Quantum Systems bringt KI befähigte Vector-Aufklärungsdrohne mit Schallmessfunktion an die Front

Waldemar Geiger

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Der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems hat offenbar die ersten Systeme seiner neuen, mit KI-Funktionalitäten und Schallmessfunktion ausgestatteten Aufklärungsdrohne Vector AI an die ukrainischen Streitkräfte übergeben. Diese befinden sich nun im Fronteinsatz. „Akustische Sensorik hat die ukrainische Front erreicht. Vector AI ist in der Lage, die Richtung und Entfernung von Artilleriefeuer zu erfassen und bietet eine Flugzeit von bis zu 4 Stunden“, gab Florian Seibel, Gründer und Co-CEO von Quantum Systems, gestern auf LinkedIn bekannt. Zudem veröffentlichte er das Bild der mit dem als WASP (Weles Acoustic Sensor Payload) bezeichneten Akustik-Sensor an der Nase des Vector AI.

Beide Systeme, sowohl die neueste Variante der Vector-Drohne als auch der Akustik-Sensor wurden erst vor wenigen Monaten vorgestellt. Entwickelt wurde der Sensor Quantum Systems zufolge vom polnischen Hersteller Weles Acoustics, einer einhundertprozentigen Tochter von Quantum Systems. Die Integration einer Fähigkeit zur Schallmessortung auf eine taktische Aufklärungsdrohne ist dazu geeignet, die Fähigkeit zur reaktiven Artilleriebekämpfung signifikant zu steigern. Feindliche Artilleriegeschütze können mittels der Sensorik von in der Luft befindlichen Aufklärungsdrohnen schneller und einfacher entdeckt werden.

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Der rund 150g schwere Sensor soll nach Angaben des Unternehmenssprechers in der Lage sein, Artillerieschüsse auf eine Distanz von bis zu 15 km zu orten. Handwaffenbeschuss kann auf eine Distanz von bis zu 2,5 km detektiert werden. Die Detektionsgenauigkeit wird einem Unternehmenssprecher zufolge mit 85 Strich (5 Grad) auf 5 km angegeben, was für den Zweck der Grobortung vollkommen ausreichend ist. Ziel der Sensorintegration ist es, die grobe Schussrichtung zu orten, um anschließend eine genaue Ortung der feindlichen Feuerstellung mittels der Aufklärungsoptik der Drohne vornehmen zu können.

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Im Februar 2025 erklärte der Unternehmenssprecher gegenüber hartpunkt, dass diese Tätigkeit in einem ersten Schritt noch manuell vom Piloten der Drohne vorgenommen wird. Dem Sprecher zufolge arbeitet Quantum Systems jedoch an der Automatisierung der Funktionalität, so dass die Optronik der Drohne automatisch in die Richtung geschwenkt wird, aus der der Schuss detektiert wurde. Es ist jedoch unklar, ob diese Funktion in den derzeit an der Front befindlichen Drohnen bereits realisiert wurde.

Als Träger für die WASP-Sensorik fungiert Seibel zufolge eine Vector AI, die Ende März 2025 erstmals vorgestellt wurde. Wie ein Unternehmensvertreter gegenüber hartpunkt erklärte, sind jegliche im Ukraine-Krieg gewonnen Einsatzerkenntnisse in das Design der Vector AI eingeflossen. So wurde das „Innenleben“ der Drohne auf höchstmögliche Modularität konzipiert, damit neue Fähigkeiten und Systeme – beispielsweise ISR-, SIGINT- und EW-Sensoren von Drittanbietern – im Bedarfsfall einfacher integriert werden können. Auch eine missionsabhängige Anpassung der Nutzlast soll mittels der Vector AI möglich werden.

Zudem verfügt die AI-Variante der Vector nun über zwei „Jetson Orin“-Prozessoren von NVIDIA, die die On-Edge-KI-Fähigkeit der Drohne verdoppelt. So sind damit jetzt schon eine Objekterkennung in Echtzeit, eine automatische Zielverfolgung sowie adaptive Missionsausführung möglich, was die Arbeitsbelastung des Bedieners reduziert und die Effektivität der Mission erhöht. Dabei werden nach Aussage des Unternehmens nur 20 Prozent der Rechenkapazität benötigt. Die übrigen 80 Prozent der Kapazität sollen die Zukunfts- und Aufwuchsfähigkeit des Systems sicherstellen und die Integration neue Applikationen ermöglichen.

Ein überarbeitetes eVTOL-Stromversorgungssystem und ein fortschrittliches Energiemanagement sowie die Nutzung einer verbesserten Batterie ermöglichen bis zu vier Stunden ununterbrochenen Flug und damit eine längere Aufklärungs-Abdeckung mit weniger Systemwechseln.

Waldemar Geiger