Type 45: Zerstörer der Royal Navy erhalten anscheinend ein integriertes Drohnenabwehrsystem basierend auf Abfangdrohnen

Xavier Vavasseur

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Die Type-45-Zerstörer der Royal Navy scheinen ein neues C-UAS-System zum Selbstschutz vor Drohnen erhalten zu haben. Kürzlich vom britischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Bilder zeigen die HMS Dauntless (D33) mit zwei bis dato unbekannten Containern, die wahrscheinlich als Launcher für Abfangdrohnen dienen.

Die Bilder vom 10. Oktober 2026 zeigen die HMS Dauntless bei einer Vorbeifahrtübung (PASSEX) mit fünf ukrainischen Minensuchbooten vor der Isle of Wight. Die Boote der ukrainischen Marine beendeten gerade die Übung „Lion Protector“ und demonstrierten dabei ihre Fähigkeit, als kleine Einsatzgruppe in Begleitung eines großen Kriegsschiffs – dargestellt durch die Dauntless – sicher zu manövrieren. Lion Protector hatte im August begonnen. Ziel der Übung ist es, die militärische Reaktion der Nationen der Joint Expeditionary Force zum Schutz der nördlichen Flanke Europas zu verfeinern.

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Nach Angaben der Royal Navy bereitet sich die HMS Dauntless darauf vor, das britische Flaggschiff HMS Prince of Wales zu eskortieren, wenn dieses seinen Einsatz „Firecrest 2026“ im hohen Norden wieder aufnimmt.

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Die veröffentlichten Bilder zeigen zwei Container oder Kisten (da diese nicht wie Standard-ISO-Container aussehen), die auf der Backbord- und Steuerbordseite des (schwarz lackierten) Hauptkommunikationsmasts des Zerstörers positioniert sind. Eine visuelle Analyse lässt vermuten, dass diese Container mehrzellige vertikale Abschusssysteme (Vertical Launch System; VLS) für Abfangdrohnen beherbergen. Ihre Größe scheint etwa 2 mal 1 Meter zu betragen (unter Verwendung des nahe positionierten SOLAS-Behälters als Referenz).

Abfangdrohnen benötigen in der Regel große Behälter, damit sie mit rotierenden Rotoren starten können. Das offensichtliche Fehlen neuer Sensoren deutet darauf hin, dass die Abfangdrohnen ihre Zielführung von den bereits vorhandenen Systemen der Type 45 erhalten müssen, d. h. vom Sampson-Multifunktionsradar, dem S1850M-Weitbereichsradar am Heckmast und/oder den elektrooptischen Systemen. Sollte sich dies bestätigen, würde dies bedeuten, dass es sich bei dem neuen System um eine tief integrierte, ausgereifte C-UAS-Fähigkeit handele und nicht um eine kurzfristig adaptierte Übergangslösung.

Von der hartpunkt-Partnerseite Naval News dazu befragt, erklärte ein Sprecher der Royal Navy: „Aus Gründen der operativen Sicherheit werden wir diese Ausrüstung nicht näher erörtern.“

Anpassung an neue Bedrohungen

Die Präsenz dieses neuen Systems auf einem Type-45-Zerstörer zeigt, wie sich die Marinen an die neuen Herausforderungen durch günstige Drohnen anpassen. Die Royal Navy hat aus realen Einsätzen gelernt, beispielsweise aus den Bedingungen, denen die HMS Diamond im Roten Meer ausgesetzt war, als die Huthi im Jahr 2024 vom Jemen aus Drohnen und Raketen auf Handelsschiffe abfeuerten. Die HMS Dragon kehrte erst letzte Woche von einem siebenmonatigen Einsatz im Mittelmeer und im Roten Meer zurück, doch das neue System wurde dort nicht gesichtet. Dies deutet darauf hin, dass die HMS Dauntless das erste Schiff der Klasse Type 45 sein könnte, das diese Fähigkeit vor ihrem Einsatz im hohen Norden erprobt.

Drohnenangriffe und Schwarmtaktiken – die von der Royal Navy und der französischen Marine in speziellen Übungen wie Sharpshooter und WildFire ausgiebig geübt wurden und auf ihren Erfahrungen aus Einsätzen im Roten Meer basieren – machten eine entscheidende Einschränkung hinsichtlich der Magazinkapazität der VLS-Systeme der europäischen Marinen deutlich (48 Zellen bei Type-45- und Horizon-Zerstörern, 32 Zellen bei den französischen FREMM-Luftverteidigungsfregatten). Um dieses Problem anzugehen, begann die Royal Navy mit der Umstellung auf „DragonFire”-Laser und C-UAS-Hubschrauber (Martlet/LMM an Bord der Wildcat). Das neue C-UAS-System, das auf der Dauntless gesichtet wurde, zeigt, dass die Royal Navy die Type 45 weiterhin von einem konventionellen Luftverteidigungsschiff in eine äußerst widerstandsfähige Plattform entwickelt, die in der Lage ist, einem Drohnen-Sättigungsangriff standzuhalten.

Auch die französische Marine passt sich an, indem sie neue Sensoren, Störsender, Geschützsysteme, FPV-Drohnen und Abfangdrohnen einsetzt.

Abfangdrohnen bieten eine zusätzliche Verteidigungsebene und ermöglichen es der Schiffsbesatzung, die Gegenmaßnahmen besser auf die Bedrohung abzustimmen. Sie stellen eine wesentlich kostengünstigere Alternative dar, als stets gegen jede feindliche Drohne eine teure Rakete abzufeuern.

Autor: Xavier Vavasseur ist Mitbegründer und Chefredakteur von Naval News. Der Beitrag erschien erstmalig am 14.10.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.