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Lockheed Martin will die Produktion der PAC-3 MSE auf 750 Stück pro Jahr steigern

Lars Hoffmann

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Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin sieht sich einer riesigen Nachfrage bei Boden-Luft-Flugkörpern des Typs PAC-3 MSE gegenüber und setzt deshalb auf den schnellen Hochlauf der Produktionskapazitäten. Man strebe an, im Jahr 2027 die vertraglich mit der US-Regierung vereinbarte Menge von 650 Stück um einhundert Exemplare des im Patriot-System eingesetzten Flugkörpers zu übertreffen, sagte Jason Reynolds, Vice President & General Manager Missiles and Fire Control bei Lockheed Martin, heute in einem Pressegespräch auf der Rüstungsmesse LANDEURO in Wiesbaden.

Der für die PAC-3 MSE und das THAAD-System zuständige Manager führt nach eigenen Angaben gerade in Europa Gespräche mit potenziellen Zulieferern für die PAC-3-Produktion. „Wir suchen nach internationalem Content“, sagte Reynolds. So habe er beispielsweise mit Diehl über die Bereitstellung von Batterien für den Flugkörper gesprochen, jedoch noch ohne in technische Details zu gehen. Mögliche Lieferanten könnten seinen Angaben zufolge auch aus Ländern wie Dänemark, Polen oder Spanien kommen. So sei denkbar, den Startkanister für die Rakete in Polen bauen zu lassen und die spanische Firma Sener mit der Lieferung von Aktuatoren zu beauftragen, so Reynolds. Sener liefert ähnliche Komponenten auch bereits für die Iris-T und wird auch in die Produktion der von Raytheon entwickelten GEM-T in Deutschland eingebunden.

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Nach Aussage des Lockheed-Martin-Managers findet bisher keine Produktion der PAC-3 MSE im Ausland statt. Die einzige Ausnahme bilde Japan, wo seit 20 Jahren ein Programm der lokalen Fertigung für den nationalen Markt mit eigener Zulieferkette und US-Zulieferungen laufe. Ob in Zukunft eine weitere Fertigungslinie für den Flugkörper außerhalb der USA aufgebaut werde, liege im Ermessen der Regierung in Washington, betonte Reynolds. Sein Unternehmen habe prinzipiell Interesse an einer Co-Produktion oder sogenannten Sustainment-Maßnahmen in Europa.

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„Ich glaube, deutsche Unternehmen haben die Fähigkeiten, den gesamten Flugkörper herzustellen“, führte Reynolds aus. Wobei er einschränkte, dass die USA einen Teil der kritischen Technologie zurückhalten würden. Neben Rheinmetall gibt es seiner Einschätzung nach eine Reihe von Unternehmen, die Interesse an der Fertigung des Flugkörpers in anderen europäischen Staaten haben. Die Gespräche dazu müsse jedoch zunächst die US-Regierung führen.

Dem Lockheed-Martin-Manager zufolge sind im Haushalt für das Jahr 2026 die Aufwendungen für Tests zum Verschuss der PAC-3 MSE aus dem Vertical Launch System Mk 41 der U.S. Navy bereits enthalten. Nach Unterzeichnung durch den Präsidenten sei der Weg frei für das Vorhaben, nachdem der Flugkörper zuvor erfolgreich vom einem Mk 41 an Land gestartet worden sei. Für den Einsatz von US-Schiffen, die im S-Band operieren, müsse der Datenlink des PAC-3 MSE angepasst und der Startkanister modifiziert werden.

Bereits Ende Juni hatte Lockheed Martin laut einer Pressemitteilung zusammen mit der U.S. Army den PAC-3 MSE auf der White Sands Missile Range erfolgreich gegen „Air Breathing Threats“ eingesetzt. Reynolds zufolge handelte es sich dabei um einen Hochleistungs-Ziel-Marschflugkörper „mit den modernsten Gegenmaßnahmen auf dem Planeten“, der zu umfangreichen Gegenmaßnahmen befähigt sei. Die PAC-3 MSE habe die Cruise Missile mit dem Bezeichnung BQM abgeschossen.

Auch bei taktischen Boden-Boden-Systemen wie ATACMS, PrSM, GMLRS oder Javelin steigere der US-Konzern gegenwärtig massiv die Produktionsrate, sagte Paula Hartley, General Manager & Vice President Tacitcal Missiles von Lockheed Martin, in Wiesbaden. Bei HIMARS habe man den Produktionsausstoß verdoppelt, von 48 pro Jahr auf 96, bei Guided MLRS erreiche man einen Milestone von 14.000 pro Jahr. „Wir verdoppeln den Produktionsoutput des Panzerabwehrlenkflugkörpersystems Javelin“ von rund 2.000 auf 4.000 Stück pro Jahr, sagte die Managerin. Wie Hartley weiter erläuterte, rechnet sie im laufenden Jahr über ein Produktionsplus in ihrem Portfolio von rund 40 Prozent gegenüber 2024. Bei der Extended-Range GMLRS mit der doppelten Reichweite gegenüber der Vorversion sei man in der „low rate initial production“. Bei der Precision Strike Missile (PrSM) baue man gegenwärtig das Increment 1 und fahre die Herstellung kontinuierlich hoch, während das Increment 2, das die Bekämpfung von sich bewegenden Zielen ermögliche, in Entwicklung sei.

Beim gemeinsam mit Rheinmetall entwickelten GMARS-System auf dem Chassis eines Rheinmetall-Lkw hofft die Lockheed-Martin-Managerin auf einen Launch-Kunden. Noch im Sommer soll ihrer Aussage zufolge ein Live-Schießen des Systems stattfinden. Deutschland hat sich dazu entschieden, das israelische Puls-System anstatt GMARS für seine Raketenartillerie zu beschaffen. „Zusammen mit Rheinmetall sprechen wird gegenwärtig mit fünf internationalen Kunden“, sagte Hartley und fügte an, dass noch im Sommer das erste Angebot gelegt werden solle. Ob im zukünftigen Munitionswerk von Rheinmetall in Unterlüß Komponenten wie Raketenmotoren oder ganze Raketen für das GMARS-System produziert oder dies in Kundenländern erfolgen soll, werde gegenwärtig mit Rheinmetall diskutiert, sagte Hartley. Es handele sich um „offene Gespräche“, so die Managerin.

Lars Hoffmann