Build with Ukraine: Quantum Systems sieht großes Potenzial von Joint Ventures

Lars Hoffmann

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Der Hersteller von Aufklärungsdrohnen und der dazugehörigen Software, Quantum Systems, hat Ende 2025 als erstes deutsches Unternehmen im Rahmen der „Build with Ukraine“-Initiative mit dem ukrainischen Partner Frontline Robotics ein Joint Venture – Quantum Frontline Industries (QFI) – für die Drohnen-Produktion in Deutschland gegründet. Vor wenigen Wochen folgte die Ankündigung zwei weiterer solcher Gemeinschaftsunternehmen mit ukrainischen Partnern, ebenfalls im Rahmen des Programms „Build with Ukraine“. Aus diesen Gesellschaften sollen in einem ersten Schritt die ukrainischen Streitkräfte beliefert werden, danach sei aber auch die Bedienung anderer Kunden denkbar, erläutert Matthias Lehna, Geschäftsführer von QFI, im Interview mit hartpunkt.

Lehna, der auch Vizepräsident bei Quantum Systems ist, sieht die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens QFI mit Frontline Robotics, einem der führenden ukrainischen Drohnenhersteller, als konsequenten Schritt seines Unternehmens nach Jahren des Engagements in dem osteuropäischen Land. „Quantum Systems ist seit 2022 mit einer sehr stringenten Lokalisierungsstrategie in der Ukraine. Wir haben mehr als 450 Mitarbeiter vor Ort, die nicht nur produzieren, sondern auch entwickeln und testen“, erläutert der Manager.

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Das Gemeinschaftsunternehmen QFI soll nach seiner Aussage die von seinem ukrainischen Partner entwickelten Drohnen hierzulande produzieren. „Wir haben seit unserer Gründung und dem Start der Produktion zu Beginn des Jahres mittlerweile über 100 Mitarbeiter eingestellt und wollen bis Ende des Jahres auf etwa 200 kommen. Das heißt, wir schaffen Arbeitsplätze in Süddeutschland“, blickt der Manager in die Zukunft. Forschung und Entwicklung seien dagegen innerhalb des Joint Ventures nicht vorgesehen. „Das Joint Venture hat den klaren Fokus auf Produktion“, sagt er.

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„Wir können uns allerdings vorstellen, gemeinsam mit den beiden Shareholder-Partnern Anpassungen für bestimmte Märkte vorzunehmen, um die Linza an die jeweiligen Anforderungen möglicher Ausschreibungen anzupassen.“ Gegenwärtig sei Quantum Systems dabei, die Linza-Drohne in die Führungssoftware Mosaic UXS zu integrieren. Damit soll ein Operateur mehrere Drohnen unterschiedlicher Hersteller gleichzeitig steuern können.

Nach Beobachtung von Lehna erfolgt der Einsatz der eigenen und anderer Drohnen in der Ukraine in einem sich ständig verändernden Kriegsumfeld. Es gehe um nicht weniger als die Revolutionierung der Kriegsführung, die damit verbunden sei. Darauf reagiert die westliche Militärwelt mit einem Wechsel der Doktrin. „Mit dem Joint Venture sind wir somit vorne mit dabei“, sagt er. „Die Systeme, die sich bei der ukrainischen Verteidigung bewähren – und das sind überwiegend ukrainische Systeme –, werden natürlich auch außerhalb der Ukraine stark nachgefragt. Und das hat man zuletzt auch in der Golfregion gesehen, wo diese Technologie eine massive Nachfrage erfährt.“

Die Linza 3.0 ist nach Angaben des Herstellers mit einem KI-fähigen visuellen Trägheitsnavigationsmodul ausgestattet, verfügt über einen 12-Zoll-Rahmen und kann bis zu 4 kg Nutzlast über eine Entfernung von bis zu 15 km transportieren, wobei sie bis zu 60 Minuten in der Luft bleiben kann.
Die Linza 3.0 ist nach Angaben des Herstellers mit einem KI-fähigen visuellen Trägheitsnavigationsmodul ausgestattet, verfügt über einen 12-Zoll-Rahmen und kann bis zu 4 kg Nutzlast über eine Entfernung von bis zu 15 km transportieren, wobei sie bis zu 60 Minuten in der Luft bleiben kann. (Bild: Quantum Systems)

