Das Vorhaben zur Beschaffung von sechs Fregatten der Klasse 126 befindet sich gegenwärtig in schwerem Fahrwasser. Aufgrund von jahrelangen Verzögerungen und dem Verfehlen von Projekt-Meilenstein, die dem Hauptauftragnehmer Damen Schelde Naval Shipbuilding zur Last gelegt werden, strebt das Verteidigungsministerium einen Wechsel des Generalauftragnehmers an, wobei NVL diese Rolle übernehmen soll. Die Verhandlungen dazu laufen noch.
Aufgrund des dabei bestehenden Risikos eines Abbruchs des F126-Vorhabens oder einer weiteren Verzögerung, verfolgt das Verteidigungsministerium einen parallelen Ansatz: Die Beschaffung von Fregatten der Klasse MEKO A-200 DEU bei Deutschlands größtem Marineschiffbauer TKMS. Dazu will das Ministerium einen Vorvertrag mit TKMS schließen, damit das Unternehmen alle Maßnahmen zur Sicherstellung der Fertigung einleiten kann, hartpunkt berichtete.
Wie nun aus gut informierten Kreisen zu vernehmen ist, sollen für den Vorvertrag in einem ersten Schritt rund 50 Millionen Euro bereitgestellt werden. Sollte bis zum 31. März auf den Vorvertrag kein finaler Bauvertrag folgen, soll die Laufzeit des Vorvertrags dem Vernehmen nach auf den 30. April verlängert werden. An diesem Stichtag endet auch die Frist, bis zu der über einen Wechsel des Generalauftragnehmers und damit eine Fortführung des F126-Beschaffungsprogramms entschieden werden soll.
Bei einer Verlängerung des Vorvertrages werden weitere 100 Millionen Euro fällig – schließlich befindet sich das MEKO-Projekt dann bereits im fortgeschrittenen Stadium. Den Kreisen zufolge sind im Haushalt Mittel für bis zu acht MEKO A-200 als Alternative zur F 126 eingeplant. Allerdings könnten diese acht Schiffe nur beauftragt werden, sollte das F126-Vorhaben beendet werden. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass womöglich auch weniger MEKO-Fregatten als Brückenlösung bestellt werden könnten, sollte am F-126-Projekt festgehalten werden es dabei aber zu weiteren Verzögerungen kommen.
Wie es heißt, soll mit dem Vorvertrag sichergestellt werden, dass die erste MEKO im Dezember 2029 der Bundeswehr zuläuft. Offenbar kann dieser Termin jedoch im gegenseitigen Einvernehmen verändert werden. Neben TKMS als Hauptauftragnehmer sind auch mehrere Unterauftragnehmer im Vorvertrag erwähnt, wie es heißt. Darunter die Ostseestahl GmbH aus Stralsund, die RENK AG aus Augsburg, die Stahlbau Nord GmbH aus Bremerhaven sowie Noske-Kaeser aus Hamburg.
Mit den Finanzmitteln soll sichergestellt werden, dass Fertigungsslots bei den beteiligten Firmen reserviert, Material und Langläufer-Teile bestellt und die Konstruktionspläne vorangetrieben werden. Wie hartpunkt erfahren hat, soll direkt nach dem Abschluss des Vorvertrags mit den physischen Arbeiten begonnen werden.
Wie es heißt, wird TKMS bei der Konstruktion der MEKO A-200 DEU auf Vorarbeiten für diese Schiffsklasse zurückgreifen, die im Rahmen des Fregatten-Wettbewerbs für die australischen Marine gemacht wurden. Da dieser Wettbewerb erst kürzlich abgeschlossen wurde, dürfte es sich um einen recht aktuellen Technik-Stand handeln.
Bei dem MEKO A-200-Schiffsentwurf handelt es sich um ein modulares Fregattendesign mit 121 Metern Länge, 16,4 Metern Breite und einer Verdrängung von 3.950 Tonnen. Wie der Hersteller auf seiner Webseite schreibt, wird die MEKO A-200 durch ein CODAG-WARP-System angetrieben, das eine Höchstgeschwindigkeit von über 29 Knoten ermöglicht. Die Reichweite des Standarddesigns wird mit mehr als 6.500 nautischen Meilen angegeben.
Neben einer Stammbesatzung von 125 Besatzungsmitgliedern können bei Bedarf bis zu 49 weitere Soldatinnen und Soldaten aufgenommen werden. Der Hangar bietet zudem Plat für zwei Helikopter der 6-Tonnen-Klasse oder einen 11-Tonnen-Helikopter (beispielsweise vom Typ NH90) und bis zu zwei unbemannte Flugsysteme. Weiterhin kann das Schiff zwei RHIB-Boote mit bis zu acht Metern Länge aufnehmen.
Für Australien wurde die MEKO A-200 dem Vernehmen nach mit folgender Bewaffnungsoption angeboten:
- 76mm- Schiffsgeschütz
- 16 Seezielflugkörper
- 16 MK41 Tactical VLS-Zellen für die Aufnahme von bis zu 64 „ESSM-Block 2“-Flugkörpern
- Nahbereichsverteidigungssystem
„Die kommende Vorlage macht deutlich, dass wir unserer sicherheitspolitischen Verantwortung gerecht werden und gemeinsam mit der Industrie entschlossen daran arbeiten, die bestehende Fähigkeitslücke der Marine zu schließen“, kommentiert Bastian Ernst, Mitglied im Verteidigungsausschuss und Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Marine, die Planungen zu den MEKO-Fregatten.
Seiner Einschätzung nach bleibt das Vorhaben F126 weiterhin mit erheblichen technischen, zeitlichen und finanziellen Risiken behaftet. „Unabhängig davon benötigt die Marine spätestens ab 2029 dringend Schiffe im Zulauf, um ihre Einsatz- und Durchhaltefähigkeit sicherzustellen“, betont der CDU-Politiker.
Die vergangenen Monate haben laut Ernst gezeigt, dass alle beteiligten Akteure – Bundeswehr, Industrie und Politik – konstruktiv und lösungsorientiert zusammenarbeiten können, um die Einsatzbereitschaft der Marine zu stärken. „Die kommenden Wochen werden nun entscheidend dafür sein, wie dieser Weg konkret ausgestaltet wird und wie eine verlässliche, zeitgerechte Umsetzung erreicht werden kann.“
Lars Hoffmann

















