieferung solcher Systeme aus einem Rahmenvertrag im Wert von bis zu knapp 2,4 Milliarden Euro beauftragt werden.
Gut informierten Kreisen zufolge wurde die dafür notwendige 25-Mio-Vorlage für die Beschaffung der Rheinmetall-Systeme des Typs FV-014 vor Kurzem dem Parlament zur Billigung zugeleitet. Dem Vernehmen nach soll auch der Düsseldorfer Rüstungskonzern – genauso wie die beiden anderen Unternehmen zuvor – in einem ersten Schritt nur eine Festbeauftragung in Höhe von fast 300 Millionen Euro erhalten. Jedoch wird auch diese Festbeauftragung nur dann durch die Bundeswehr realisiert, wenn die Loitering Munition die Qualifikation bis spätestens April 2027 erfolgreich durchlaufen hat. Erst nach Abschluss der Qualifikation würden auch Seriensysteme abgerufen und der Truppe zur Verfügung gestellt werden können. Beobachter gehen davon aus, dass der Beginn der Qualifikation für die Systeme aller Anbieter im Sommer dieses Jahres erfolgen wird.
Es wird zudem erwartet, dass der Haushaltsausschuss im Rahmen seiner Beratung einen ähnlichen Maßgabebeschluss beschließt, wie er es bei der Billigung der 25-Mio-Vorlagen für Helsing und STARK getan hat, hartpunkt berichtete. Der Maßgabebeschluss verlangt vom Verteidigungsministerium, dem Haushaltsausschuss erst eine Bedarfsbegründung, Marktanalyse und Preisprüfung sowie einen Leistungsnachweis der zu beschaffenden Drohnen vorzulegen, bevor weitere Abrufe aus den Rahmenverträgen erfolgen können. Da Loitering Munition Systeme als Munition klassifiziert sind, wäre ohne den Maßgabebeschluss keine weitere Befassung im Parlament notwendig, um Optionen aus einem gebilligten Rahmenvertrag abzurufen.
Gut unterrichteten Kreisen zufolge sollen die Hersteller im Rahmen der Festbeauftragung eine unterschiedliche Anzahl an Steuerungssystemen und Strike Drohnen liefern. Helsing soll im Rahmen der rund 270 Millionen Euro Festbeauftragung dem Vernehmen nach u. a. etwa 4.300 Strike-Drohnen des Typs HX-2 liefern. Bei STARK sind es für die gleiche Summe u. a. rund 2.200 Strike-Drohnen des Typs Virtus. Rheinmetall soll für die fast 300 Millionen Euro ca. 2.500 Strike-Drohnen des Typs FV-014 an die Bundeswehr bereitstellen.
Bei der FV-014 handelt es sich offiziellen Angaben von Rheinmetall zufolge um ein Loitering Munition System, das für den dynamischen Gefechtsfeldeinsatz auf Entfernungen bis zu 100 Kilometer ausgelegt ist. Das System verbindet laut Hersteller hohe Wirksamkeit gegen gepanzerte und ungepanzerte Ziele mit modernster Sensorik, Netzwerkfähigkeit und Einsatzoptionen auch in GNSS-gestörten Umgebungen.
Parameter der FV-014 nach Angaben des Herstellers:
- Typ: Loitering Munition
- Missionsspektrum: Zielaufklärung, Zielverfolgung, präziser Einzel- oder Schwarmangriff, Einsatz in GNSS-denied Szenarien.
- Startgewicht: ca. 20 kg mit 6 kg Nutzlast.
- Reichweite: bis zu 100 km (60 km Datenlink-Reichweite).
- Flugdauer: 70 Minuten.
- Gefechtskopf: ca. 5 kg HEDP (High-Explosive Dual Purpose) mit Durchschlagsleistung von über 600 mm RHA, zugleich wirksam gegen ungepanzerte Ziele und Infrastruktur.
- Transport- und Startbehälter mit Boosterstart für schnelles Ansetzen.
- Bedienerstation mit Datenlink für Echtzeit-Lagebilder und Zielzuweisung.
- Auslegung für Schwarmoperationen zur gleichzeitigen Bekämpfung mehrerer Ziele oder zur Sättigung gegnerischer Schutzsysteme.
- Perspektivisch in mobilen und skalierbaren Werfer-Konfigurationen auf Fahrzeugplattformen und auch seegehenden Einheiten einsetzbar.
- Elektrischer Motor mit Propeller für leisen Anflug.
- Auslegung für reduzierbare Radar- und IR-Signatur.
- Robust gegen GNSS-Störungen, geeignet für den Einsatz im stark umkämpften Luftraum
Waldemar Geiger

















