Norwegen
Entscheidung zur U-Boot-Beschaffung rückt näher

Das norwegische Verteidigungsministerium wird nach Einschätzung von Experten in Kürze über die weitere Vorgehensweise bei der Beschaffung von neuen U-Booten entscheiden. Die Boote sollen als Nachfolger der gegenwärtig eingesetzten Boote der Ula-Klasse etwa Mitte der kommenden Dekade zulaufen. Anfang des Jahres hatten die Skandinavier das Feld der Bieter auf den französischen Konzern DCNS und tkMS aus Deutschland reduziert. Jetzt geht es darum, wer von beiden den Zuschlag erhält.

Während einige Beobachter in Deutschland fest davon ausgehen, dass Norwegen im ersten Quartal 2017 den Sieger des Wettbewerbs bekanntgibt und mit ihm dann die Detailverhandlungen beginnt, können sich andere Experten auch vorstellen, dass eine Ausschreibung erfolgt, bei der die Norweger die technischen Spezifikationen vorgeben. Dann würde weiter mit beiden Anbietern verhandelt.

Auch Torbjörn Svensgard, der Direktor des norwegischen Verbandes der Verteidigungsindustrie FSI, erwartet für Anfang des kommenden Jahres eine Festlegung des Verteidigungsministeriums in Oslo zur weiteren Vorgehensweise. Vermutlich werde die Regierung dem Parlament noch vor Juni einen genauen Vorschlag zur Beschaffung der Unterseeboote vorlegen.

Selbst wenn sich das Ministerium auf einen Anbieter festlege und nur mit diesem weiter verhandele, heiße dies nicht, dass der andere automatisch aus dem Rennen sei, betonte Svensgard. Denn der FSI-Direktor geht davon aus, dass sich die Verhandlungen zwei weitere Jahre hinziehen werden. „Es wird voraussichtlich keinen Vertragsschluss vor 2019 geben“, stellte er klar.

Industrielle Kompensation gefordert

Von einem Lieferanten erwarten die Norweger neben einem leistungsfähigen und preisgünstigen U-Boot-Design auch industrielle Kompensationsgeschäfte. Sie wollen so die Absatzchancen für die eigene Rüstungsbranche verbessern. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, ist die deutsche Seite zu weit reichenden Zugeständnissen bereit. So wird über ein Joint Venture zwischen tkMS, Atlas Elektronik und dem norwegischen Staatskonzern Kongsberg nachgedacht. Demnach würde Kongsberg bei allen zukünftigen U-Booten aus deutscher Produktion einen Fertigungsanteil erhalten. Das Unternehmen hat unter anderem eine umfassende Expertise im Bereich der Führungs- und Waffeneinsatzsysteme, die auch bereits auf deutschen Unterseebooten eingesetzt werden. Wie es weiter heißt, haben die drei Firmen bereits ein so genanntes Teaming-Agreement verhandelt und paraphiert. Diese würde allerdings nur umgesetzt, falls Deutschland den Zuschlag erhält.

Darüber hinaus hat das deutsche Verteidigungsministerium als eine mögliche Bewaffnungsalternative der zukünftigen Fregatten der  Klasse MKS 180 den Seezielflugkörper Naval Strike Missile (NSM) von Kongsberg vorgesehen. Ob dies den Norwegern ausreicht, bleibt abzuwarten. Gerüchteweise haben die französischen Streitkräfte die Nutzung der NSM auf deutlich mehr Plattformen angeboten.

Außerdem halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach das BMVg den Norwegern die Entwicklungs-Zusammenarbeit bei einem Seezielflugkörper der nächsten Generation anbieten könnte. Nach Angaben des BMVg gibt es jedoch im Augenblick kein konkretes Forschungs-Programm und deshalb auch keine Mittel für ein solches Vorhaben. Als Problem bei einer solchen Zusammenarbeit könnte sich überdies erweisen, dass Kongsberg bereits in eine Partnerschaft mit dem US-Raketenbauer Raytheon eingebunden ist.

Interesse aus den Niederlanden?

Wie es  aus Insiderkreisen heißt, haben angeblich die Niederländer in den vergangenen Monaten vorsichtiges Interesse an einer Beteiligung an einer norwegisch-deutschen U-Boot-Beschaffung gezeigt. Bislang hatten  die Niederländer allerdings einen Fokus auf Boote, die für große Distanzen ausgelegt sind,  wie die gegenwärtig eingeführte Walrus-Klasse. Der Vorteil an einer Beteiligung liegt ganz eindeutig in der Kostenreduktion. Würden neben vier Booten für Norwegen, zwei für Deutschland noch weitere für die Niederlande gebaut, sinken  die  Stückkosten. Auch Polen will neue U-Boote beschaffen und könnte als Partner in Frage kommen.  Allerdings hieß es zuletzt in den Medien, dass das polnische Verteidigungsministerium das schwedische A-26-Design präferiert.

Voraussetzung für eine solche Mehr-Nationen-Kooperation ist allerdings, dass sich zunächst Norwegen und Deutschland einig werden. Das ist jedoch alles andere als sicher. Denn die Franzosen haben offenbar verstanden, dass Norwegen großen Wert auf eine industrielle Zusammenarbeit legt und arbeiten an entsprechenden Angeboten. So haben DCNS und Thales in Kooperation mit dem FSI und der französischen Botschaft Anfang Dezember einen Industrie-Tag in Oslo veranstaltet. An den Gesprächen haben nach Angaben von DCNS mehr als 65 norwegische Unterhemen der Verteidigungsindustrie teilgenommen. Man hoffe auf die Unterzeichnung industrieller Partnerschaften zwischen den Unternehmen beider Nationen im kommenden Jahr.
lah/22.12.2016