Lehna geht deshalb davon aus, dass das eigene Angebot neben den ukrainischen Streitkräften, für die zunächst produziert werde, auch auf Nachfrage bei anderen Streitkräften, wie etwa der Bundeswehr, stoßen könnte. Die drei Joint Ventures mit ukrainischen Partnern werden laut Lehna bei Quantum Systems unter der Bezeichnung Quantum Industries zusammengefasst. Ziel sei es dabei, neben der Schaffung von Produktionskapazitäten für die Ukraine auch das ukrainische Know-how mit Deutschland zu teilen. Bei den beiden anderen Gemeinschaftsunternehmen geht es um den Bau von Abwehrdrohnen sowie unbemannten Bodenfahrzeugen.

Sei einmal der Bedarf der Ukraine gedeckt, könnten perspektivisch auch andere Endkunden beliefert werden. „Wir haben die Produktionsplanung zunächst dem aktuellen Auftrag angepasst“, sagt der QFI-Geschäftsführer. Allerdings laufen seinen Worten zufolge bereits Planungen, um die Produktion „zum Jahresende nochmal signifikant zu steigern“ – in der Erwartung, dass sich die Auftragslage noch einmal steigern wird.

Beim Aufbau der Drohnenproduktion in Deutschland, die sich „on track“ befindet, seien anfangs viele Bestandteile aus Asien und der Ukraine gekommen. Das ändere sich aber mittlerweile. „Wir aktivieren gerade das Ökosystem in Deutschland und stellen fest, dass wir viele Komponenten mit Zulieferern aus der Region ersetzen können, die dankbar für Aufträge sind, weil sie freie Kapazitäten haben.“

Übergabe der ersten in Deutschland produzierten Linza-Drohne an die Ukraine am 1. April 2026.
Übergabe der ersten in Deutschland produzierten Linza-Drohne an die Ukraine am 13. Februar 2026. (Bild: Quantum Systems)

Als Beispiel verweist Matthias Lehna auf Karbonfaser-Teile, die mittlerweile lokal gefertigt werden können. Der Standort punkte überdies mit hoher Produktionseffizienz. „Wir haben Komponenten, bei denen wir den Output jetzt schon auf 150 Prozent gesteigert haben, nur weil wir andere Fertigungsmöglichkeiten haben als in der Ukraine. In der Summe sehen wir, dass wir in Deutschland ein ziemlich großes, funktionierendes Industrie-Ökosystem haben, was sich positiv auf die Produktion auswirkt“, betont er. Bei einer Komponente der Quadcopter-Drohne Linza habe man die Fertigungszeit von knapp 90 Minuten auf etwa 30 Minuten reduziert. Durch dieses Ökosystem und die industrielle Erfahrung in Deutschland liegt der Ausschuss bei der Herstellung nach seinen Worten bereits unter den Werten, die in der Ukraine erreicht werden.  

Seiner Einschätzung nach werden auf absehbare Zeit gewisse Teile der Linza weiterhin aus Asien bezogen. „Aber es gibt schon erste europäische Lieferanten, die aufgrund der Volumina, die wir jetzt abrufen, überlegen, verschiedene Komponenten eventuell doch in Europa aufzubauen.“ Die Blockade der Straße von Hormus habe das Thema Lieferkettensicherheit und mehr Autarkie noch einmal in den Blickpunkt gerückt. So sei es denkbar, bestimmte Rohmaterialien wie Magnete für die Produktion mehrerer Jahre einzulagern und die Fertigungstechnologie zurückzuholen. „Das könnte schon ein Modell sein, mit dem wir einen Beitrag zur Stärkung souveräner Lieferketten leisten, weil wir große Stückzahlen abrufen, was in dieser Branche ungewöhnlich ist.“

Lehna räumt jedoch ein, dass unter anderem aufgrund der Lohnkosten hierzulande die Stückkosten höher als in der Ukraine sind. „Zum Teil werden die Komponenten nicht billiger, da wir uns von Komponenten aus China auf europäische Alternativen verlagern wollen. Was wir aber haben, ist eine Effektivitätssteigerung. Ich glaube, da gibt es noch deutlich mehr Potenzial, was wir rausholen können.“

Während das Joint Venture selbst keine F&T-Aktivitäten hat, profitiert es dennoch von den Entwicklungen der Partnerfirma in der Ukraine. „Wir haben jetzt zum Beispiel das neueste Modell, die Linza 3.0 in Produktion. Die gab es noch gar nicht, als wir im letzten Sommer mit den Verhandlungen für das Joint Venture angefangen haben. Als wir kurz vor der Vertragsfinalisierung standen, haben wir die neueste Produktvariante von Frontline Robotics‘ Linza 3.0 für das Joint Venture gewählt. Wenn wir jetzt so weiter fortfahren, wird vielleicht in der zweiten Jahreshälfte die vierte Produktinnovation kommen“, beschreibt Lehna die Entwicklung.

Im Rahmen von Quantum Tencore Industries werden von Tencore entwickelte UGV in Deutschland produziert.
Im Rahmen von Quantum Tencore Industries werden von Tencore entwickelte UGV in Deutschland produziert. (Bild: Quantum Systems)

Diese neuen Varianten würden dann wieder zertifiziert werden, um auf die Bedürfnisse des Nutzers zu reagieren. „Das könnten wir auf jeden Fall mit abbilden. Kleinere Produktanpassungen, wie etwa die Änderung des Antennenwinkels, sind außerdem sowieso immer möglich.“

Ein Grund, eine Produktionsstätte außerhalb der Ukraine aufzubauen, liegt darin begründet, vor Angriffen der russischen Streitkräfte geschützt zu sein. Lehna zufolge ist sich das Unternehmen bewusst, dass es im Fokus von „diversen Diensten“ steht. „Deswegen haben wir Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, die vom Personal bis hin zur physischen Sicherung vor Ort reichen. Wir fangen bereits bei der Auswahl des Personals an, Sicherheitsmaßnahmen zu berücksichtigen.“

Finanziert wird die Lieferung an die ukrainischen Streitkräfte im Rahmen der Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hat Deutschland nach offiziellen Angaben bislang militärische Unterstützung in Höhe von rund 55 Milliarden Euro bereitgestellt.

Beim Aufbau der Fertigung in Deutschland wurde das Joint Venture anfangs vom Produktionsleiter des Drohnenwerks von Frontline Robotics in der Ukraine unterstützt. Mittlerweile sei die Hilfe auf Verbindungsstellen reduziert worden, wobei vieles digital laufe. Sprachliche Probleme habe es kaum gegeben, sagt Lehna. „Die Ukrainer, die in unserer Branche tätig sind, können alle sehr gut Englisch. Sprache ist da kein Problem. Natürlich mussten wir Zeichnungen und Dokumente aus dem Ukrainischen ins Englische übersetzen, aber das war eine Arbeit, die zu bewältigen war.“

Das Joint Venture Quantum WIY Industries wurde beauftragt 15.000 Abfangdrohnen des Typs Strila für die Ukraine zu produzieren.
Das Joint Venture Quantum WIY Industries wurde beauftragt 15.000 Abfangdrohnen des Typs Strila für die Ukraine zu produzieren. (Bild: Quantum Systems)

Die Übertragung von ukrainischem Know-how nach Deutschland wurde nach seiner Aussage erst möglich, nachdem die ukrainische Regierung im Februar 2026 trotz Kriegsrechts eine Exporterlaubnis für dieses Joint Venture als eines der Ersten genehmigt hat.

Lehna beschreibt die ukrainischen Kollegen als „sehr zielgerichtet und pragmatisch, die nicht lange um den heißen Brei reden“. Kulturell gebe es aus seiner Sicht viele Gemeinsamkeiten zwischen Quantum Systems und den ukrainischen Joint-Venture-Partnern: hochqualifizierte Fachkräfte, die angesichts der Kriegssituation mit großer Fokussierung und Sorgfalt auf rasche Ergebnisse hinarbeiten. Insgesamt entstehe daraus „eine sehr starke Kombination“.

Lars Hoffmann